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Vorstand Thomas Rabe : So will Bertelsmann mit Google und Co. mithalten

Bertelsmann-Chef Thomas Rabe im März 2018 in Berlin Bild: EPA

Die globalen Plattformen haben für Bertelsmann eine „neue Dimension von Konkurrenz geschaffen“. Das sagt Chef Thomas Rabe. Seine Überlebensstrategie: Tech-Partnerschaften und hochwertige Inhalte.

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          Im Wettbewerb mit den globalen Online-Plattformen wie Google, Amazon oder Facebook will sich die Mediengruppe Bertelsmann stärker für strategische Allianzen öffnen. „Auch im laufenden Jahr bleiben unsere Antworten auf den Wettbewerb mit den globalen Tech-Plattformen von hoher strategischer Relevanz für uns“, sagte Bertelsmann-Vorstandschef Thomas Rabe am Dienstag in Berlin bei der Vorstellung der Jahreszahlen für 2018.

          Carsten Germis
          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Die globalen Plattformen hätten für Bertelsmann eine „neue Dimension von Konkurrenz geschaffen“, sagte er der F.A.Z. „Da liegt noch eine erhebliche Wegstrecke vor uns.“ Neben der Offenheit für Partnerschaften setzt Bertelsmann in diesem Wettbewerb vor allem auf eigene Inhalte. „Das ist es, was uns unterscheidet“, sagte Rabe. „Wir geben jährlich rund sechs Milliarden Euro für Kreativinhalte aus.“

          Rabe berichtete, dass Bertelsmann mittlerweile fast die Hälfte seines Umsatzes im Digitalgeschäft erwirtschafte. Mit ihren Social Media-Angeboten erreichten die Unternehmen der ostwestfälischen Mediengruppe mittlerweile rund 2,9 Milliarden Follower. Im Fokus der nächsten Jahre stehe nun die Stärkung der Technologie-Kompetenzen. Bertelsmann sei in erster Linie ein Medien- und Dienstleistungsunternehmen.

          Potentiale der Künstliche Intelligenz

          „Ohne Partnerschaften bei Technologie und Daten geht es nicht“, sagte Rabe. Cloud Computing, Data Analytics und Künstliche Intelligenz sind die drei Technologietrends, in die Bertelsmann investieren und mit Partnern wie Microsoft und Google zusammenarbeiten will. Die globalen Tech-Plattformen aus den Vereinigten Staaten sind für das Gütersloher Medienhaus nicht nur Wettbewerber, sondern auch wichtige Partner.

          Mit Facebook zum Beispiel habe Bertelsmann mit der Dienstleistungstochter Arvato die Zusammenarbeit 2018 ausgebaut. Mehrere tausend Mitarbeiter seien weltweit für Facebook tätig, um Hasskommentare aus den sozialen Netzwerken zu löschen. Der Bertelsmann-Chef sieht große Potentiale in der Künstlichen Intelligenz. „Hier gibt es zahlreiche konkrete Anwendungsfälle im Konzern, die wir in den kommenden Jahren massiv ausbauen werden“, sagte er.

          Insgesamt erzielte die Gruppe 2018 einen Umsatz von 17,7 Milliarden Euro. Das organische Wachstum sei dabei mit 2,7 Prozent so stark gewesen wie seit Jahren nicht. Der operative Gewinn (Ebitda) lag mit 2,59 Milliarden Euro leicht unter den 2,64 Milliarden Euro des Vorjahres. Damals hatte Bertelsmann durch Erträge aus Immobilienverkäufen allerdings Sondereffekte verbucht. Das Konzernergebnis hat mit gut 1,1 Milliarden Euro das vierte Jahr in Folge die von Rabe gesetzte Marke von einer Milliarde Euro überschritten. Im Vorjahr waren es knapp 1,2 Milliarden Euro gewesen.

          Verkaufsschlager Obama

          „Wir sind wachstumsstärker, digitaler und internationaler geworden“, sagte Rabe. Rückgrat war 2018 erneut die Sendergruppe RTL, die 2018 mit 6,5 Milliarden Euro wieder einen Rekordwert beim Umsatz erzielte. Zufrieden zeigte sich der Bertelsmann-Chef auch mit dem Buchgeschäft. Unbestätigten Berichten zufolge hat die Verlagsgruppe Penguin Random House für die Memoiren des früheren amerikanischen Präsidenten Barack Obama und seiner Frau Michelle rund 65 Millionen Euro Vorschuss bezahlt.

          „Ich kann Ihnen sagen, unsere Erwartungen sind weit übertroffen worden“, sagte Rabe. Das Mitte November in 36 Ländern gleichzeitig auf den Markt gebrachte Buch „Becoming“ von Michelle Obama hat sich nach Angaben von Bertelsmann bislang fast 10 Millionen mal verkauft – es war damit in kurzer Zeit das erfolgreichste Buch des Jahres für Penguin Random House.

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