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Siemens : Zwei Neue für den Konzernvorstand

  • -Aktualisiert am

Manager gehen, Manager kommen: bei Siemens ist viel in Bewegung Bild: ddp

Siemes verkleinert und verjüngt den Konzernvorstand. Wolfgang Dehen und Siegfried Russwurm rücken nach Information der F.A.Z. an die Unternehmensspitze. Dehen ist seit 2002 Vorstandsvorsitzender des Autozulieferers Siemens VDO, Russwurm kommt aus dem Bereichsvorstand der Medizintechnik.

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          Beim Siemens-Konzern stehen personelle Änderungen an. Neu in die oberste Leitung kommen nach Informationen der F.A.Z. überraschend Wolfgang Dehen, seit 2002 Vorstandsvorsitzender des Autozulieferers Siemens VDO, und Siegfried Russwurm aus dem Bereichsvorstand der Medizintechnik. Nach dem Verkauf von Siemens VDO an Continental war für Dehen kein Managerposten beim neuen Eigentümer frei. Der 53-Jährige wird den neuen Siemens-Sektor Energie leiten. Der 44 Jahre alte Russwurm wird Personalvorstand. Er ist seit 15 Jahren für Siemens tätig und seit eineinhalb Jahren im Vorstand der Medizintechnik.

          Hiesinger zuständig für Industrie und Infrastruktur

          An die Spitze der Industrie und Infrastruktur, des mit Abstand größten der drei Sektoren, wird Heinrich Hiesinger berufen. Er ist seit Juni im Zentralvorstand für das Europa-Geschäft zuständig und sollte Ende des Jahres als Nachfolger von Jürgen Radomski auch zum Personalvorstand berufen werden. Doch der Vorstandsvorsitzende Peter Löscher und Aufsichtsratschef Gerhard Cromme haben diesen Plan geändert. Wenig überraschend ist, dass Erich Reinhardt, der als Chef der Medizintechniksparte schon im Zentralvorstand sitzt, den Sektor Gesundheit leiten wird.

          Neben Löscher, den Vorstandschefs der drei Sektoren und Russwurm bleiben im Vorstand der Siemens AG Joe Kaeser für Finanzen, Hermann Requardt für Technologie und Peter Solmssen, der seit Oktober für Compliance - die Einhaltung von Unternehmensrichtlinien und Gesetzen - verantwortlich ist.

          Fünf Manager gehen im Januar

          Der Vorstand soll sich Anfang Januar neu zusammensetzen. Dann werden fünf Manager, wie erwartet, die Konzernführung verlassen: Neben Radomski Klaus Wucherer und Uriel Sharef sowie Eduardo Montes und Rudi Lamprecht. Die Vorstandsverträge von Wucherer und Sharef, beide 63 Jahre alt, enden am 31. März 2008. Bis dahin blieben beide für Siemens als Berater tätig, ebenso für eine Übergangszeit Lamprecht, 59 Jahre, und der 46 Jahre alte Montes, heißt es im Unternehmen.

          Montes, der frühere Chef der spanischen Regionalgesellschaft, war von Löschers Vorgänger Klaus Kleinfeld erst im Frühjahr 2006 nach München geholt worden, um die Kommunikationstechnik zu leiten. Doch Siemens hat sich inzwischen vom größten Teil dieses Geschäfts getrennt. Für Lamprechts Aufgaben, unter anderem die Zuständigkeit für Regionen wie die GUS und Afrika, ist nach Löschers Ansicht ein eigener Posten im Konzernvorstand nicht mehr notwendig. Über die wichtigen Personalentscheidungen und die künftige Konzernstruktur stimmt der Aufsichtsrat von Siemens am kommenden Mittwoch ab. Die Berufungen in den Vorstand dürften nur eine Formsache sein. Für die Personalien gebe es eine gemeinsame Basis der Arbeitgeber- und der Arbeitnehmerseite, heißt es.

          Kandidaten aus dem Unternehmen

          Aus Sicht der Belegschaft dürfte es wichtig sein, dass sich Löscher und Cromme für Kandidaten aus dem Unternehmen zur Leitung der drei Sektoren und des Personalressorts entschieden haben. Eine Bevorzugung von weiteren externen Managern hätte für Unmut sorgen können. Löscher ist der erste Siemens-Chef, der von einem anderen Unternehmen gekommen ist. Auch Compliance-Vorstand Solmssen hatte bis zu seinem Wechsel nach München in anderen Unternehmen Karriere gemacht. Anzunehmen ist, dass die neuen Vorstandsmitglieder Dehen und Russwurm gründlich darauf geprüft wurden, ob sie in den Korruptionsskandal verwickelt sein könnten.

          Ein wesentliches Element der vom neuen Jahr an gültigen Konzernstruktur sind die drei Sektoren Energie, Industrie und Infrastruktur sowie Gesundheit, in denen acht der neun verbliebenen Geschäftsbereiche zusammengefasst werden. Die Ebene der Bereichsvorstände entfällt damit. Das Schwergewicht wird der Sektor Industrie und Infrastruktur sein, der mit einem Jahresumsatz von rund 40 Milliarden Euro größer ist als die beiden anderen Sektoren zusammen.

          Hoffnungen auf dessen Leitung dürfte sich auch Helmut Gierse gemacht haben. Er ist Chef des umsatzstärksten Bereichs Automatisierungs- und Antriebstechnik (A&D), der auch zu den profitabelsten Sparten von Siemens zählt. Doch Löscher und Cromme haben sich für den 47 Jahre alten Ingenieur Hiesinger entschieden, der mit Fachwissen und strategischem Denken überzeugt und mit seinem umgänglichen Wesen viel Sympathie genießt. him.

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