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Lebensmittelretter : Sie haben die Verschwendung restlos satt

  • -Aktualisiert am

Das hat Sirplus vor der Tonne gerettet. Bild: Sami Skalli

Viele Lebensmittel, die noch genießbar sind, landen im Müll. Zwei Unternehmen tun etwas dagegen: In ihren Supermärkten verkaufen sie gerettetes Obst, Gemüse und Co.

          Rund 88 Millionen Tonnen genießbare Lebensmittel schmeißen Europäer nach Angaben der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) weg. Nach der Studie der Umweltschutzorganisation WWF „Das große Wegschmeißen“ von 2015 waren es 18 Millionen Tonnen noch genießbarer Lebensmittel, die zum Beispiel wegen optischer Makel, Überproduktion oder des Mindesthaltbarkeitsdatums in Deutschland aussortiert wurden.

          Doch wie können Waren, die noch nicht über die Ladentheke gegangen sind, vor der Verschwendung bewahrt werden? Dieser Aufgabe widmen sich Sirplus und The Good Food, die nach eigenen Angaben einzigen beiden Lebensmittel-Outlets in Deutschland.

          Sirplus rettet Lebensmittel vor der vorzeitigen Entsorgung und bietet sie günstig in zwei Geschäften in Berlin an; das erste wurde im September 2017 eröffnet, das zweite im Sommer. Der Resteladen The Good Food wurde im Februar 2017 in Köln eröffnet und ist somit nach Aussage der Gründerin Nicole Klaski Pionier.

          Foodsharing-Pioniere

          Raphael Fellmer hat Sirplus mitgegründet. Von sich reden machte Fellmer auch wegen seiner Konsumverweigerung und seines fünfeinhalb Jahre dauernden Geldstreiks. Er verdiente nichts und gab nichts aus. Sein Essen holte er sich von Biosupermärkten, wo er es vor dem Wurf in die Tonne rettete. Er und seine Familie lebten nur von aussortierten Lebensmitteln und trugen nur die gebrauchten Kleider ihrer Freunde und Verwandten.

          Zusammen mit dem Foodsharing-Pionier Martin Schott gründete Fellmer den Restesupermarkt. Die beiden konnten mit ihrer Idee Großhändler und Produzenten wie Metro und Real überzeugen. Unterstützt werden die beiden von rund fünfzig Mitarbeitern, darunter sind auch Flüchtlinge und Praktikanten im Freiwilligen Ökologischen Jahr.

          Inzwischen kooperieren die Ladenbetreiber auch mit Unternehmen wie Bio Company, mit Bäckereien und mit Snack- und Müsliherstellern. Die stellen überschüssige Ware für ein kleines Entgelt oder sogar kostenlos zur Verfügung. So holen Sirplus-Mitarbeiter in zwei Berliner Metro-Filialen sechsmal in der Woche alles ab, was von den Tafeln nicht mitgenommen wird – sie wollen auf keinen Fall mit Hilfsorganisationen wie den Tafeln konkurrieren. Seit der Eröffnung im September habe man mehr als 500 Tonnen Lebensmittel gerettet.

          Kunden sparen viel

          „In der Regel zahlen wir zwischen 1 und 2 Prozent des Einkaufspreises, bei Landwirten ist es deutlich mehr“, sagt Fellmer. Die Kunden können zwischen 30 und 90 Prozent sparen, bei frischen Produkten ein Drittel bis die Hälfte. So kostet eine Schale Himbeeren 50 Cent, eine Kiste mit reifen Kiwis 5 Euro, ein Brötchen zwischen 10 und 15 Cent. „Der Umsatz lag anfangs im Schnitt bei 3000 Euro wöchentlich“, berichtet Fellmer. Mittlerweile habe er sich verdreifacht.

          Auch nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums sind die Lebensmittel nach Angaben der Verbraucherzentralen essbar. Dieses Datum gibt nur den Zeitpunkt an, bis zu dem das Lebensmittel seine spezifischen Eigenschaften wie Geschmack, Geruch und Nährstoffgehalt behält. Es handelt sich um eine Qualitätsgarantie des Herstellers.

          Rechtlich ist der Verkauf nach der Mindesthaltbarkeit nach Aussage der Verbraucherzentralen unproblematisch, solange der Händler den Käufer darauf hinweist. Anders sehe es jedoch mit dem Verbrauchsdatum aus: Nach diesem Stichtag darf das Produkt – oft sind es leicht verderbliche Lebensmittel wie Fleisch und Fisch – aus rechtlichen Gründen nicht mehr verkauft werden.

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