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Silicon Valley : Jenseits der Garagenlegende

367 Addison Avenue, Palo Alto: die Garage von William Hewlett und David Packard Bild: Röth, Frank

Bei der Fusion der Rüstungskonzerne EADS und BAE geht es auch um die Zukunft europäischer Hochtechnologie. Warum das ist, zeigt ein Blick auf die Entstehung des Silicon Valley.

          Das Wahrzeichen des „Silicon Valley“ ist leicht zu übersehen: Ein schlichtes Anwesen mit einer Garage in einem ruhigen Wohngebiet in Palo Alto, der Stadt inmitten der kalifornischen Technologieregion südlich von San Francisco. Die Erinnerungstafel vor dem Haus sieht unspektakulär aus, aber sie erhebt einen großen Anspruch: Die Garage sei „Geburtsort des Silicon Valley“, heißt es darauf. Denn hier haben William Hewlett und David Packard 1938 ihr erstes Produkt ertüftelt.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Es war ein Oszillator, ein von Toningenieuren verwendetes Testinstrument, für das sich bald der Unterhaltungskonzern Walt Disney als Kunde fand. Das war die Keimzelle für den späteren Technologiegiganten Hewlett-Packard, der bis heute trotz einiger Turbulenzen der größte Hersteller von Personalcomputern in der Welt ist. Die karge Garage in Palo Alto wurde zum kraftvollen Symbol für Generationen von Unternehmern im Silicon Valley. Wer genug Erfindergeist und Hingabe mitbringt, kann aus kleinsten Anfängen heraus atemberaubende Erfolgsgeschichten schreiben oder gar die Welt verändern - dafür steht die Garage bis heute.

          Die Romantik der Garagenmentalität

          Es ist populär, den Aufstieg der amerikanischen Technologiebranche im Silicon Valley und auch anderswo auf diese Garagenmentalität zurückzuführen. Diese Sichtweise hat etwas Romantisches, ist aber unvollständig, denn sie unterschlägt die Hilfe der amerikanischen Regierung, die das Silicon Valley mit Militärausgaben hochgepäppelt hat.

          Forschungsgelder und Aufträge der Regierung waren Initialzündung und Katalysator für viele Unternehmen in der Region, nicht nur für hier ansässige Rüstungskonzerne wie Lockheed Martin. „Es ist eine schöne Idee, dass jemand etwas ganz ohne fremde Hilfe aufbaut. Aber so hat es hier nicht funktioniert“, sagt Doug Henton, Vorstandschef des auf regionale Beratungsgesellschaft Collaborative Economics aus San Mateo im Silicon Valley.

          Heute hängt die Region zwar nicht mehr annähernd so stark am Staatstropf wie vor fünfzig Jahren. Noch immer aber spielt die Regierung eine bedeutende Rolle. Es gibt staatlich finanzierte Forschungsinstitute, und immer wieder profitieren private Unternehmen von Projekten, die von der Regierung angestoßen wurden - etwa Siri, die sprachgesteuerte Assistentenfunktion, die Apple in seinem iPhone-Handy einsetzt. Angesichts der wachsenden Bedrohung durch Cyberkrimininalität forciert die Regierung derzeit wieder die Kooperation mit der Privatindustrie, mit einer zum Geheimdienst CIA gehörenden Wagniskapitalgesellschaft agiert sie sogar als Investor.

          Der „Vater des Silicon Valley“

          In der Entstehungsgeschichte des Silicon Valley als Technologiehochburg gibt es eine überragende Figur: Frederick Terman, Professor an der hiesigen Stanford-Universität. Terman wird oft „Vater des Silicon Valley“ genannt und war berühmt dafür, seine Studenten zur Gründung eigener Unternehmen zu ermutigen. Sein Verdienst bestand aber auch darin, dass er seine glänzenden Verbindungen zur amerikanischen Regierung zu nutzen wusste. Während des Zweiten Weltkriegs wechselte er für einige Jahre von Stanford an die Harvard-Universität an die Ostküste.

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