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Siemens und GE : Schaulaufen in der Jagd auf Alstom

Übernahmeziel Alstom: Siemens hat es vor allem auf die Turbinengeschäfte der Franzosen abgesehen. Bild: obs

Der GE-Vorstandsvorsitzende Immelt und Siemens-Chef Kaeser werben in Paris für ihre Übernahmepläne. Die Deutschen sind mit kartellrechtlichen, die Amerikaner mit politischen Problemen konfrontiert.

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          Als sei der französische Staat Eigentümer des Industriekonzerns Alstom, haben die Kaufinteressenten General Electric (GE) und Siemens ihre Pläne am Montag dem Präsidenten François Hollande im Elysée-Palast unterbreitet. Am Vormittag präsentierte der aus den Vereinigten Staaten eigens eingeflogene GE-Vorstandsvorsitzende Jeffrey Immelt sein Vorhaben, am frühen Abend folgten der Siemens-Vorstandsvorsitzende Joe Kaeser und der Siemens-Aufsichtsratsvorsitzende Gerhard Cromme. Auch der Vorstandsvorsitzende des Alstom-Großaktionärs Bouygues erstattete dem Präsidenten am Montag Bericht.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Die ausländischen Unternehmen machten Hollande die Aufwartung, weil die Alstom-Übernahme ohne staatliche Zustimmung nicht möglich ist. Dabei ist der Staat seit Jahren nicht mehr Alstom-Aktionär, er könnte aber über staatliche Aufträge und Genehmigungen sowie aufgrund der Rolle von Alstom als Lieferant der französischen Atomkraftwerke die Übernahme stoppen.

          Schon vor den Gesprächen wurden am Montag in der französischen Politik mehr Stimmen zugunsten von Siemens als von GE laut. Nach Ansicht von Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg gibt es bei der GE-Offerte „das Problem, dass 75 Prozent des Unternehmens, 65000 Beschäftigte, von Connecticut aus dirigiert würden“. Das Siemens-Angebot dagegen entspräche eher dem „Aufbau eines Unternehmens wie Airbus“. Einen Einstieg des französischen Staates wollte der Minister aber auch nicht ausschließen.

          Bild: F.A.Z.

          Eine der Alstom-Gewerkschaften, die CFE-CGC, sprach sich dagegen für GE aus, weil sie aufgrund geringerer Überschneidungen mit den Amerikanern einen geringeren Abbau von Arbeitsplätzen befürchtet. Der GE-Vorstandsvorsitzende Immelt ließ nach seinem Treffen mit Hollande mitteilen: „Das Gespräch war offen, freundlich und produktiv. Es war wichtig, persönlich die Sicht der Dinge von Präsident Hollande zu hören.“ Am Sonntagabend gab der Alstom-Verwaltungsrat bekannt, dass er bis zum Mittwoch, 30. April, über seine Optionen entscheiden will. Zuvor war geplant, dass er am schon am Sonntagabend alleine über das GE-Angebot befindet. Der Kurs soll bis Mittwoch ausgesetzt bleiben – eine sehr lange Pause, weil der Handelsstopp schon am vergangenen Freitag begann.

          Auf deutscher Seite wird eine wichtige Weichenstellung an diesem Dienstag erfolgen: Dann wird der Aufsichtsrat von Siemens auf einer außerordentlichen Sitzung darüber entscheiden, ob er ein formelles Übernahmeangebot für Alstom unterbreiten wird und damit in einen Übernahmekampf tritt. Nach dem Treffen von Kaeser und Cromme am Montagabend mit Hollande wollte sich der Vorstand des Dax-Unternehmens noch am Abend besprechen und danach dem Aufsichtsgremium eine Vorgehensweise empfehlen.

          Kartellrechtlich könnte eine Allianz von Siemens und Alstom bei der Brüsseler EU-Kommission auf erheblich Bedenken stoßen, maßgeblich bestimmt durch eine entstehende Dominanz im Transportbereich. Die Deutschen wollen das prestigereiche Geschäft mit dem Hochgeschwindigkeitszug ICE sowie mit den Lokomotiven als eine Art Lockangebot an die Franzosen abgeben. Das Einbringen dieser Vermögen würde gegen den Erwerb der Energieaktivitäten von Alstom verrechnet. So dürfte der tatsächlich zuzahlende Preis unter dem von Siemens ermittelten Alstom-Unternehmenswert von 10 bis 11 Milliarden Euro liegen.

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