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Gründer im Silicon Valley : Ein schwarzes Pulver für Elektroautos

Gleb Yushin, Genne Berdichevsky und Alex Jacobs (von links) Bild: Sila Nanotechnologies

Die Batterien sind der wertvollste Teil des Elektroautos – und eine der großen Schwachstellen. Einer der ersten Tesla-Mitarbeiter hat eine neues Unternehmen gegründet, mit dem er das ändern will. Deutsche Autohersteller lässt das aufhorchen.

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          An der Stanford-Universität im kalifornischen Silicon Valley gibt es seit langer Zeit ein Programm, in dessen Rahmen Studenten Solarautos entwickeln und damit Rennen fahren. Gene Berdichevsky war während seines Maschinenbaustudiums Anfang vergangenen Jahrzehnts Teil eines Teams, das ein solches Fahrzeug gebaut hat, und das Projekt hat ihn begeistert. „Ich habe mich in Energie verliebt“, sagt er heute. Vor allem interessierte ihn der Effizienzaspekt, also zum Beispiel die Frage, wie man den Energieverbrauch möglichst gering halten kann.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Damit beschäftigt er sich nun bei Sila Nanotechnologies, einem Spezialisten für Batterietechnik, der in der Nähe von San Francisco beheimatet ist. Mit ihm verspricht der 35 Jahre alte Unternehmer eine Revolution für Batterien, ob in Autos oder in elektronischen Geräten wie Handys. Dank eines von Sila entwickelten Materials sollen sie leistungsstärker, billiger und auch sicherer werden.

          In der Autoindustrie stößt das auf großes Interesse. Der Stuttgarter Daimler-Konzern führte vor wenigen Monaten eine Gruppe von Investoren an, die Sila 170 Millionen Dollar gaben, und er bekam dabei einen Sitz im Verwaltungsrat des Unternehmens. Auch mit BMW unterhält Sila eine Allianz. Berdichevsky hofft, dass die beiden deutschen Autohersteller zu den ersten Unternehmen aus ihrer Branche gehören, die seine Batterietechnik einsetzen, sobald sie marktreif ist. Und er zeigt sich überzeugt, dass sie in der Partnerschaft mit ihm großes Potential sehen: „Das Geld von Daimler kommt bestimmt nicht aus deren Marketingbudget.“

          Tesla-Mitarbeiter Nummer 7

          Berdichevsky hatte schon während seines Studiums Ambitionen, ein Unternehmen zu gründen, und schrieb dafür einen Geschäftsplan. Er schmiss dann 2004 tatsächlich sein Studium hin, machte aber zuerst einmal einen Umweg über den Elektroautohersteller Tesla, wo er als siebter Mitarbeiter anheuerte. Elon Musk war zu diesem Zeitpunkt noch nicht Vorstandsvorsitzender, aber Investor und ein „sehr aktives Mitglied im Verwaltungsrat“, und Berdichevsky sah ihn von Zeit zu Zeit.

          Bei Tesla war er an der Entwicklung des Batteriesystems für den Roadster-Sportwagen beteiligt, das erste Produkt des Unternehmens. Nach vier Jahren war er aber bereit für etwas Neues; er wollte sich lieber selbständig machen. Um sich darauf vorzubereiten, ging er doch noch einmal nach Stanford und studierte Materialwissenschaften, diesmal bis zum Abschluss.

          Er hoffte, mehr darüber zu lernen, wie sich die Leistungsfähigkeit von Batterien steigern lässt, eine Frage, die ihn seit seiner Zeit bei Tesla beschäftigte. Er kam zu der Erkenntnis, dass ein Schlüssel dazu in den eingesetzten Materialien liegen muss. Und hier setzt er nun mit Sila an. Das Unternehmen gründete er 2011 zusammen mit Alex Jacobs, einem früheren Tesla-Kollegen, und Gleb Yushin, einem Professor für Materialwissenschaften am Georgia Institute of Technology in Atlanta.

          In der Entwicklung herkömmlicher Lithium-Ionen-Batterien, wie sie in Elektroautos und auch in Geräten wie Smartphones eingesetzt werden, sind nach Berdichevskys Worten heute kaum noch nennenswerte Fortschritte zu erzielen. Er schätzt, dass sich ihre Leistungsfähigkeit alle paar Jahre vielleicht um ein bis zwei Prozent erhöht.

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