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Janina Kugel : Der neue Star bei Siemens

  • -Aktualisiert am

„Negerlein, Negerlein“: So wurde Janina Kugel als kleines Mädchen gehänselt. Heute ist sie Personalvorstand von Siemens und der Star unter den Managern. Bild: ddp Images

Schlau, charmant – und mit Biss: Janina Kugel ist zur Stelle, wenn es zu demonstrieren gilt: Siemens ist nicht so miesepetrig, wie behauptet wird. Jetzt steht ihr ein echter Härtetest bevor.

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          Offiziell lautet ihr Titel „Chief Human Resources Officer“, in Wahrheit ist Janina Kugel mehr; die Vorzeigefrau von Siemens, mit Jahrgang 1970 das junge Gesicht für den 170 Jahre alten Konzern, stets zur Stelle, wenn es zu demonstrieren gilt: Siemens ist gar nicht so altbacken, so bürokratisch, so miesepetrig und lehmschichtig, wie es der Volksmund und davongejagte Vorstandsvorsitzende behaupten.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Janina Kugel, im Vorstand für das Personal zuständig, erledigt dies mit mehrsprachiger Lässigkeit, charmant, den Menschen zugewandt. Schaut her, so sympathisch kann ein Weltkonzern sein, das ist ihre Botschaft. Und überhaupt: Ihr glaubt ja gar nicht, wie hipp wir bei Siemens unterwegs sind. Das Silicon Valley ist nichts dagegen.

          Kugel arbeitet auf allen Kanälen

          Es wird viel geduzt neuerdings im Siemens-Hauptquartier. Einzelbüros, fester Schreibtisch und Festnetztelefon hat sie abgeschafft, das Foto auf dem Bewerbungsbogen ebenso (um unbewusste Vorurteile auszuschalten). Und wer weiß, was sonst noch kommt im Kampf gegen Hierarchiehörigkeit, Sexismus und Statusdenken. An Fleiß wie Ehrgeiz mangelt es der Frau nicht.

          Unermüdlich bespielt Janina Kugel die einschlägigen Bühnen, südlich wie nördlich der Alpen. Disruption, Diversity, Digitalisierung – die drei großen D – schafft sie weg wie nichts. Agility, Influencing, Co-Determination und einen Sack voller weiterer Modewörter des Personalergewerbes sowieso. Fix wie sie ist, erledigt sie das auf allen Kanälen. 1452 Twitter-Nachrichten standen bis Samstag zu Buche.

          Der Job geht ihr mit so viel Leichtigkeit von der Hand, dass allenfalls zu erahnen ist, wie viel Kraft und Energie ihr dies alles abverlangt, wie schwer der Weg dorthin war, wo sie jetzt ist: In den Vorstand von Siemens, immerhin Deutschlands industrieller Vorzeigekonzern, wertvoller als alle anderen börsennotierten Unternehmen im Land (mit Ausnahme von SAP).

          Herrschen hier K+K? Janina Kugel und Siemens-Vorstandsvorsitzender Joe Kaeser (rechts) dominieren das öffentliche Bild von Siemens.

          „Du musst dich reinhängen, kämpfen, auch wenn es weh tut“, sagt Janina Kugel selbst. Für Businessleute sei es nicht anders als für Sportler, die an die Weltspitze streben. Der Aufstieg ist begleitet von „Schmerz, Zweifel, Enttäuschungen“. Nur zeigt der erfolgshungrige Manager solche Gefühle lieber nicht.

          Selbstdisziplin ist Pflicht. Am vorigen Donnerstag war dies im Fall von Janina Kugel auf offener Bühne zu studieren, zu erleben war einer der seltenen Momente, als ihre Anspannung sich zeigte. Janina Kugel saß als Vorstand auf dem Podium in der Konzernzentrale, die Bilanzpressekonferenz stand auf dem Programm. Alles ist hergerichtet für ein Rekordergebnis, mit dem ein stolzer Vorstandschef Joe Kaeser zu glänzen gedenkt, Kugel ist für den unerfreulichen Part vorgesehen; den Stellenabbau im schwächelnden Energiebereich des Konzerns, schließlich ist sie die Frau fürs Personal, die Frau, die mit Betriebsräten und Gewerkschaftern den Strauß auszufechten hat. Eine unangenehme Sache.

          Als die Rede darauf kommt, reicht Kaeser die Fragen freilich nicht an sie weiter (wie es üblich wäre), sondern hebt zu einem Vortrag an, der ihm zunehmend schulmeisterlich gerät – und Kugels Gesichtszüge mit jeder Sekunde mehr gefrieren lässt. Wie ein Lehrer vor ungehörigen Pennälern referiert Kaeser, was er von ihr erwartet, grob zusammengefasst: Reißt euch zusammen, regelt das endlich, und denkt nicht immer nur ans eigene Ego!

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