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Gesprengte Geldautomaten : Bombenleger in der Bankfiliale

  • Aktualisiert am

Gesprengter Geldautomat in Berlin Bild: dpa

Die Sprengung von Geldautomaten sorgt für Schäden in Millionenhöhe und macht entlegene Filialen für die Banken noch unrentabler. Jetzt wurden drei Männer auf frischer Tat ertappt.

          Die Täter hinterließen ein Schlachtfeld in dem kleinen Ort Hachborn in Hessen. Mitten in der Nacht, um 2.20 Uhr, sprengten sie Ende Oktober den Geldautomaten der örtlichen Raiffeisenbank in die Luft. Das kleine Häuschen, in dem er stand, wurde komplett zerstört, der angrenzende Getränkemarkt ebenfalls beschädigt. Die Polizei spricht von mehreren hunderttausend Euro Schaden allein durch die Sprengung. Wie viel Geld die Diebe entwendeten, wurde nicht bekannt, es dürfte weniger gewesen sein als der entstandene Schaden. Gefunden hat die Polizei die Täter noch nicht. Die Beamten tappen aber nicht überall im Dunkeln. In Nordrhein-Westfalen wurden am frühen Mittwochmorgen nach einer Serie von geknackten Geldautomaten drei Männer auf frischer Tat ertappt.

          Dass Diebe Geldautomaten in die Luft sprengen, wird für die Ermittlungsbehörden trauriger Alltag und für Kreditinstitute ein zunehmendes Ärgernis. Denn nicht selten sind die Schäden, die die rabiate Vorgehensweise an Gebäuden hinterlässt, erheblich. Ganze Filialen müssen dann renoviert werden und für längere Zeit geschlossen bleiben. Schon berichten Volksbankvorstände, dass sie für ihre Filialen in entlegeneren Gebieten höhere Versicherungsprämien zahlen müssen. Die ohnehin schon in vielen Fällen unrentablen Zweigstellen auf dem Lande werden dadurch noch teurer. Beim Bundeskriminalamt (BKA) sind in diesem Jahr bis November 63 Fälle bekanntgeworden, bei denen Kriminelle Geldautomaten in die Luft sprengten. Nur in 34 Fällen gelangten sie dabei an Geld. In den vergangenen beiden Jahren waren es deutlich mehr Fälle gewesen, allein im Jahr 2014 schlugen die Täter 116-mal zu, 2013 insgesamt 89-mal.

          Damit kommt diese Art des Raubzugs schon recht nah an die Zahl der herkömmlichen Banküberfälle heran, die laut BKA im Jahr 2014 bei 193 lag und eher rückläufig ist. In aller Regel kleben die Täter die Automaten luftdicht ab, leiten Gas hinein und sprengen sie dann in die Luft. Sprengstoff kommt nur in wenigen Fällen zum Einsatz. Unbeteiligte kamen laut BKA bislang noch nicht zu Schaden, aber dass sich die Täter selbst teilweise erheblich verletzen, komme immer wieder vor.

          Banken gegen einheitliche Sicherheitsvorkehrungen

          In Nordrhein-Westfalen hat das Landeskriminalamt (LKA) eine Sonderkommission für die explosiven Überfälle eingerichtet. Allein in dem Bundesland haben die Sprengräuber in diesem Jahr mehr als 40-mal zugeschlagen - öfter als in allen anderen Ländern zusammen. Mehrere Millionen Euro Schaden sind dabei entstanden.

          Das LKA vermutet Gruppen aus den Niederlanden hinter den Taten. Im September hatte eine halsbrecherische Verfolgungsjagd über die Autobahnen Nordrhein-Westfalens in die Niederlande für Aufsehen gesorgt. Auch in Süd- und Osteuropa vermuten die Ermittler Banden, die für ihre Raubzüge durch Deutschland reisen. Die Banken fordern eine bessere internationale Zusammenarbeit der Ermittlungsbehörden. Gleichzeitig wehren sie sich gegen einheitliche Sicherheitsvorschriften für alle Automaten, wie sie aus der Politik laut werden. Sie wären zu teuer. Der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger (SPD) forderte, dass Banken und Sparkassen Automaten mit Farbpatronen sichern sollten, die im Fall einer Sprengung das Geld mit Spezialtinte einfärben. In Nachbarländern, auch in den Niederlanden, ist das Pflicht, was als ein Grund gilt, warum die Banden von dort nach Nordrhein-Westfalen einreisen.

          Angesichts solch kostspieliger Vorschriften wiegeln die Banken ab. Gemessen an der Gesamtzahl von mehr als 60.000 Geldautomaten in Deutschland, sei die Zahl der Angriffe überschaubar, heißt es vom Dachverband Deutsche Kreditwirtschaft. Je nach Standort und Gefährdungslage entschieden die Institute selbst, was sinnvoll sei: Einbruchmeldeanlagen, Videoüberwachung oder Erschütterungsmelder, in Einzelfällen auch Einfärbesysteme oder Gasdetektoren. Einige Banken schließen ihre Selbstbedienungsräume über Nacht ab. Dass der Einsatz von Farbkartuschen Aufbrüche verhindere, dafür gebe es keinen statistischen Beleg, sagt ein Verbandssprecher, und fügt vielsagend hinzu, dass es ja offenbar auch einen „Markt“ für derartig gekennzeichnete Banknoten gebe.

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