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Handys mit Mängeln : Reparieren statt Wegwerfen

  • -Aktualisiert am

Ein riesiges Umweltproblem: Weggeworfene Handys kurz bevor sie geschreddert werden Bild: dpa

Der Akku ist kaputt – und schon landet das Smartphone im Müll. So wird der Elektroschrott-Berg in der Welt immer höher. Reparando tut etwas dagegen.

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          Die Milliarden Smartphones auf der Welt bedeuten auch riesige Mengen an Elektroschrott. Die Aries Solution GmbH steuert dagegen. Das 2013 gegründete IT-Unternehmen aus Oberderdingen in Baden-Württemberg repariert seit 2015 bei einem großen Automobilhersteller aus Stuttgart und anderen Unternehmen mobile Endgeräte.

          „Es hat uns schockiert, wie viele technische Geräte entsorgt werden aufgrund von kleinen Mängeln“, sagt Geschäftsführer Jan Ludwig. Der Grund sei, dass auf den Geräten firmeninterne Daten gespeichert seien, die aus datenschutzrechtlichen Gründen das Unternehmen nicht verlassen dürften.

          Im September 2019 hat Aries Solution die Marke Reparando der damaligen Reparando GmbH übernommen. „Seit dieser Übernahme ist Reparando der einzige Vor-Ort-Service, der in der gesamten DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) angeboten wird“, berichtet Ludwig. „Bei all unseren Kunden rücken unsere Techniker kurzfristig aus, wenn zum Beispiel ein Display zu Bruch gegangen ist oder ein Akku defekt ist“, sagt Michael Späth, Leiter des Teams Operation.

          Nicht länger als 30 Minuten

          Unternehmen hätten aber oft zusätzlich Festaufträge. Dann warten die Techniker Geräte und tauschen Einzelteile aus. Die Kunden geben an, ob sie die Reparatur vor Ort haben möchten oder das Gerät eingeschickt werden soll. Man garantiere, dass sie ihr Mobilgerät spätestens innerhalb von zwei Werktagen wieder voll funktionsfähig zur Verfügung hätten, sagt Späth.

          Bei einer Vor-Ort-Reparatur greift das Unternehmen auf einen von rund 200 Technikern zurück. Eine Reparatur dauert meistens nicht länger als 30 Minuten. „Dadurch, dass wir unseren Service vor Ort anbieten können, ist die Angst vor Datenmissbrauch bei den Kunden viel geringer“, erklärt Ludwig. „Es ist ein anderes Gefühl, dem Techniker während der Reparatur über die Schulter schauen zu können, als sein Gerät mit den privaten Inhalten in fremde Hände zu geben.“ Außerdem sei es möglich, Daten wiederherzustellen und ein Backup zu tätigen. „So konnten wir schon öfters verlorengeglaubte Familienbilder zurückgewinnen.“

          Eine Reparatur kostet mit Anfahrtskosten 60 bis 150 Euro. Dieser Preis liegt unter dem Durchschnitt der Reparaturkosten vieler Mobilgerätehersteller. Kunden sind Konzerne, mittelständische Betriebe, Schulen, soziale Einrichtungen und Privatkunden. „Die Liste geht vom Deutschen Fußball-Bund über Dax-Unternehmen bis hin zum Deutschen Bundestag“, berichtet Ludwig.

          Zwölf Monate Garantie

          Die Ersatzteile bezieht das Unternehmen aus China. Sie besitzen Erstausrüsterqualität und durchlaufen vor dem Einbau eine dreifache Qualitätskontrolle. „Durch unseren sehr hohen Prüfstandard ist es uns möglich, eine lange Garantie zu gewährleisten“, sagt Ludwig. „Privatkunden bekommen bei uns zwölf Monate Garantie auf das neu verbaute Ersatzteil. Das ist viermal länger als bei den großen Mobilgeräteherstellern, die meist nur drei Monate gewähren.“ Unternehmen bekommen eine lebenslange Garantie.

          Insgesamt genießt die Branche für solche Reparaturen jedoch ein eher geringes Ansehen. „Die Margen sind sehr klein, es ist eher ein Nullsummenspiel“, sagt Ludwig über den reinen Reparaturservice. Allerdings gehört in den Bereich von Reparando auch der An- und Verkauf mobiler Endgeräte und der Verkauf von Zubehör wie Kopfhörern und Panzergläsern. Diese kann das Unternehmen günstig in großen Mengen einkaufen und so doch noch ein positives Ergebnis erzielen.

          Nach Angaben des Geschäftsführers hat die Aries Solution GmbH inklusive Reparando einen Jahresumsatz von rund 1,2 Millionen Euro. Der Anteil von Reparando liege bei 40 Prozent. Man sei von der Corona-Pandemie getroffen worden. Vorher habe die Zahl der Vor-Ort-Aufträge bei bis zu 700 im Monat gelegen. „Aktuell sind es nur noch 200 bis 250 Aufträge.“

          Man wolle das Reparieren von Mobilgeräten noch attraktiver machen, sagt Ludwig. In Kooperation mit Gemeinden soll eine Nachhaltigkeitsinitiative geschaffen werden. Dann bekommen Kunden bei einer Reparatur einen Nachlass. Ein ähnliches Model gibt es in Österreich. Die Initiative Reparaturbonus NÖ motiviert Menschen dazu, ein Gerät reparieren zu lassen, anstatt es zu entsorgen.

          Der Artikel stammt aus dem Schülerprojekt „Jugend und Wirtschaft“, das die F.A.Z. gemeinsam mit dem Bundesverband deutscher Banken veranstaltet.

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