https://www.faz.net/-gqe-99wb4

Schwächelnde Kraftwerks-Sparte : Siemens schickt Zehntausende in den Zwangsurlaub

  • Aktualisiert am

Ein Mitarbeiter kontrolliert die Produktion im Siemens-Turbinenwerk in Berlin. Bild: dpa

Die Siemens-Führung trifft eine dramatische Vorhersage für die Turbinen-Produktion. Die Antwort des Betriebsrates folgt prompt.

          Siemens schickt Zehntausende Mitarbeiter seiner schwächelnden Kraftwerks-Sparte nach Pfingsten eine Woche lang in den Zwangsurlaub. „Vor dem Hintergrund des andauernden beispiellosen Markteinbruchs im Bereich der Stromerzeugung hat die Division Power and Gas (PG) zeitlich befristete Betriebsschließungen angekündigt“, sagte ein Siemens-Sprecher an diesem Montag.

          Wie die Schließungen an den einzelnen Standorten umgesetzt werden, darüber werde noch mit den Betriebsräten verhandelt. Grundsätzlich solle aber die Arbeit an allen Standorten ruhen. Der Münchner Industriekonzern beschäftigt in der Sparte ungefähr 30.000 Mitarbeiter.

          „Die wollen zeigen, wie schlimm das ist“

          Mit der Zwangspause will Siemens die Kosten der Sparte senken, die vor einem massiven Stellenabbau steht. Auch bei Reisekosten, Sponsoring, Messen und Investitionen solle gespart werden, sagte der Sprecher. „Es geht darum, an allen Schrauben zu drehen.“

          Im ersten Geschäftsquartal 2017/18 (Oktober bis Dezember) hatte sich der Gewinn in der Sparte fast halbiert. Für das zweite Quartal sagen professionelle Beobachter einen Rückgang um 62 Prozent und einen Umsatzeinbruch um fast einem Viertel voraus. Siemens legt an diesem Mittwoch neue Zahlen vor. Ein Weg, um die geplante Streichung von mehr als 6000 Stellen in der Sparte zu verhindern oder zu reduzieren, seien die Sparmaßnahmen nicht, sagte der Sprecher.

          Wie dramatisch die Lage in der Produktion großer Turbinen für Gas- und Dampfkraftwerke wirklich ist, ist umstritten. Der Siemens-Vorstandsvorsitzende Joe Kaeser verweist darauf, dass die Nachfrage wegen des Vormarschs der erneuerbaren Energieträger bald auf gut 100 pro Jahr zurückgehen werde, während die großen Hersteller die vierfache Kapazität vorhielten. Gleichzeitig leisteten viele Beschäftigte noch Überstunden. Siemens saß Ende des vergangenen Jahres auf Kraftwerks-Aufträgen von fast 40 Milliarden Euro.

          „Siemens will uns damit nur zeigen, wie schlimm und dringend der Abbau ist“, sagte ein ranghoher Arbeitnehmervertreter mit Blick auf die Pläne. Siemens, Betriebsräte und IG Metall ringen derzeit um die Aufnahme formaler Verhandlungen über den Stellenabbau. Die Zeit drängt, Personalchefin Janina Kugel will spätestens im September ein Ergebnis sehen.

          Erstmals seit Jahren drohen dabei betriebsbedingte Kündigungen. Besonders umstritten sind die Pläne zur Schließung der ostdeutschen Werke in Görlitz, Leipzig und voraussichtlich auch in Erfurt. Die IG Metall wollte sich am Montag nicht zum Verlauf der Sondierungsgespräche äußern.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Passagiere des insolventen Reisekonzerns Thomas Cook am Flughafen von Palma de Mallorca.

          Thomas Cook ist pleite : Was Reisende jetzt wissen müssen

          Die Insolvenz des britischen Reisekonzerns Thomas Cook verunsichert Tausende von Urlaubern. Geht mein Geld verloren? Wie sicher ist das Absicherungsversprechen? Die wichtigsten Fragen und Antworten für Reisende.
          Volkstribun? Der Landesvorsitzende der AfD in Brandenburg, Andreas Kalbitz

          Populismus : Die da oben

          Populisten geben sich gerne als Männer und Frauen des Volkes. Am Beispiel der AfD kann man jedoch sehen: Kritiker der „Elite“ sind meist elitärer, als ihre Rhetorik vermuten lässt.
          Glitzernde Autoshows wollen die Marketingstrategen der Firmen nicht mehr.

          War’s das mit der IAA? : Dilettanten am Steuer

          Wie ruiniert man eine IAA? Man nehme streitende Konzerne, einen Frankfurter Oberbürgermeister und einen hilflosen Verband. Schadenfreude? Ist nicht angebracht. In Deutschland sollten die Alarmglocken schrillen.
          Das Mercedes-Benz Logo auf dem Turm des Hauptbahnhofes in Stuttgart.

          Brandbrief : Daimler-Vorstand rüttelt die Belegschaft wach

          Der Daimler-Vorstand Ole Källenius will mit einem Brandbrief seine Führungskräfte wachrütteln: Daimler will kurzfristig mindestens 4,2 Milliarden Euro einsparen. Die Mitarbeiter sollen selbst Ideen dafür finden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.