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Starmanagerin : Siemens trennt sich von Janina Kugel

  • -Aktualisiert am

Janina Kugel, Vorstandsmitglied und Leiterin des Personalwesens der Siemens AG, spricht vor Beginn der Siemens-Hauptversammlung. Bild: dpa

Janina Kugel hat Siemens ein junges Image verpasst. Jetzt ist sie auf dem Absprung. Ihr Vertrag wird nicht verlängert.

          Jetzt ist es offiziell: Im Siemens-Vorstand kommt es zu einem spektakulären Personalwechsel. Janina Kugel, eine der Star-Managerinnen des Landes, verlässt den Münchner Traditionskonzern. Ihr Vertrag, der Ende Januar 2020 ausläuft, wird nicht verlängert. Dies hat der Konzern nach der Aufsichtsratssitzung am Mittwochnachmittag bekannt gegeben. Die Trennung von der 49 Jahre alten Arbeitsdirektorin erfolge „im gegenseitigen Einvernehmen“. Gleichzeitig dankt der Aufsichtsrat Janina Kugel für „mehr als vier Jahre erfolgreiche und wegweisende Arbeit im Personalwesen und insgesamt 17 Jahre im Dienst des Konzerns“. „Mit ihrer langjährigen Erfahrung sowie der Kraft ihrer Persönlichkeit hat Janina Kugel einen wichtigen Anteil an unserem Erfolg. Siemens gehört seit Jahren zu den attraktivsten Arbeitgebern auf der ganzen Welt. Sie ist eine leidenschaftliche Streiterin für mehr Diversität, lebenslanges Lernen und eine moderne Unternehmenskultur in einer sich radikal wandelnden Arbeitswelt“, wird der Aufsichtsratsvorsitzende Jim Hagemann Snabe zitiert. 

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Aufsichtsrat und Vorstand wünschen Janina Kugel demnach für die Zeit nach der Beendigung ihres Siemens-Mandats ab Frühjahr 2020 alles erdenklich Gute. Offen bleibt dabei, warum die Beziehung endet, wenn alle Beteiligten so glücklich sind. So war in den vergangenen Tagen der Verdacht öffentlich geworden, dass zumindest einzelne Verantwortliche von Siemens die Vorstandsfrau loswerden wollen, weil sie den Ansprüchen angeblich nicht mehr genügt. Andererseits war aus ihrem Umfeld zu hören, dass sie ihre Mission als erfüllt ansieht, deshalb einen Schlussstrich zieht, weil andernorts aufregendere Aufgaben warten. Von einem neuen Arbeitgeber ist momentan allerdings nicht bekannt.

          Klar ist: Man geht demnächst getrennte Wege. Es enden die Tage der „K+K-Herrschaft“, wie intern gespottet wurde, als Vorstandschef Joe Kaeser und Janina Kugel in trauter Harmonie das öffentliche Bild von Siemens dominiert haben. Das ist vorbei. Kugel ist aus dem Spiel.

          Eine Prise Neid

          Dabei bleiben Kugels Verdienste unstrittig, auch ihre Gegner erkennen an, dass sie dem 172 Jahre alten Konzern mit dem Ruf einer Ingenieursbehörde ein neues Image verpasst hat: jung, cool, auf der Höhe der Zeit. „Ihr glaubt ja gar nicht, wie hipp wir bei Siemens unterwegs sind“, das war ihre Botschaft auf den einschlägigen Podien.

          Disruption, Diversity, Digitalisierung hat Kugel im Dienste Siemens’ gepredigt – und nebenbei den persönlichen Ruhm gemehrt. Eine Prise Neid ist daher sicher dabei, wenn ihr nun aus den Tiefen des Konzerns, im Schutz der Anonymität, fachliche Versäumnisse und eine Unlust am Tagesgeschäft vorgehalten werden.

          Andererseits kokettierte sie seit längerem mit einem Leben außerhalb von Siemens. Es wäre auch ein Wunder, hätten nicht regelmäßig Headhunter mit lukrativen Job-Angeboten angeklopft: Der Bedarf ist groß an Powerfrauen im Management.

          Dem Hause Siemens treu bleibt dagegen Vorstandsmitglied Cedrik Neike (46), sein Vertrag wurde in der heutigen Sitzung des Aufsichtsrates um fünf Jahre verlängert. Der CEO der Operating Company Smart Infrastructure (SI) ist nun bis zum 31. Mai 2025 bestellt. „Mit seinem Management-Team hat Cedrik Neike die neue Operating Company Smart Infrastructure gut auf den Weg gebracht. SI bildet zusammen mit Digital Industries den industriellen Kern des künftigen Siemens-Konzerns. Jetzt können Cedrik Neike und sein Team ihren klaren Plan zur Wachstums- und Ertragssteigerung umsetzen“, sagte Siemens-Aufsichtsratschef Jim Hagemann Snabe.

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