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Tech-Konzern Softbank : 23 Milliarden Euro an Scham

Masayoshi Son Bild: Reuters

Softbank-Gründer Masayoshi Son schämt sich: Seine Beteiligungsgesellschaft macht 23 Milliarden Euro Verlust. Son will nun drastisch sparen.

          3 Min.

          Der japanische Technologieinvestor Softbank Group hat drastische Einsparungen angekündigt, nachdem das Unternehmen im ersten Teil des Geschäftsjahres einen Rekordverlust von 3,16 Billionen Yen (23 Milliarden Euro) verzeichnet hat. Softbank-Gründer Masayoshi Son begründete den Verlust mit dem Wertverfall von Technologieaktien im Frühjahr und dem schwachen Yen.

          Patrick Welter
          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Son, der üblicherweise einen unerschütterlichen Optimismus ausstrahlt, bezeichnete die Pressekonferenz nach dem Rekordverlust als depressiv. Er schäme sich, dass er nach früheren großen Gewinnen so beschwingt gewesen sei, sagte er wenige Tage vor seinem 65. Geburtstag.

          Doch auch am Tage des größten Verlusts für Softbank blieb Son dem bunten, exzentrischen und oft überdreht wirkenden Stil seiner Präsentationen treu. Der Softbank-Chef zog eine Parallele zur Schlacht von Mitakagahara im Jahr 1573, in dem der spätere Shogun Ieyasu Tokugawa eine große Niederlage erlitten hatte, weil er nicht auf den Rat seiner Verbündeten, sondern auf sein Ego gehört hatte. So wie Tokugawa nach der Niederlage fühle er auch, sagte Son. Er wolle die Episode als eine Warnung nehmen.

          Tech-Baisse lässt Bewertungen schmelzen

          Das Herzstück der Softbank Group, die Vision-Anlagefonds, buchten im Zeitraum von April bis Juni einen Verlust von 2,94 Billionen Yen, fast so viel wie schon im Vorquartal. Ein Großteil davon sind nicht realisierte Bewertungsverluste, die aufgeholt werden können. Doch binnen eines Jahres hat Softbank die kumulierten Investitionsgewinne der Fonds, die 7 Billionen Yen erreicht hatten, auf nahezu Null gedrückt. „Wenn wir ein wenig selektiver und ordentlich investiert hätten, wäre der Schaden nicht so groß gewesen“, sagte Son.

          Der wichtigste Grund für das Minus sind die seit dem Frühjahr fallenden Kurse für Technologieaktien. Unternehmen, die Softbanks Vision Fonds beim Börsengang begleitet hatte, schnitten dabei besonders schlecht ab. Ein entsprechend von Softbank berechneter Aktien-Index für die Fonds-Unternehmen verlor im zweiten Quartal 31 Prozent, während der amerikanische Nasdaq-Index nur 22 Prozent abrutschte.

          Besonders stark traf es von den Softbank-Beteiligungen das südkoreanische Internetkaufhaus Coupang, den in Hong Kong notierten Anbieter künstlicher Intelligenz, Sense Time, und den amerikanischen Essenlieferdienst DoorDash. Der schwache Yen bescherte Softbank einen Netto-Verlust von 819,9 Milliarden Yen, weil in Dollar denominierte Verbindlichkeiten neu bewertet werden mussten.

          Investitionen in fast 500 Unternehmen

          Son hat in den vergangenen Jahren den Markt für Beteiligungskapital aufgemischt, nachdem er 2017 für den ersten Vision-Fonds 100 Milliarden Dollar Anlagekapital zusammengebracht hatte, zu einem großen Teil von Saudi-Arabien. Seine Anlagestrategie besteht darin, in junge Unternehmen in den Bereichen Internet und künstliche Intelligenz zu investieren, um von einem erfolgreichen Börsengang zu profitieren. Damit will er seinem vier Jahrzehnte altem Unternehmen Softbank eine Zukunft für 300 Jahre oder mehr sichern.

          Sons Investorengeschick gründet vor allem darin, dass der vor 22 Jahren 20 Millionen Dollar in das chinesische Internet-Start-up Alibaba von Jack Ma investiert, das sich zum größten Internetkaufhaus des Landes entwickelte und Son einen Gewinn von mehr als 50 Milliarden Dollar einbrachte. Softbank hat derzeit in mehr als 470 Unternehmen invertiert. Son erwartet, dass nur zwei oder drei davon sich besser als Alibaba entwickeln würden. Das aber würde dann die Rendite für alle Anlagen tragen. Am Montag gab Son sich sehr nachdenklich mit Blick auf diese Anlagestrategie. „Wenn wir unsere Vision einseitig verfolgen, riskieren wir die Vernichtung. Das muss um jeden Preis vermieden werden.“

          Fehlschläge wie die Milliardeninvestitionen in den Internetfahrdienst Uber oder den Büroraumvermieter Wework hatten Softbank in den vergangenen Jahren vorsichtiger werden lassen. Im Mai hatte Son eine Zeit der Zurückhaltung bei Investitionen angekündigt, auch mit Verweis auf das gesamtwirtschaftlich schwierigere Umfeld. Es sei unklar, ob diese Zeit drei Monate oder drei Jahre dauern werde, sagte er am Montag. „Für nicht börsennotierte Unternehmen kann der Winter länger dauern als für börsengehandelte Unternehmen.“

          Als Absicherung in den schwierigen Zeiten hat Softbank schon Milliarden Dollar flüssig gemacht und seine Barreserven gestärkt, in dem es rund ein Drittel seiner Alibaba-Aktien auf Termin mit Rückkaufoption verkauft hat. Son legte am Montag nicht offen, ob er dafür weiteren Spielraum sehe. Auch zu Details des geplanten Börsengangs des britischen Chipdesigners Arm schwieg er.

          Wie so oft auf sein Alter angesprochen sagte Son, dass er immer mehr Enthusiasmus für seine Aufgabe entwickele. Seine Vision sei felsenfest. Tokugawa zitierte er bei der Gelegenheit nicht. Nach der verlorenen Schlacht von Mitakagahara brauchte Togukawa noch 27 Jahre, um Japan unter seiner Führung zu einigen und das Shogunat zu begründen, das Japan fast 300 Jahre lang regierte.

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