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VW übernimmt Europcar : So will Volkswagen Carsharing profitabel machen

Eine Filiale von Europcar Bild: dapd

Immer mehr Menschen wollen Autos nur noch fahren, wenn sie sie wirklich brauchen. Doch noch lohnt sich Car Sharing kaum. VW-Chef Diess will das ändern.

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          Volkswagen will mit der milliardenschweren Übernahme des Leihwagenunternehmens Europcar zu einem führenden Mobilitätsanbieter aufsteigen. Konzernchef Herbert Diess kündigte am Donnerstag an, den europäischen Autovermieter in eine Plattform für Angebote rund um Carsharing, Mitfahrdienste und Abo-Modelle umzubauen. Volkswagen wolle kein Leihwagengeschäft kaufen, sagte er. „Es geht darum, Synergien für neue Mobilitätsdienstleistungen zu heben.“

          Carsten Germis
          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Das französische Unternehmen, das vor 15 Jahren schon einmal dem Wolfsburger Konzern gehörte, werde mit der Übernahme zum Kern der neuen Strategie, mit der Diess den Autobauer auf den Wandel der Mobilität vorbereitet, hieß es. Ein Konsortium unter Führung von Volkswagen hatte sich am Vorabend mit den Europcar-Eignern auf den Preis für die Übernahme geeinigt.

          Europcar hat eine Autoflotte von mehr als 350.000 Fahrzeugen und mehr als 3500 Leihstationen in mehr als 140 Ländern mit mehr als fünf Millionen Kunden im Jahr. Diess schwebt vor, auf der Grundlage dieses Netzwerks eine Plattform aufzubauen, auf der Angebote vom Leihwagen bis zum Carsharing gebucht werden können. Volkswagen brauche eine Plattform, die die steigende Nachfrage bedienen, aber auch eine breite Palette an Angeboten anbieten könne.

          Andere Dienste sollen in Europcar integriert werden

          Er rechne damit, dass der Markt schnell wachse, sagte Diess. „Der Mobilitätsmarkt verändert sich rasant.“ Kunden wünschten sich zunehmend neue Angebote, beispielsweise Abo- oder Sharing-Modelle als Alternative zum eigenen Auto. Europcar verfüge über ein breites Netz von Standorten an Flughäfen, Bahnhöfen und in den Innenstädten. „Das wird uns dabei helfen, unsere ambitionierten Ziele zum Ausbau der Mobilitätsdienstleistungen schneller zu erreichen“, sagte Diess.

          Auch andere Automobilunternehmen richten sich auf ein verändertes Nutzungsverhalten vor allem jüngerer Kunden ein, die Autos nicht mehr besitzen, sondern für kurze Zeit mieten oder abonnieren wollen. Volkswagen verfügt unter der Marke WeShare in einigen Städten bereits über Aktivitäten im Carsharing und bietet mit den Sammeltaxis der Konzerntochter Moia bereits in Hamburg und in Hannover seit einiger Zeit Mitfahrdienste an. Das Problem: Der Ausbau kommt nur langsam voran, außerdem wirft das Geschäft in der Anfangsphase kaum Geld ab. Volkswagen will WeShare und andere Dienste deswegen schnell in Europcar integrieren.

          „Die Kombination von Vermietung und Carsharing ist wahrscheinlich der einzige Weg, um Carsharing profitabel zu machen“, sagte Diess in einer Telefonkonferenz mit Journalisten anlässlich der Präsentation der Geschäftszahlen für das erste Halbjahr. Einer der Konkurrenten, auf den VW auch schon ein Auge geworfen hatte, ist ebenfalls auf diesem Weg.

          Europcar ist fast drei Milliarden schwer

          Der Münchner Autovermieter Sixt verfügt bereits über eine Mobilitätsplattform, mit deren Hilfe das klassische Verleihgeschäft, Carsharing und Fahrdienste zusammenwachsen sollen. Darüber können auch Autos abonniert werden. Volkswagen bietet den Europcar-Eignern gemeinsam mit dem Londoner Vermögensverwalter Attestor Limited und dem niederländischen Mobilitätsanbieter Pon Holdings als Partner 50 Cent je Aktie, womit das Pariser Unternehmen 2,5 Milliarden Euro wert wäre.

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