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Société-Générale Händler Kerviel äußert sich : „Man verliert das Gefühl für Summen“

  • Aktualisiert am

Bild: afp

Der Wertpapierhändler Jérôme Kerviel soll bei der französischen Großbank Société Générale Milliarden verspekuliert haben. Jetzt hat er sich erstmals öffentlich geäußert. Er trage „einen Teil der Verantwortung“, sagte Kerviel in Paris.

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          Im Spekulationsskandal bei der französischen Großbank Société Générale hat der beschuldigte Händler Jérôme Kerviel sich erstmals selbst öffentlich geäußert. Er trage „einen Teil der Verantwortung“, wolle aber nicht der „Sündenbock“ der Bank sein, sagte Kerviel am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP in Paris. Einzelheiten zu seinen ungenehmigten Spekulationen wollte der 31-Jährige nicht nennen. Dies werde er vor den Richtern tun, sagte Kerviel, der sich im Büro seiner Anwältin Elisabeth Meyer äußerte. Die Société Générale beschuldigt Kerviel, ihr einen Verlust von 4,82 Milliarden Euro beschert zu haben, indem er mehr als 50 Milliarden Euro für ungenehmigte Termingeschäfte auf Aktienindizes einsetzte.

          „Man verliert das Gefühl für Summen, wenn man in diesem Beruf arbeitet“, sagte Kerviel weiter. Der wahre Wert des Geldes verschwinde. „Man lässt sich ein bisschen davontragen.“ Kerviel betonte wie bereits in seinen Vernehmungen, dass er sich niemals persönlich habe bereichern wollen. „Ziel war, für die Bank Geld zu verdienen.“ Vorwürfe, er sei „instabil“, wies der 31-Jährige vehement zurück: „Ich bin weder selbstmordgefährdet noch depressiv.“ Trotz des enormen Drucks auf ihn in den vergangenen Tagen habe er „nie an Flucht gedacht“.

          Kerviel ist wegen Vertrauensbruchs, Fälschung und Eindringens in ein Computerdatensystem angeklagt, nicht aber wegen Betrugs. Seine ungenehmigten Spekulationen waren am 20. Januar aufgeflogen. Die Bank machte ihren Verlust am 24. Januar bekannt, Kerviel wurde zwei Tage später in Polizeigewahrsam genommen und von einem Untersuchungsrichter verhört. Laut den Vernehmungsprotokollen wollte Kerviel mit seinen Spekulationen beweisen, dass er besser sei als seine Kollegen. Er gab zu, seine Transaktionen verschleiert zu haben. Seine Vorgesetzten beschuldigte Kerviel aber, von den Spekulationen dennoch gewusst zu haben.

          „Ich bin weder selbstmordgefährdet noch depressiv”

          Der Aktienhändler war nach zwei Tagen Vernehmung Ende Januar unter Auflagen auf freien Fuß gesetzt worden, wogegen die Staatsanwaltschaft Berufung einlegte. Auch nach der Freilassung wurde Kerviel weiter verhört, nach Angaben aus Justizkreisen zuletzt acht Stunden lang am Montag. Die Entscheidung über die Berufung soll am Freitag fallen.

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