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Japanischer Tech-Investor : Softbank hält an Partnerschaft mit Saudi-Arabien fest

Softbank-Chef Masayoshi Son während der Pressekonferenz an diesem Montag. Bild: AP

Nach dem Mord am oppositionellen Journalisten Jamal Khashoggi stand der japanische Milliardeninvestor im Kreuzfeuer der Kritik. Nun äußert sich erstmals Softbank-Chef Son – und legt Zahlen vor.

          Softbank Group, die japanische Technologie-Beteiligungsgruppe, hält trotz der Unsicherheiten um die grausame Ermordung des saudi-arabischen Journalisten Jamal Khashoggi an der bestehenden Investitionspartnerschaft mit dem Königreich fest. Für künftige Projekte aber will Softbank sich nicht festlegen. Softbank-Chef Masayoshi Son hielt bei der Vorlage der Quartalsdaten alle Optionen offen.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          In seinem ersten öffentlichen Kommentar zu dem „tragischen Vorfall“ verurteilte Son den Mord und forderte, dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen würden. Softbank habe aber eine Verantwortung übernommen und werde dem saudi-arabischen Volk nicht den Rücken kehren, sagte Son. Softbank hatte 2016 den fast 100 Milliarden Dollar schweren Vision-Fonds für Investitionen in Technologie-Unternehmen aufgelegt, zu dem Saudi-Arabien 45 Milliarden Dollar beiträgt. Das Unternehmen habe so eine Verpflichtung übernommen, dem saudischen Volk bei der Diversifizierung der Wirtschaft weg vom Öl zu helfen, erklärte Son.

          Softbank hat sich wie wenige andere Unternehmen mit dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman eingelassen, der als wirtschaftlicher Reformer und faktischer Machthaber gilt. Er wird als Auftraggeber hinter der Ermordung des Regimekritikers Khashoggi vermutet. Son war vergangenen Monate nach Saudi-Arabien gereist, verzichtete aber auf die Teilnahme an einer internationalen Investorenkonferenz. Er habe seine Besorgnis über den Fall Khashoggi erklären wollen, rechtfertigte er die Reise. Er hoffe, dass die Saudis der Sache schnell auf den Grund gingen und eine verantwortungsvolle Erklärung gäben, sagte Son.

          Saudische Milliarden waren Grundlage für Softbanks Erfolg

          Die Anlage-Milliarden aus Saudi-Arabien haben Softbank geholfen, sich von einem erfolgreichen Telekommunikationsunternehmen zu einem Investor zu mausern, der sich innerhalb kürzester Zeit global an Dutzenden Unternehmen in den Bereichen Künstliche Intelligenz, Internet der Dinge und internetbasierte Dienstleistungen beteiligte, vom Fahrdienst Uber bis zum Chip-Designer ARM, vom Büroraumvermieter Wework bis zu Interneteinkaufsplattformen wie dem südkoreanischen Coupang. Im Quartal von Juli bis September trug der Vision-Fonds rund 56 Prozent zum Betriebsgewinn der Softbank-Gruppe bei. Der Überschuss betrug 526,4 Milliarden Yen (4 Milliarden Euro), nach 97,1 Milliarden Yen vor einem Jahr. Dazu trug bei, dass der Vision-Fonds Kasse machte und seinen Anteil an Flipkart, Indiens größtes Internetkaufhaus, an das amerikanische Walmart verkaufte. Softbank investierte 2,56 Milliarden Dollar und verkaufte für 4 Milliarden Dollar.

          Die enge Verbindung von Softbank mit Saudi-Arabien hatte in den Wochen seit der Ermordung Khashoggis Anfang Oktober für Unruhe über die Zukunft des Vision-Funds gesorgt. Die Aktie von Softbank hat seit Anfang Oktober rund 22 Prozent verloren, wobei der Hauptgrund der allgemeine Rutsch von Technologie-Werten ist. Son schloss nicht aus, dass manche Technologieunternehmen wegen des politischen Hintergrunds künftig kein Kapital von Softbanks Vision-Funds annehmen würden. Bislang seien ihm solche Fälle aber nicht bekannt.

          Der saudische Kronprinz hatte erst im Oktober gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg angekündigt, sich mit weiteren 45 Milliarden Dollar an einem zweiten Softbank-Investitionsfonds beteiligen zu wollen. Son hielt sich am Montag in dieser Hinsicht alle Optionen offen. Softbank beobachte vorerst sorgfältig, wie der Fall Khashoggi sich entwickle und aufgeklärt werde, sagte er auf entsprechende Fragen. Eine Notwendigkeit, schnell einen zweiten Fonds aufzulegen, sieht Son nicht. Der erste Vision-Fonds habe noch nicht alles Kapital verausgabt. Auch werde der geplante Börsengang der Mobiltelefongesellschaft Softbank Mobile in Japan Geld bringen, das auch für Investitionen dienen könne.

          Softbank plant den Börsengang der Tochtergesellschaft für Dezember. Das Unternehmen will dabei bis zu 30 Milliarden Dollar erzielen. Doch vor dem Erfolg des Börsengangs stehen Fragezeichen, nachdem die Aktienkurse in den vergangenen Wochen stark verloren haben. Zugleich belastet ein Preiskampf der japanischen Mobiltelefonanbieter, der durch die Regierung angeheizt wird, die Aussichten für den Börsengang. Son zeigte sich zuversichtlich und pragmatisch. Über die Bewertung von Softbank Mobile entscheide der Markt, sagte er.

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