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Skandal um Babynahrung : Verseuchte Milch, vergiftete Stimmung

Billig macht krank: Zwei Babys sind bereits an dem verseuchten Milchpulver gestorben, 50 schwer erkrankt Bild: REUTERS

Der tödliche Skandal um verseuchtes Milchpulver in China bringt den neuseeländischen Milchriesen Fonterra in Not. Das Unternehmen geht von Sabotage aus, die Regierung Neuseelands macht der Volksrepublik schwere Vorwürfe - sie soll den Vorfall vertuscht haben.

          Der tödliche Skandal um verseuchtes Milchpulver in China geht auf Sabotage zurück – das behauptet zumindest Andrew Ferrier, der Vorstandsvorsitzende des neuseeländischen Weltmarktführers für Milch, der Fonterra Cooperative Group. „Es ist nie möglich, Sabotage vollständig zu verhindern. Und in diesem Fall haben wir es mit Sabotage zu tun“, sagte Ferrier am Montag in Singapur. „Es ist eine furchtbare Tragödie, und wir sind zunächst damit beschäftigt, das betroffene Produkt aus den Regalen zu nehmen.“

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Fonterra gehören 43 Prozent des chinesischen Herstellers von Babynahrung Shijiazhuang Sanlu Group. Dieser soll die Vergiftung seiner Produkte über Wochen während der Olympischen Spiele in Peking vertuscht haben, bis die neuseeländische Ministerpräsidentin Helen Clark die Regierung offiziell warnte. Ferrier schloss aus, dass die Verunreinigung des Milchpulvers zufällig entstanden sei.

          Zwei Kinder gestorben, 50 schwer erkrankt

          Zwei Babys sind in China an dem vergifteten Pulver schon gestorben, fast 1260 erkrankt, 50 davon schwer, erklärten die Behörden am Montag. Die Kleinkinder waren mit Sanlus Milchpulver gefüttert worden, das mit der Industriechemikalie Melamin versetzt worden zu sein scheint. Bei den Kindern führte dies zur Bildung von Nierensteinen.

          Der Skandal erinnert an die Debatte im Herbst des vergangenen Jahres, als unter anderem bekannt wurde, dass in China für westliche Hersteller wie den amerikanischen Mattel-Konzern gefertigtes Spielzeug entgegen den Vereinbarungen mit Bleifarben lackiert wurde. Melamin war in China im vergangenen Jahr auch als Beimischung in Tierfutter gefunden worden; in Amerika sollen ihm Katzen und Hunde zum Opfer gefallen sein. Betrüger setzten Melamin der Milch bei, um einen erhöhten Proteingehalt vorzutäuschen, erklärte der stellvertretende chinesische Gesundheitsminister Gao Qiang am Freitag.

          Chinesische Regierung wollte Problem vertuschen

          Der vielleicht noch größere Skandal indes liegt im Umgang mit der Katastrophe, wie sich nun Stück für Stück herausschält. Obwohl Sanlu schon am 2. August die Vergiftung seiner Produkte bemerkt hatte, warnte das Unternehmen die Öffentlichkeit erst in der vergangenen Woche und begann, die Produkte aus den Regalen zu nehmen. Ferrier räumte dies am Montag ein. Der Kanadier in Diensten des größten neuseeländischen Unternehmens sieht sich und sein Haus nun einer Welle der Kritik ausgesetzt; nicht früh und entschieden genug hätten sie gehandelt. Jetzt versucht er, den Ruf des weltgrößten Milchexporteurs zu retten. „Dies ist eine innerchinesische Angelegenheit“, sagte der Fonterra-Chef, dessen Unternehmen größter Aktionär von Sanlu ist. So seien alle in diesem Fall bislang Festgenommenen chinesische Zulieferer. Sein Haus dränge Sanlu seit Anfang August, die Produkte aus den Regalen zu nehmen – vergebens. Am 5. September hatte sich dann, wohl auf Drängen Fonterras hin, die neuseeländische Ministerpräsidentin Helen Clark in Peking für ein Handeln eingesetzt.

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