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Warenhäuser : Signa gewinnt volle Kontrolle über Galeria Karstadt Kaufhof

Die Karstadt-Filialen hatte sich René Benko schon gesichert, nun kommen auch die Immobilien wie hier auf der Zeil in Frankfurt hinzu. Bild: Maria Klenner

René Benko ist endgültig am Ziel: Mit seiner Signa-Gruppe übernimmt er die Warenhausgruppe Galeria Karstadt Kaufhof komplett. Die glücklosen Kanadier Hudson’s Bay ziehen sich weitgehend aus Europa zurück.

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          Schon seit einigen Jahren hat der österreichische Immobilieninvestor und Karstadt-Eigentümer René Benko ein Auge auf den Kölner Kaufhof geworfen. Nun ist er endgültig am Ziel. Mit seiner Signa-Gruppe übernimmt er die volle Kontrolle über die inzwischen fusionierte Warenhaus-Gruppe Galeria Karstadt Kaufhof. Wie am Montagnachmittag bekanntgegeben wurde, haben sich die Signa-Gruppe und die Hudson’s Bay Company (HBC) darauf verständigt, dass die Österreicher nun auch die 49,99 Prozent der noch bei den Kanadiern liegenden Geschäftsanteile an dem operativen Gemeinschaftsunternehmen übernehmen.

          Christine Scharrenbroch

          Freie Autorin in der Wirtschaft.

          Stephan Fanderl, der Geschäftsführungsvorsitzende von Galeria Karstadt-Kaufhof und zugleich Geschäftsführer von Signa, wertete die Transaktion als positiven Schritt für das Unternehmen. „Knapp sieben Monate nach dem Zusammenschluss beider Warenhausunternehmen können wir den für alle Mitarbeiter anspruchsvollen und herausfordernden Sanierungs- und Integrationsprozess mit hoher Verlässlichkeit auf der Eigentümerseite fortführen,“ ließ er sich entsprechend zitieren. Auf diese Weise würden Entscheidungswege kürzer und einfacher, das sei wichtig und richtig.

          Für die Warenhaus-Anteile erhält HBC rund eine Milliarde Euro, teilte das Unternehmen mit. Signa übernimmt auch sämtliche Anteile am wertvollen Immobilienvermögen der Gesellschaft. Bisher besaßen beide Eigentümergruppen jeweils 50 Prozent an dem Portfolio. Die Vereinbarung umfasst zudem den vollständigen Verbleib der langjährigen Kaufhof-Tochtergesellschaft Galeria Inno in Belgien in dem Warenhausverbund. Freilich wird die mit hohen Verlusten und am dortigen Markt völlig vorbei agierende Tochtergesellschaft Hudson’s Bay Niederlande wieder voll unter das Dach der Kanadier gestellt.

          Kartellbehörden müssen noch zustimmen

          Die Verträge zu dem Deal wurden eigenen Angaben zufolge schon unterschreiben. Mit dem Vollzug der Transaktion wird für diesen Herbst gerechnet. Allerdings müssen noch die zuständigen Kartellbehörden zustimmen.

          Das Management arbeitet derzeit mit Hochdruck daran, die beiden Warenhausunternehmen Karstadt und Kaufhof zusammenzuführen. Ziel ist, bis zum Jahr 2020/21 den Großteil der Synergien zu heben und dann profitabel zu arbeiten, wie Fanderl der F.A.Z. vor einigen Wochen gesagt hat. So soll das neue Gemeinschaftsunternehmen bis zur nächsten Führungskräftetagung Ende September im Wesentlichen stehen. Vor allem Kaufhof kämpft mit hohen Verlusten, die sich im Ende Januar beendeten Geschäftsjahr auf einen Fehlbetrag in dreistelliger Millionenhöhe angehäuft hatten. Zuletzt war aber auch Karstadt wieder in die Verluste gerutscht.

          Speziell bei Kaufhof hat sich das Management kürzlich mit den Betriebsräten auf einen Interessenausgleich und Sozialplan geeinigt. Hier soll der Stellenabbau in den Filialen demnach mit rund tausend Arbeitsplätzen weniger hart ausfallen als zunächst befürchtet. So war hier zuletzt von möglicherweise bis zu 1800 Stellen die Rede. Im Rahmen des Restrukturierungsprogramms des Kölner Warenhausunternehmens kommt allerdings noch die Streichung von rund tausend Stellen in der Zentrale hinzu.

          Unter dem Druck schwindender Marktanteile hatten HBC und Signa im Herbst 2018 nach langem Ringen die Fusion von Kaufhof und Karstadt beschlossen. Die Warenhäuser waren in jüngster Vergangenheit immer mehr unter Druck geraten. Zu schaffen macht ihnen nicht nur der florierende Onlinehandel. Auch von vertikal aufgestellten Ketten wie Zara und H&M sowie von Billiganbietern wie Primark kommt zunehmend Konkurrenz.

          „Große betriebliche Herausforderungen“

          Mit dem Schritt wollten die Kanadier, die bei Kaufhof äußerst glücklos agiert hatten, auch wieder mehr Spielraum erhalten, um sich auf den nordamerikanischen Markt zu konzentrieren. Dort kämpfte HBC seinerzeit mit Schwierigkeiten und hatte gerade Filialschließungen angekündigt. Das Bündnis mit Signa sei nicht als Anfang vom Ausstieg aus Europa zu verstehen, betonte HBC damals freilich.

          Als strategisches Ziel des Zusammenschlusses von Kaufhof und Karstadt wurde im September genannt, das Einzelhandelsgeschäft zukunftsfähig zu machen und im digitalen Zeitalter einen der führenden Omnichannel-Anbieter entstehen zu lassen. Fanderl sprach schon damals von „großen betrieblichen Herausforderungen“. Im Zuge der Fusion hatte Signa 50 Prozent am europäischen Immobilienbestand von HBC erworben. Zu dem Portfolio gehörten 39 Kaufhof-Häuser, die die Kanadier nach der Übernahme des Kölner Traditionskonzerns vor vier Jahren in ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem amerikanischen Investor Simon Property eingebracht hatten. Hinzu kamen 18 weitere Immobilien aus Kaufhof-Besitz. Lediglich die Kaufhof-Filiale an der Kölner Schildergasse und das Carsch-Haus in Düsseldorf wechselten schon damals komplett in den Besitz von Signa.

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