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Siemens-Vorstand : Das Ende des reinen Männer-Clubs

  • -Aktualisiert am

Der Noch-Siemens-Chef Joe Kaeser (links) im Gespräch mit seinem designierten Nachfolger Roland Busch Bild: AFP

Am 1. Oktober übernimmt Roland Busch das Ruder im Siemens-Konzern. Zum Auftakt baut er den Vorstand um – und holt wieder eine Frau in die Führung. Das erfuhr die F.A.S. aus Aufsichtsratskreisen.

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          Der designierte Siemens-Chef Roland Busch, der am 1. Oktober die operative Verantwortung übernimmt, baut zum Auftakt den Vorstand um. In diesem Zug bekommt der Konzern wieder eine Frau in der Führung, wo im Moment ein reiner Männer-Club regiert. Neuer Personalvorstand und damit Nachfolger für die vor Monaten ausgeschiedene Janina Kugel wird wieder eine Frau. Dies muss der Aufsichtsrat im Juli noch offiziell beschließen, so ist aus Kreisen der Kontrolleure zu hören, die Würfel aber seien gefallen: „Es war von vornherein klar, dass die Position wieder mit einer Frau besetzt werden muss.“

          Georg Meck
          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Früher als andere Dax-Konzerne hatte Siemens Frauen in den Vorstand befördert und dabei auch die eine oder andere Managerin verbrannt. Die Schweizerin Barbara Kux war die Pionierin, die 2008 als Erste in den Vorstand einzog. Zuvor waren dort 160 Jahre lang ausschließlich Männer am Werke. Zu dem Zeitpunkt, als Kux ernannt wurde, war Siemens das einzige Dax-Unternehmen mit weiblichem Vorstandsmitglied.

          Heute ist jeder siebte Dax-Vorstand eine Frau, rein männliche Vorstände gelten als Makel, sogar der blamable Dax-Neuling Wirecard hatte Managerinnen in Vorstand wie Aufsichtsrat. Die Frauenquote war dort jedenfalls nicht das Problem. Im Siemens-Vorstand dagegen scharen sich gegenwärtig nur Männer um Konzernchef Joe Kaeser, der mit Ablauf des Geschäftsjahres Ende September die Hoheit über Budget wie Tagesgeschäft an seinen bisherigen Vize-CEO Roland Busch übergibt und vorrangig Abspaltung und Börsengang von Siemens Energy vorantreiben soll, wo er als Aufsichtsratschef gesetzt ist.

          Es beginnen neue Zeiten

          Der designierte Nachfolger Busch, ein promovierter Physiker, kümmert sich im Moment selbst um das Personalwesen, nachdem Janina Kugel, über Jahre das frische Gesicht für den Traditionskonzern, Siemens Anfang des Jahres verlassen hatte. Damit endeten die Jahre der „K-und-K-Regentschaft“, wie die Phase intern spöttisch genannt wurde, während derer Kaeser und Kugel das Bild von Siemens in der Öffentlichkeit dominiert hatten, was naturgemäß auch nicht jedem im Management gepasst hat.

          Der Name der neuen Personal-Vorständin drang bisher noch nicht nach draußen, der Konzern selbst verweigert auf Nachfrage jeden Kommentar. Eine indirekte Bestätigung für eine weibliche Besetzung kam jedoch vom designierten Konzernchef Busch höchstpersönlich. Angesprochen auf den reinen Herren-Club im Siemens-Vorstand, sprach Busch in einer öffentlichen Videokonferenz von einem „momentanen Zustand“, dieses Wort „Moment“ betonte er dabei gleich mehrfach, so dass jedem, der es hören wollte, klar wurde: Lange dauert dieser Zustand nicht mehr an.

          Bald kommt wieder eine Frau, zumal Busch beteuerte, wie sehr er Kugel vermisse, und jeder in der Konzernzentrale am Wittelsbacherplatz sowieso weiß: Ende September endet die Ära Kaeser, es beginnen neue Zeiten, mit einem neuen Team unter dem Kapitän Busch. Und dazu gehört eine Frau, mindestens eine. Schließlich hat der Mann als Frauenförderer einen Ruf zu verlieren. Bisher schon habe er es so gehalten, bekannte Busch, dass er bei jeder Besetzung einer Top-Position gefordert hat: „Zeigt mir eine Frau. Ohne eine Frau gesehen zu haben, entscheide ich nicht.“

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