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Werbekampagne von Sixt : #Dressgate schafft es in die Werbung

  • -Aktualisiert am

Dieses Kleid sorgt im Internet für hitzige Diskussionen: Sixt weiß den Hype für Werbezwecke zu nutzen. Bild: Screenshot von tumblr

Im Internet diskutieren Millionen Menschen über die Farbe eines Kleides: blau-schwarz oder weiß-gold? Das weiß der Autovermieter Sixt für sich zu nutzen.

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          Kleider können für Irritationen sorgen, am schlimmsten ist es, wenn das gleiche Modell mehrmals auf ein- und derselben Party auftaucht. Den betroffenen Damen ist das schnell peinlich, der Rest ist amüsiert. Mit diesem Kleid kann Ihnen das nicht passieren. Es ist so wandlungsfähig, dass es schon seit Tagen auf der ganzen Welt für heftige Diskussionen im Internet sorgt. Grund dafür ist die Farbkombination, denn die scheint allein im Auge des Betrachters zu liegen.

          Das Kleid hatte die Mutter einer Braut getragen, doch nach der Hochzeit war sich niemand mehr sicher: Welche Farben hatte es gehabt? Dann stellte eine Bloggerin das Foto auf die Internetplattform Tumblr und fragte ganz unbedarft nach dem Eindruck. Die Folge: Seitdem steht die digitale Welt Kopf.

          So klar die Antwort für jeden einzelnen zu sein scheint, diese Frage ist alles andere als trivial: Auf Facebook und Twitter entbrannte eine hitzige Debatte zwischen denen, die auf dem Foto ein weiß-goldenes Kleid erkennen, und denen, die es für schwarz-blau halten. Selbst Promis wie die Sängerin Taylor Swift machten mit.

          Blau-Schwarz oder Weiß-Gold?

          Inzwischen schalteten sich sogar Wissenschaftler in die virale Debatte ein, denn das Foto ist alles andere als ein dummer Scherz. Es gibt eine komplizierte Erklärung dafür, dass Menschen unterschiedliche Farben in dem Bild erkennen. Das menschliche Gehirn ist in der Lage, Farben auch in unterschiedlichen Lichtverhältnissen zu identifizieren und zuzuordnen. Das nennt man Farbkonstanz. Da das Foto aber nicht genügend Informationen über die wahren Lichtverhältnisse im Raum bietet, entsteht ein gewisser Interpretationsspielraum für das Gehirn. So erhalten die Menschen unterschiedliche Farbeindrücke, je nachdem, wie sie das Lichtumfeld bewerten.

          Glaubt man, dass sich das Kleid nur im Schatten in einem ansonsten hell ausgeleuchteten Raum befindet, blendet das Gehirn automatisch die blauen Farbpigmente aus. Das Kleid wird in den Farben Weiß und Gold wahrgenommen. Denkt man andererseits, dass helles Licht die Farben des Bildes verblassen lassen, antizipiert das Gehirn diese Information und „korrigiert“ die Farben automatisch in ein dunkleres Blau und Schwarz.

          Das Phänomen ist bisher allerdings weitgehend unbekannt, deshalb sorgte es für so viel Furore: Was soll schon schwer daran sein, die Farbe eines Kleides zu bestimmen? Deshalb verteidigt jeder so vehement das, was er zu sehen glaubt.

          In dieser diffusen und doch hartnäckigen Aufregung hat nun der Autovermieter Sixt mit einer Ad-hoc-Werbekampagne einen Nerv getroffen. Für seine Schwäche für schrille Werbeplakaten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel oder ihrem Vorgänger Gerhard Schröder ist er in der Vergangenheit schon in Erscheinung getreten. Erst vor wenigen Monaten, auf dem vorläufigen Höhepunkt des Bahnstreiks, kürte er Gewerkschaftsführer Claus Weselsky zum „Mitarbeiter des Monats“ und sorgte damit für Erheiterung.

          Auch das neuste Internetphänomen setzte Sixt postwendend um: Mit einem blau-schwarzen Auto warb das Unternehmen für einen weiß-goldenen BMW. Das sorgte für allerlei Frotzeleien auf der Sixt-Facebook-Seite: „BMW? Ich sehe nur einen Skoda?“, schrieb einer. Und ein anderer stellte klar: „Das ist schon rot, aber nicht ein Auto sondern ein Fahrrad!!!!!!“.

          So funktioniert „virales Marketing“. Nicht ohne Grund ist diese Werbeanzeige nur in den sozialen Netzwerken erschienen, und erntet dort großen Zuspruch. Sie wird gar nicht als solche wahrgenommen, sondern kommt augenzwinkernd und unaufdringlich daher, als wäre sie nur einer der vielen Witze, die mittlerweile über „Dressgate“ im Netz kursieren.

          Dabei nutzt die Autovermietung die Aufregung all derer, die zumindest von der Kleid-Frage gehört haben. Auch wenn sie sich nicht beteiligt, sondern nur darüber gewundert haben. Und das dürfte ein großer Teil derer sein, die als Zielgruppe für das Unternehmen infrage kommen: junge Internetnutzer, die solche Phänomene in minutenschnelle aufsaugen.

          Welche Farbe das wohl berühmteste Kleid des Internets nun hat, wurde übrigens mittlerweile geklärt: Eine Augenzeugin sicherte zu, in der Realität es sei eindeutig blau-schwarz. Jedenfalls bei bestimmten Lichtverhältnissen.

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