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„Smart Meter“ : Dem schwarzen Stromzähler schlägt die Stunde

Die Tage des analogen Stromzählers sind langsam gezählt Bild: dpa

In Neubauten und bei Sanierungen müssen ab 2010 intelligente Strom- und Gaszähler installiert werden, die den Verbrauch ständig erfassen. Damit werden auch die Tarifsysteme für Endverbraucher flexibel. Italien gehören die Smart Meter bereits zum Alltagsleben - nicht aus Sorge um die Energieeffizienz, sondern um den weitverbreiteten Stromklau zu verhindern.

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          Das Aus für den schwarzen Stromzähler ist eingeleitet; doch das Ende dieses altmodisch anmutenden Kastens wird schleichend sein. Vom 1. Januar an müssen in Neubauten sowie in Altbausanierungen intelligente Strom- und Gaszähler installiert werden. Dies ist in Deutschland der erste Schritt zur Umsetzung einer EU-Umweltrichtlinie, alle Haushalte bis zum Jahr 2022 mit diesen „Smart Meter“ auszustatten. Nach der Verordnung der Europäischen Kommission sollen bis zum Jahr 2020 rund 80 Prozent der Haushalte diese intelligenten Zähler haben.

          Rüdiger Köhn
          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Die Smart Meter können den Verbrauch von Strom oder Gas ständig erfassen. Dem Endabnehmer wird so sein Nutzungsprofil vermittelt, um bewusster und effizienter Energie verwenden zu können. Den Energieversorgern werden die erfassten Daten über Telefon oder Internet weitergeleitet werden, die dadurch die Erzeugung von Strom dem Verbrauch besser anpassen können. Mit der Umstellung entsteht ein großer Markt. Allein für den Austausch der Zähler könnte nach Schätzungen von Experten ein Marktvolumen von insgesamt 7 Milliarden Euro anfallen. Bis zum Jahr 2022 müssen in Deutschland immerhin 42 Millionen Strom- und 22 Millionen Gaszähler ausgetauscht werden. Hinzu kommt die Installation durch Handwerker. Der Energieversorger Eon hat berechnet, dass die Netzbetreiber bis zu knapp 13 Milliarden Euro für den Aufbau ausgeben könnten: für die Netzinfrastruktur am Zählerendpunkt, für die Kommunikation zwischen Zähler und Betreiber sowie für Informationstechnik zur Auswertung der gemessenen Daten.

          Natürlich werden die Verbraucher den Aufwand dafür in irgendeiner Form tragen müssen. Aber: „Die höheren Kosten für die Installation sollen durch Einsparungen beim Strom neutralisiert werden“, sagt Peter Heuell, Deutschland-Geschäftsführer des Schweizer Unternehmens Landis + Gyr, einem der führenden Hersteller solcher Smart Meter. Experten würden davon ausgehen, dass die Verbraucher allein durch das stärkere Sparbewusstsein den Stromkonsum um 3 bis 5 Prozent senken könnten. Das würde die Stromrechnung im Jahr um 15 Euro verringern. Einige Schätzungen gehen sogar von Stromeinsparungen von bis zu 10 Prozent durch einen Smart Meter aus.

          Einsparungen bei großen Verbrauchern schon dramatisch

          Die Installation der Messgeräte in Neu- und Altbausanierungen ist nur der erste Schritt. Bis März 2011 muss die EU-Richtlinie im Gesetz verankert sein. Von den erwarteten zu installierenden 1,2 Millionen Geräten werden nach Schätzung von Heuell im nächsten Jahr nur rund ein Drittel auf Smart Meter entfallen. „Im nächsten Jahr wird es noch nicht die große Welle geben“, sagt er. Danach dürften allerdings die Monteure knapp werden. „2012 kommt der erste Tornado, das haben wir in Schweden und Italien schon erlebt.“ Dann könnten fünfmal so viele Zähler der neuen Generation eingebaut werden.

          Deutschland ist verglichen mit anderen europäischen Ländern eher ein Spätzünder. Am weitesten ist Schweden, wo der Einbau aufgrund gesetzlicher Vorgaben schon sehr früh erfolgte. In Italien gehören die Smart Meter zum Alltagsleben, nicht aus Sorge um die Energieeffizienz. Dort ging es vielmehr darum, den weitverbreiteten Stromklau zu verhindern. In Frankreich wird der Schub im Jahr 2010 erwartet.

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