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Probleme im Triebwerk : Singapore Airlines hält Boeing-Dreamliner am Boden

Die Boeing 787 macht Singapore Airlines, Boeing und vor allem Rolls-Royce zu schaffen. Bild: AFP

Für Boeing kommt die Nachricht zur Unzeit: Singapore Airlines lässt zwei Dreamliner vorerst nicht starten, weil Triebwerksteile schnell verschleißen. Die Kritik trifft allerdings weniger Boeing, sondern den Triebwerkshersteller.

          Boeing-Flugzeuge, die wegen Schwierigkeiten am Boden bleiben – nach zwei Abstürzen des überarbeiteten Modells 737 Max sorgt eine solche Nachricht, wie sie nun von der Fluggesellschaft Singapore Airlines kommt, für Aufsehen. Das gilt erst recht, da es sich diesmal nicht um das Kurz- und Mittelstreckenflugzeug handelt, sondern um Boeings modernstes Langstreckenmodell 787, auch Dreamliner genannt. Denn Singapore Airlines lässt vorerst zwei Exemplare der 787 nicht mehr starten, weil sich Teile in den Triebwerken, die Triebwerksschaufeln, schneller als üblich abnutzen.

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Für den amerikanischen Flugzeughersteller kommt diese Meldung zur Unzeit. Denn Boeing und die amerikanische Luftfahrtbehörde FAA haben gerade eingeräumt, dass sich die Überarbeitung der in die Kritik geratenen Software für die MCAS-Automatik für die 737 verzögert. Die Technik steht im Verdacht, bei zwei Abstürzen eine Rolle gespielt zu haben. In der vergangenen Woche hatte Boeing ausgewählten Piloten, Technikern und Behördenmitarbeitern schon ein Update vorgestellt. Nun ließ die FAA wissen, Boeing benötige noch Zeit, das endgültige Paket der überarbeiteten Software werde erst „in den kommenden Wochen“ erwartet.

          Kein Zusammenhang

          Einen Zusammenhang zwischen den Schwierigkeiten mit den Modellen 737 und 787 dürfte es allerdings nicht geben. Während sich bei der 737-Max-Reihe die Diskussion auf eine Boeing-Software und die damit verbunden Prozesse zur Zertifizierung und Pilotenschulung konzentrieren, sorgen an den 787-Jets von Singapore Airlines die Triebwerke des Herstellers Rolls-Royce für Unmut – und das nicht zum ersten Mal.

          Schwierigkeiten mit Triebwerksschaufeln, die Haarrisse und Ermüdungserscheinungen zeigen und deshalb eher als üblich ausgewechselt werden müssen, sind bei den sogenannten Trent-1000-Triebwerken seit einiger Zeit bekannt. Hersteller Rolls-Royce hat deshalb ein aufwändiges Nachrüstprogramm eingeleitet. Zudem brachte der Zulieferer die Triebwerksversion Trent-1000-Ten auf den Markt, für die bislang keine Probleme bekannt waren.

          Die 787-Langversion, die 787-10, von der Singapore Airlines nun zwei Flugzeuge am Boden hält, hat anders als die kürzere 787-9 standardmäßig von Beginn an die Trent-1000-Ten-Triebwerke erhalten. Dass nun nicht nur 787-9-Flugzeuge, sondern auch 787-10-Exemplare offenbar schnellere Verschleißerscheinungen an Triebwerken zeigen, fällt daher auf.

          Rolls-Royce macht Verluste

          Im vergangenen Jahr hatten die Schwierigkeiten mit Triebwerksschaufeln der Trent-1000-Turbinen an 787-9-Jets dazu geführt, dass einige Flugzeuge zeitweilig am Boden bleiben mussten. Einige Fluggesellschaften schränkten zudem den Einsatz des Modells ein. Die amerikanische FAA verordnete zusätzliche Prüfungen. Der Triebwerkhersteller Rolls-Royce räumte einen „unakzeptablen Grad an Unannehmlichkeiten für unsere Kunden“ ein.

          Dies war für den Zulieferer vor allem deshalb bitter, da er bei der Ausstattung von Boeing-Flugzeugen den Rückstand auf den Triebwerkskonkurrenten General Electric verkürzen wollte. Für Rolls-Royce führten die Mängel aber mit dazu, dass der Triebwerkshersteller 2018 Verluste machte.

          Für Boeing sind die Schwierigkeiten mit Triebwerken von einem der zwei möglichen Zulieferer weniger ein finanzielles Problem, dem wegen der 737-Abstürze angekratzten Ansehen sind sie aber auch nicht zuträglich. Die von Behörden vieler Länder verhängten Flugverbote für 737-Max-Jets dürften mindestens noch Wochen bestehen.

          Die amerikanische Behörde FAA kündigte schon an, sie werde die überarbeitete MCAS-Software einer „rigorosen Sicherheitsüberprüfung“ unterziehen und das Update vor dem Abschluss dieser Prüfung nicht zur Installation freigeben. Die FAA steht selbst in der Kritik, im Zuge der 737-Max-Zulassungen zu viele wichtige Teile der Prüfungen dem Hersteller überlassen zu haben. Die Behörde hatte dies zurückgewiesen.

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