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Online-Lebensmittelhandel : So will Aldi in China durchstarten

  • Aktualisiert am

Blick auf eine Filiale des Lebensmittelhändlers Aldi. Bild: dpa

Viele westliche Supermarktketten sind in China gescheitert, zuletzt die französische Kette Carrefour. Aldi will aus deren Fehlern lernen und setzt auf aktuelle Trends.

          Kann Aldi in China gelingen, woran immer mehr ausländische Supermarktketten scheitern? Gerade hat Aldi Süd im Juni seine ersten beiden Filialen in Shanghai eröffnet, da zieht sich mit Carrefour der nächste Konkurrent aus dem chinesischen Markt zurück.

          Der größte Einzelhändler Europas kündigte vergangene Woche den Verkauf von 80 Prozent seines China-Geschäfts für rund 620 Millionen Euro an Suning.com an. Das chinesische Unternehmen hat sich zudem die Option gesichert, die übrigen 20 Prozent der französischen Kette zu übernehmen. 

          Carrefour war seit 1995 in China aktiv, doch für die rund 200 Supermärkte in der Volksrepublik ging es zuletzt bergab. Die Umsätze waren 2018 um fast sechs Prozent auf 4,1 Milliarden Euro gesunken. Der harte Wettbewerb mit heimischen Anbietern und die in China rasant wachsende Konkurrenz durch das Online-Geschäft werden dafür als Hauptgründe gesehen.

          Online-Lebensmittelhandel boomt in China

          Die britische Supermarktkette Tesco verabschiedete sich bereits vor sechs Jahren zu einem großen Teil aus China. Auch der amerikanische Konzern Home Depot hat seine Ambitionen in China längst begraben. Zuletzt verkaufte 2018 der spanische Discounter Dia nach 15 Jahren in China seine 450 Filialen. Auch hier war der Käufer die Suning-Gruppe, die sich ursprünglich besonders auf Elektronik-Läden spezialisiert hatte.

          China wird laut Marktforschern der International Data Group Amerika zwar in vier Jahren als größten Lebensmittelmarkt der Welt ablösen. Doch besonders ausländische Ketten haben Probleme, sich auf die geänderten Kaufgewohnheiten der Chinesen einzustellen. Groß-Supermärkte, wie sie Carrefour in der Regel betreibt, sind immer weniger gefragt. Denn Chinas Mittelklasse hat keine Lust mehr, sich durch endlose Regalreihen zu suchen und sich in langen Schlangen an den Kassen einzureihen. Warum auch, wenn man sich Obst, Fleisch und Gemüse ebenso gut an die Haustür liefern lassen kann?

          Laut einer Untersuchung des Marktforschungsfirma Nielsen wurden zuletzt bereits 18 Prozent der sogenannten schnell drehenden Waren wie verpackte Lebensmittel, Getränke, Toilettenartikel, rezeptfreie Medikamente und andere Verbrauchsmaterialien in China online gekauft. In Deutschland waren es gerade mal 1,7 Prozent.

          Aldi setzt auf lokale Kooperationen

          Um mithalten zu können, haben sich ausländische Ketten wie der amerikanische Supermarkt-Riese Walmart mit einer der chinesischen E-Commerce-Plattformen verbündet. Chinas Online-Giganten Alibaba und JD.com oder Lieferdienste wie Meituan und Ele.me beliefern immer mehr Kunden schnell mit Einkäufen aus dem Supermarkt oder Restaurant um die Ecke.

          Der deutschen Discounter Aldi hat dies erkannt und will es besser machen als Carrefour. Vor zwei Jahren tastete sich Aldi Süd zunächst mit einer reinen Online-Präsenz auf dem chinesischen Markt vor. Dafür kooperiert Aldi mit der zu Alibaba gehörenden Handelsplattform Tmall. 

          Auch in den ersten stationären Märkten setzt Aldi nun auf den Online-Trend. Kunden können dort über die in China stark verbreitete Allzweck-App WeChat direkt bei Aldi-Filialen Waren bestellen und bekommen diese im Umkreis von drei Kilometern sofort geliefert. Mittelfristig sollen in China nach unbestätigten Berichten zehn Filialen aufgebaut werden - langfristig sogar 50 bis 100.

          Im Geschäft kann der Kunde mit den in China sehr populären Apps WeChat oder Ali-Pay auf dem Smartphone mobil bezahlen oder auch selbst Waren scannen, ohne lange an der Kasse stehen zu müssen. Auch setzt der Aldi-Konzern, der in elf Ländern mit 6240 Filialen aktiv ist, in China auf ein besonderes Konzept: Keine Billigware, sondern ausgesuchte, höherwertigere Produkte sollen verkauft werden. Die Qualität soll garantiert werden, da der chinesische Kunde schon so manchen Lebensmittelskandal erlebt hat. So sind hochwertige Importwaren wie Rindfleisch und Milch aus Australien, Wein aus Bordeaux, Bioprodukte oder auch trendiges Craftbeer aus dem nahe gelegenen Hangzhou in den ersten Shanghaier Märkten zu finden.

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