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Mit neuem Streaming-Dienst : Disney startet Frontalangriff auf Netflix

Die Einfahrt zu den Walt-Disney-Studios im klaifornischen Burbank (Archivfoto) Bild: Reuters

Der Unterhaltungskonzern stellt seinen neuen Videodienst vor. Dafür will er aufwendige neue Shows wie einen „Star Wars“-Ableger produzieren lassen – und Inhalte von Netflix abziehen.

          Netflix ist für die Film- und Fernsehindustrie in Hollywood in den vergangenen Jahren zu einer immer größeren Bedrohung geworden. Einerseits ist der Videodienst zwar eine Einnahmequelle für die Unterhaltungsindustrie, weil er deren Shows und Filme zeigt und entsprechend Lizenzgebühren zahlt. Andererseits sehen viele Menschen Netflix zunehmend als Alternative zu einem Kabelanschluss oder auch einem Kinobesuch, und das bedroht die traditionellen Verwertungskanäle der Branche. Zudem produziert Netflix auch immer mehr eigene Fernsehserien und Filme und wird somit auch zu einem direkten Wettbewerber der etablierten Unterhaltungskonzerne.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Nun aber steht die bislang größte Gegenoffensive für Netflix aus Hollywood bevor. Am Donnerstagnachmittag will der Unterhaltungsgigant Walt Disney bei einer Präsentation vor Investoren seine Pläne für eine neue Streaming-Plattform konkretisieren, die mit Netflix und auch anderen Angeboten wie „Prime Video“ von Amazon.com konkurrieren soll. Der neue Videodienst mit dem Namen „Disney+“ wird in der Branche mit großer Spannung erwartet, schließlich dürfte kein anderes Unternehmen über ähnlich attraktive Inhalte verfügen wie Disney. Dazu gehören nicht nur die vielen Zeichentrickklassiker, mit denen Disney seit jeher besonders stark identifiziert wird, von „Bambi“ über „König der Löwen“ bis zu „Die Eiskönigin“. Vorstandsvorsitzender Bob Iger hat in den vergangenen Jahren sein Arsenal an Inhalten auch mit einer ganzen Serie von milliardenschweren Akquisitionen verstärkt. Das begann zunächst nahe am traditionellen Kerngeschäft mit dem Zeichentrickstudio Pixar, darauf folgten der für Superheldenstoffe bekannte Comic- und Filmproduzent Marvel sowie das „Star Wars“-Produktionsstudio Lucasfilm. Und erst vor wenigen Monaten vollzog Iger den teuersten Zukauf in der Geschichte seines Unternehmens, als er mehr als 71 Milliarden Dollar für große Teile des Unterhaltungskonzerns 21st Century Fox zahlte. Damit bekam er Zugriff auf Stoffe wie „Avatar“ oder „X-Men“.

          Neuauflage von „Susi und Strolch“

          Wann genau Disneys Streaming-Dienst starten und wie viel er kosten wird, war im Vorfeld der Veranstaltung am Donnerstag noch unklar. In der Branche wird aber damit gerechnet, dass „Disney+“ von Herbst an verfügbar sein und seine Abonnenten weniger als Netflix kosten wird. Einige der für „Disney+“ geplanten Inhalte sind schon bekannt. So soll es zum Beispiel einen „Star Wars“-Ableger namens „The Mandalorian“ geben, eine zunächst auf zehn Teile angelegte Fernsehshow, deren Budget bei stattlichen 100 Millionen Dollar liegen soll. Geplant ist auch eine Zeichentrickserie, die auf dem Pixar-Film „Die Monster AG“ beruht, sowie eine Neuauflage des Disney-Klassikers „Susi und Strolch“.

          Iger sagte, „Disney+“ genieße im Konzern höchste Priorität. Seine Offensive kommt zu einer Zeit, in der das Streaming-Geschäft immer umkämpfter wird. Auch eine Reihe anderer traditioneller Medienkonzerne wie Comcast oder Warner Media, eine Tochtergesellschaft des Telekommunikationsanbieters AT&T, arbeiten derzeit an Videoplattformen. Daneben drängen auch immer mehr Technologieunternehmen auf den Markt. Der Elektronikkonzern Apple stellte erst vor wenigen Wochen seine neue Streaming-Plattform „Apple TV+“ vor, die er ebenso wie Netflix auch mit eigenen Inhalten bestücken will. Dazu gehören Projekte des Regisseurs Steven Spielberg sowie der Schauspielerinnen Reese Witherspoon und Jennifer Aniston. Disney selbst betreibt auch jetzt schon den Streamingdienst „ESPN+“ mit Sportangeboten. Seit der Fox-Übernahme ist Disney auch Mehrheitseigentümer von Hulu, einem reinen Streaming-Dienst wie Netflix oder Prime Video.

          Die neue Netflix-Konkurrenzplattform hat für Disney auch einen Preis. Denn um Exklusivität für „Disney+“ zu gewährleisten und den Dienst entsprechend attraktiv zu machen, wird das Unternehmen seine Inhalte von Netflix und anderen Diensten abziehen und auf entsprechende Einnahmen verzichten. Disney rechnet damit, dass dies den Betriebsgewinn um jährlich 150 Millionen Dollar senken wird. Das soll mit den Einnahmen aus „Disney+“ ausgeglichen werden. Die Analysten von Moffett Nathanson trauen dem Dienst zu, bis zum Jahr 2023 mehr als 35 Millionen Abonnenten zu finden. Damit würde das Unternehmen freilich noch immer weit hinter dem Rivalen Netflix zurückliegen, der zuletzt fast 140 Millionen zahlende Kunden hatte.

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