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Spekulation über Fusion : Aufsichtsräte von Deutscher Bank und Commerzbank tagen am selben Tag

Was wird aus Commerzbank und Deutscher Bank? Bild: AP

Was wird aus den großen deutschen Geldhäusern? In der Fusions-Debatte sprechen die Gewerkschaften eine große Warnung aus.

          Die Aufsichtsräte von Deutscher Bank und Commerzbank treten beide am nächsten Donnerstag, dem 21. März, zu Sitzungen zusammen. In beiden Institute ist die Rede davon, dass die Termine von langer Hand geplant und nicht etwa wegen der neu aufgenommenen informellen Fusionsgespräche anberaumt seien.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Während in der Deutschen Bank dieser Termin einleuchtet, da am Tag darauf der Geschäftsbericht veröffentlicht wird, verwundert das Datum bei der Commerzbank: Sie legt ihre Geschäftszahlen erst in der Woche darauf vor.

          Die Vermutung liegt also nahe, dass an dem Tag eine mögliche Fusion der beiden Banken vorangetrieben werden könnte. Auf den offiziellen Tagesordnungen findet sich das Thema dem Vernehmen zwar nicht. Aber es ist klar, dass die Aufsichtsräte Klarheit zum Stand der Dinge haben wollen.

          Ein Mitglied des Commerzbank-Aufsichtsrats sagte der F.A.Z., der Termin der Aufsichtsratssitzung sei seit langem unverändert geplant. Auch sei nicht außergewöhnlich, dass die Aufsichtsräte der Deutschen Bank am selben Tag tagten. Ebenfalls nicht untypisch sei, dass sich der Aufsichtsrat der Commerzbank dermaßen früh vor der Veröffentlichung des Geschäftsberichts treffe. „Alles läuft routiniert ab“, sagte der Aufsichtsrat, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will.

          Warnung vor Stellenabbau

          Sollten die Chefs von Deutscher Bank und Commerzbank tatsächlich ihre Fusionspläne vertiefen, müssten sie mit erheblichem Widerstand sowohl von der Arbeitnehmerseite als auch von einigen wichtigen Investoren rechnen. Nachdem sich am Montag schon der Deutsche Bankangestellten Verband gegen das Vorhaben gestellt hat, legte an diesem Dienstag auch die Gewerkschaft Verdi noch einmal nach.

          „Wir würden einer möglichen Fusion kritisch gegenüberstehen, weil nach der Fusion immer noch keine selbst im europäischen Markt wirklich große Bank entsteht, man aber deutlich attraktiver wird für eine ,feindliche‘ Übernahme, zum Beispiel aus Frankreich“, sagte Jan Duscheck, der für Verdi im Aufsichtsrat der Deutschen Bank sitzt, auf Anfrage der F.A.Z.

          Im Privat- und Firmenkundengeschäft seien beide Banken allein stark aufgestellt. Beim schwächelnden Investmentbanking könne die Commerzbank der Deutschen Bank kaum helfen. In erster Linie sorge man sich aber natürlich um die Belegschaft. Nach Ansicht von Duscheck wären durch die Fusion „mindestens 10.000 Arbeitsplätze akut gefährdet“. Weil der Zusammenschluss die an das neue Institut gestellten Wachstumserwartungen nicht erfüllen werde, dürften perspektivisch noch mehr Stellen wegfallen.

          Von einigen Investoren heißt es, sie würden einer Fusion nur zustimmen, wenn danach rasch ein erheblich Stellenabbau angegangen würde. Auch in europäischen Aufsichtsbehörden sorgt man sich offenbar darum, dass die Synergien nicht konsequent genug angegangen würden. Dem größten deutschen Geldhaus könnte es an der „rabiaten Brutalität“ mangeln, die für eine erfolgreiche Übernahme notwendig sei, zitierte die „Financial Times“ am Dienstag einen nicht näher genannten Bankenaufseher.

          Aus Sicht der Aufseher sei es auf jeden Fall zu vermeiden, dass ein möglicher Zusammenschluss misslingt. „Dann hätten wir aufsichtsrechtliche Fragen, die wir unbedingt vermeiden wollen.“ Daher könne die Aufsicht einen möglichen Zusammenschluss nur genehmigen, wenn die Pläne „glaubhaft und machbar sind“.

          Offiziell muss ein möglicher Zusammenschluss der beiden Großbanken weder von der Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB) noch von der deutschen Bafin genehmigt werden. Da sie hinterher aber die Kapitalanforderungen an das neue Institut stellen, dürften sie auch vorher schon an den Überlegungen beteiligt werden. Weder die EZB noch die Bafin wollten die Informationen der Zeitung kommentieren.

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