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Hilfsangebot : Softbank-Gründer überdenkt seinen Testplan für Coronavirus

Masayoshi Son im Februar 2020 Bild: AFP

Masayoshi Son, einer der reichsten Männer Japans, wollte im Kampf gegen das Coronavirus helfen. Jetzt will er sein Angebot überdenken. Warum?

          2 Min.

          Masayoshi Son, der Gründer des Technologie-Investors Softbank, zwitschert nicht oft. Seine letzte Nachricht auf dem Kurznachrichtendienst Twitter war mehr als drei Jahre alt, bevor er diese Woche seinen 2,4 Millionen Twitter-Freunden etwas Neues mitzuteilen hatte. Er sei über das neue Coronavirus besorgt und wolle helfen, erklärte Son unter seiner Twitter-Adresse @masason. In einer ersten Runde wolle er 1 Million Menschen die Möglichkeit eröffnen, sich auf das Virus testen zu lassen.

          Patrick Welter
          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Das Hilfsangebot zielt auf eine japanische Besonderheit. Das Land hält sich mit Virentests auffallend zurück. Gerade mal 10.205 Japaner wurden seit Januar nach Angaben des Gesundheitsministeriums getestet. Das schafft das Nachbarland Südkorea an einem Tag. Dort wurden in Massentests schon 235.000 Menschen auf eine Ansteckung mit dem Virus untersucht.

          Sogar mit dem Auto in Drive-Through-Tests können Südkoreaner sich checken lassen, so dass sie keiner erhöhten Ansteckungsgefahr in Krankenhäusern ausgesetzt sind. Japan aber testet wenig. Das führt zur Kritik im Ausland und im Inland, weil die offizielle Zahl von 619 Infizierten vielleicht eine hohe Dunkelziffer verberge. Der Nationale Sicherheitsrat in Seoul etwa warf Japan eine „undurchsichtige“ Krisenabwehr vor.

          Wenig Zustimmung auf Twitter

          Die japanische Regierung begründet die Zurückhaltung als Versuch, eine Überlastung von Krankenhäusern und medizinischen Einrichtungen zu vermeiden. Die Testkapazität wurde mittlerweile auf 6000 am Tag aufgestockt, doch immer noch werden nur wenige Hundert schwere Fälle am Tag getestet. Daran gibt es Kritik in Japan, weil manche Patienten mit Erkältungssymptomen vergeblich um einen Test baten.

          Dem will Son, mit einem Vermögen von etwa 22 Milliarden Dollar einer der reichsten Männer Japans, abhelfen. Auf dem Twitter-Dienst zeigte er schon eine Skizze, wie der Massentest geschehen solle. Danach nimmt der Patient mit einem Wattestäbchen einen Abstrich aus der Nase und sendet ihn an ein Labor. Auch die Gates-Stiftung des Microsoft-Mitgründers Bill Gates arbeite an dieser Methode, berichtete Son. Er habe mit dem Gesundheitsministerium in Tokio gesprochen, um zu kooperieren.

          Doch die Idee des Milliardärs fand auf Twitter wenig Zustimmung. Son stieß auf scharfe Kritik von Followern, die vor einem Zusammenbruch des Gesundheitssystems wie in Italien warnten und die medizinischen Qualitäten des Softbank-Gründers bezweifelten. Einer empfahl Son, lieber eine Fabrik für Gesichtsschutzmasken aufzumachen. Ein anderer empfahl den Ärzten, den regierenden Liberaldemokraten von Herrn Son abzuraten. Gut zwei Stunden später gab Son vorerst auf und kündigte auf Twitter an, seine Idee zu überdenken. „Es kommt schlecht an, vielleicht sollte ich es nicht tun …“, zwitscherte Son.

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