https://www.faz.net/-gqe-91sw6

Traditionsspiel Skat : Überreizt und doch noch nicht verloren

  • -Aktualisiert am

Die Maschinen sind inzwischen größer geworden: Spielkartenproduktion in den 1930er Jahren. Bild: Ullstein

Was macht eine Skatkartenfabrik, wenn niemand mehr Skat spielt? In Altenburg, der Geburtsort des Traditionsspiels, hält man dem Trend entgegen und bastelt an neuen Ideen. Sogar mit digitalen Experimenten.

          Das Arbeitszimmer von Hans Jäschke gleicht einem Sportler-Vereinsheim: Mit Pokalen und Bierseideln bestückte Regale hängen an der rot-gelb bestrichenen Wand, daneben Urkunden und mit Wappen verzierte Wandteller. Das wahre Gold seiner kleinen privaten Schatzkammer bewahrt Jäschke in vier Schreibtischschubladen auf: Hunderte von Spielkartendecks, alle fein säuberlich mit Nummern beschriftet und geordnet. Der Sport des Pensionärs ist das Lieblingsspiel der Deutschen: Skat.

          „Obwohl viele das bezweifeln, ist Skat sehr wohl ein Sport“, sagt Jäschke. Als Beweis zählt er die Wettkampfdisziplinen und -klassen auf, in denen sich die Profis und Amateure seiner Zunft messen: Einzel-, Mannschafts- und Tandemmeisterschaften, Landes- und Bundesligen, die Deutsche Meisterschaft als höchste Kür. „Wenn man an einem Wochenende acht Serien über zwei Tage spielt, geht das schon an die Substanz“, sagt der Pensionär. Er selbst stieg bis in die Regionalliga auf und ist überzeugt, dass es auch für die zweite Liga gereicht hätte. „Aber irgendwann ist man in einem Alter, da muss man sich das nicht mehr antun.“ Wenn er sich mit den Skatfreunden seines Vereins „SC Nobitzer Dausquetscher“ trifft, spielt er ohne Wettkampfambitionen.

          Knifflige Fälle für das Skatgericht

          Dabei winken im Skat auch ordentliche Preisgelder. Das gilt vor allem für regionale Turniere, wo die Veranstalter oft Sponsoren an der Hand haben – etwa die örtliche Feuerwehr, Brauhäuser, ein Möbelhaus oder eine Versicherung. In Altenburg tritt als Unterstützer der Energieversorger „Ewa“ auf. Die Höhe der Preisgelder richtet sich aber auch nach der Teilnehmerzahl und Größe der Turniere.

          Die digitale F.A.Z. PLUS
          F.A.Z. Edition

          Die digitale Ausgabe der F.A.Z., für alle Endgeräte optimiert und um multimediale Inhalte angereichert

          Mehr erfahren

          Obwohl Hans Jäschke auf einem Auge blind ist, hat er in allen Skat-Fragen den vollen Durchblick. Deshalb ist er auch Gründungs- und Ehrenmitglied des Deutschen Skatgerichts, das über die Einhaltung der Internationalen Skatordnung wacht. Drei- bis viermal im Jahr treffen sich die sieben Mitglieder in Altenburg, um über Streitfälle unter Profi- und Hobbyspielern zu richten. Mitunter gibt es dabei knifflige Fälle zu lösen, wie Jäschke verrät. Bei Todesfällen während eines Turniers etwa – oder wenn erst nach zwei schon gespielten Partien bemerkt wird, dass ein Blatt fehlerhaft ist, weil zweimal die gleiche Karte dabei ist.

          Das Kartenspiel ist in Altenburg allgegenwärtig

          Hans Jäschke hat mit Altenburg den richtigen Wohn- und Heimatort für seine große Leidenschaft. Die rund 33 000 Einwohner zählende Stadt im thüringischen Grenzgebiet zu Sachsen ist so etwas wie die Wiege des Skatspiels. Das ist nicht erst bekannt, seit die Altenburger „Skatbank“ wegen der Einführung von Negativzinsen Schlagzeilen machte. Auch sonst erinnert an fast jeder Ecke etwas an Spielkarten.

          Von Jäschkes Wohnung geht es über verwinkelte Gassen zum aufwendig sanierten Residenzschloss, eine Wandmalerei davor begrüßt Besucher in der „Skatstadt Altenburg“, unterlegt ist der Schriftzug mit dem Stadtwappen und den vier Trumpffarben des Deutschen Blattes, Eichel, Blatt, Herz und Schellen. Im Haupthaus des Schlosses ist das Spielkartenmuseum beherbergt, das dem Skatspiel einen eigenen Ausstellungsraum widmet. „Die ältesten Spielkarten hier stammen aus dem Jahr 1500“, erklärt die Exkursionsleiterin bedeutungsschwer.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Wahl von der Leyens : Eine pragmatische Lösung

          Das Europäische Parlament ist über seinen Schatten gesprungen und vermeidet mit der Wahl von der Leyens den Machtkampf mit dem Europäischen Rat. Der Erfolg der CDU-Politikerin sichert auch das Überleben der großen Koalition – fürs Erste.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.