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Deutsche Gründer in Singapur : Gesichtserkennung für den Barsch

Veritable Fischfarm mittels Künstlicher Intelligenz: Vor der Küste des südostasiatischen Stadtstaates investiert und steuert Siemens. Bild: Picture-Alliance

Noch züchten sie Fische. Auf Dauer aber wollen zwei deutsche Gründer in Singapur Daten an die Fischindustrie liefern. Siemens und Steuergelder helfen dabei.

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          Moderne Kunst an den Wänden, honorige Gäste, gute Gespräche. Das war vor drei Jahren. Seitdem ist aus diesem Mittagstreff beim deutschen Botschafter in Singapur eine veritable Fischfarm erwachsen, verankert vor der Küste des südostasiatischen Stadtstaates. Siemens ist ihr größter Investor, und gesteuert wird sie mittels Künstlicher Intelligenz. In wenigen Jahren schon soll sie so oft geklont sein, dass mindestens einhundert solcher Fischfarmen in Asien und Amerika stehen werden. Dann sollen Daten der größte Fang ihrer deutschen Gründer sein.

          Christoph Hein
          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          „Begonnen hat alles beim damaligen deutschen Botschafter in Singapur, der einen Kreis von Geschäftsleuten zum Lunch lud. Der frühere Regionalchef von Siemens, Armin Bruck, suchte damals dringend eine mittelständische Firma, an der Siemens sein noch junges Konzept der Industrie 4.0 demonstrieren könne“, erzählt Mitgründer Dirk Eichelberger. „Heute züchten wir unsere Fische mit Künstlicher Intelligenz von Siemens.“ Der 57-Jährige steht vor zehn riesigen blauen Fieberglastanks auf seinem Ponton im Meer am Äquator. Er und sein langjähriger Freund Michael Voigtmann haben ihre Farm aus dem Nichts hochgezogen. „Wir waren blauäugig, haben es einfach versucht, uns das allermeiste selbst beigebracht“, erzählt Voigtmann.

          Ein Neuanfang auf dem Meer

          Mit leeren Händen hat das Duo 2013 allerdings nicht begonnen. Beide waren erfahrene Manager: Der Deutsch-Aus­tralier Voigtmann, promovierter Chemiker, und der promovierte Kaufmann Eichelberger hatten Führungspositionen beim mittelständischen Kunststoffhersteller Rehau inne und waren später zur Balda AG gewechselt, die in den Händen von Finanzjongleur Lars Windhorst scheiterte. „Es stählt, wenn man so durchs Feuer geht“, sagt Eichelberger.

          Die Fischfarm von Singapore Aquaculture Technologies vor Singapur
          Die Fischfarm von Singapore Aquaculture Technologies vor Singapur : Bild: Christoph Hein

          Nach diesen Jahrzehnten suchten die beiden dann nach einem Neuanfang. Diesen fanden sie in Asien, wo sie jahrelang tätig gewesen waren. „Uns war schnell klar, dass Fisch als Quelle von Proteinen immer wichtiger würde“, sagt Voigtmann im Gespräch mit der F.A.Z. Ihr Einfall: Im extrem teuren Singapur kein Land zu nutzen, sondern aufs Meer zu ziehen. Da das Wasser aber belastet ist und in Zeiten des Klimawandels unkalkulierbare Risiken drohen, war die Züchtung von Fisch in Netzen keine Lösung. So befüllten sie die ersten Becken ihrer Singapore Aquaculture Technologies (SAT) auf einer ausgemusterten Barke mit gefiltertem Meerwasser. „Wir mussten die Zucht ganz neu durchdenken, um die enormen Risiken des Sterbens einer ganzen Brut zu mindern“, sagt Eichelberger.

          Gesichtserkennungssoftware führt zum Erfolg

          Einige Tage nach dem Lunch in der Residenz des Botschafters hatten sich Siemens-Ingenieure die kleine Farm vor der Küste angeschaut. Erst hatten sie den Kopf geschüttelt, dann aber die Ärmel hochgekrempelt. Um Südostasiens Mittelstand ihre Digitalkonzepte schmackhaft zu machen, brauchte es ein Anschauungsobjekt, das die begehrten Käufer dort abholte, wo sie sich auskannten: Wer eine Fischfarm über Sensoren und Tastenklicks steuern kann, könnte auf gleiche Weise auch eine Fa­brik für Autoteile fahren. Bald schon nutzte Siemens die kleine Farm in Singapur als Werbeobjekt auf Messen.

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