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Unternehmensübernahmen 2015 : Siemens, Merck, Oetker – und immer wieder die Reimanns

Was passiert mit Kaiser’s Tengelmann? Die Übernahme durch Konkurrent Edeka wurde noch nicht genehmigt. Bild: dpa

Wer aus eigener Kraft nicht schnell genug wächst, der kauft Umsatz zu. Für einige Unternehmen werden Höchstpreise gezahlt. Besonders eine Familie fällt mit spektakulären Zukäufen auf. Eine Bilanz des Übernahmejahres.

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          Die Nachfrage nach Unternehmen ist hoch. „Es gibt mehr Nachfrage nach guten Unternehmen, als im Angebot sind“, beobachtet Axel Gollnick, Vorstandsmitglied der auf Übernahmen spezialisierten Beratungsgesellschaft Angermann M & A International, Hamburg, Frankfurt, Stuttgart. Wie viel Geld im Markt ist, zeigen die Preise. Es gab 21 Übernahmen unter deutscher Beteiligung (als Käufer, Verkäufer oder beides), für die in jedem Einzelfall mehr als eine Milliarde Euro gezahlt wurde. Davon waren sechs sogenannte Megadeals, für die in jedem Einzelfall mehr als 5 Milliarden Euro gezahlt wurden.

          Georg Giersberg

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Betriebswirt“.

          Und davon, auch das kam bisher eher selten vor, waren die drei teuersten Übernahmen solche, in denen der Käufer den Aktionären des Übernahmeobjekts ein öffentliches Übernahmeangebot machte. Das Darmstädter Familienunternehmen Merck (die Familie hält 70 Prozent) konnte die bereits 2014 angekündigte Übernahme des amerikanischen Laborausrüsters Sigma-Aldrich Corporation abschließen. Die Akquisition – die größte in der 350-jährigen Unternehmensgeschichte von Merck – soll den ehemaligen Chemie- und Pharmakonzern voranbringen auf dem Weg in einen Wissenschafts- und Technologiekonzern. Im Bereich Laborausrüstungen hatte Merck zuvor schon das Unternehmen Millipore gekauft. Die Umwandlung zum Technologiekonzern ist Merck viel Geld wert. Der Preis für Sigma-Aldrich betrug mit 13 Milliarden Euro das Zwanzigfache des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda).

          Siemens verhob sich mit Dresser-Rand

          Im Schnitt wird ein Unternehmen für das 7- bis 9-Fache des Ebitda übernommen. In diesem Jahr waren Preise unter dem 10-Fachen des Ebitda aber schon fast Schnäppchen, heißt es bei Übernahmeberatern. Einen sehr hohen Preis zahlte auch Siemens. Nachdem der Münchener Elektrokonzern bei der französischen Alstom nicht zum Zuge kam und sich General Electric geschlagen geben musste, erwarb Siemens die amerikanische Dresser-Rand Group. Das Unternehmen liefert Kompressoren, Turbinen und Motoren vor allem für die Erdölindustrie. Gerade diese Kundengruppe geriet aber schon während des Übernahmeprozesses aufgrund des Ölpreisverfalls in wirtschaftliche Schwierigkeiten, die auch Dresser-Rand in die Verlustzone drückten. Ob dafür heute noch ein Preis von 7 Milliarden Euro gerechtfertigt ist, der das Ebitda um mehr als das 18-Fache übersteigt, ist fraglich. Siemens hat sich zur Finanzierung des Kaufs 7,75 Milliarden Euro über Anleihen am Markt besorgen müssen.

          Mehr Glück als Siemens mit seinen Zukäufen haben offenbar jene Unternehmen, die von Siemens verkauft werden. Zu Beginn dieses Jahres ging Europas größter Hausgerätehersteller BSH (Marken: Bosch, Siemens, Constructa, Neff, Gaggenau) an Bosch. Der Name Siemens wurde aus dem Unternehmensnamen schon einmal getilgt. Getrennt hat sich Siemens im Laufe dieses Jahres auch von der Hörgerätesparte, den Krankenhausinformationssystemen und der Sicherheitstechnik. Die Siemens Audiology Solutions ging für 2,15 Milliarden Euro an den schwedischen Finanzinvestor EQT und minderheitlich an die deutsche Unternehmerfamilie Sprüngmann (bekannt als Gründer des Generikaherstellers Hexal, der heute zu Sandoz/Novartis gehört). Das Geschäft mit den Krankenhausinformationssystemen (elektronische Patientenakten) brachte Siemens für knapp 1 Milliarde Euro bei der amerikanischen Cerner Corporation unter. Die amerikanische Vanderbilt Industries wurde mit dem Erwerb der Siemens Security Products (Zutrittskontrolle, Einbruchmeldeanlagen, Videoüberwachung) zum nach eigenen Angaben größten unabhängigen Unternehmen seiner Art auf der Welt. Seine europäische Zentrale hat das amerikanische Unternehmen seit der Übernahme der Siemens-Sparte in Wiesbaden.

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