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Lisa Davis : Das ist Deutschlands bestbezahlte Managerin

Bild: AFP

Lisa Davis ist neu im Vorstand von Siemens. Die Erwartungen an die Expertin für Öl und Gas sind gewaltig - und die Zeiten für diese Themen besonders schwierig.

          Lisa Davis war gerade mal drei Monate im Amt, da wurde ihr schon die große Ehre zuteil, auf der Jahrespressekonferenz von Siemens prominent auf dem Podium neben dem Vorstandsvorsitzenden Joe Kaeser Platz zu nehmen. Die herausragende Stellung der Amerikanerin, die für das wichtigste Konzerngeschäftsfeld Energie zuständig ist, kommt auch in ihrem stolzen Salär zum Ausdruck. Am 1.August 2014 hat sie in der neuen Position begonnen, nun wird sie – nach Joe Kaeser, versteht sich – das am besten bezahlte Vorstandsmitglied im deutschen Industrie- und Technologiekonzern werden, und die bestbezahlte Frau in der Chefetage eines Dax-Konzerns wohl auch.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Die 51 Jahre alte Chemieingenieurin, die zuvor für den britisch-niederländischen Mineralölkonzern Shell arbeitete, stellt damit die „alten Kempen“ Siegfried Russwurm, Roland Busch, Hermann Requardt und Klaus Helmrich sowie den seit Herbst 2013 amtierenden Finanzvorstand Ralf Thomas in den Schatten. Davis hat für die ersten beiden Monate des Ende September zu Ende gegangenen Siemens-Geschäftsjahres de facto zwar „nur“ 1,8 Millionen Euro an Gesamtvergütung (feste und variable Bestandteile sowie Versorgungsleistungen) erhalten; das sieht im Vergleich zu Kaeser (6,2 Millionen Euro) und ihren Kollegen (3,2 bis 3,7 Millionen Euro) wenig aus. Aufschlussreicher ist dagegen die – hypothetische – Rechnung, wie viel es gewesen wäre, wenn sie das ganze Geschäftsjahr im Amt gewesen wäre. Genau das steht im Geschäftsbericht von Siemens, dort finden sich Angaben über die Gesamtvergütung, die mit den zu erwartenden Leistungen aus den aktienbasierten Vergütungskomponenten ermittelt wird. Die machen immerhin 40 Prozent der Gesamtvergütung aus.

          Kaeser wollte die Öl-Expertin unbedingt

          Danach verdient die Amerikanerin, die inzwischen von Houston aus für Siemens arbeitet, 4,6 Millionen Euro im Jahr – 2Millionen Euro weniger als ihr Chef Kaeser, aber mindestens jeweils eine Million Euro mehr als ihre Kollegen im Vorstand. Lisa Davis dürfte damit die höchst dotierte Managerin in Deutschland werden. Zum Vergleich: Christine Hohmann-Dennhardt hat als Vorstandsmitglied von Daimler im Jahr 2013 insgesamt 3 Millionen Euro erhalten, Claudia Nemat im Vorstand der Deutschen Telekom 2,1 Millionen Euro. Da ist es nur eine Fußnote im Geschäftsbericht wert, dass Lisa Davis im vergangenen Jahr einmalig 5,5 Millionen Euro als Ausgleich für den Verfall von Aktien, Altersvorsorge und anderen Bezügen bei ihrem ehemaligen Arbeitgeber erhalten hat, in Form von Barbezügen, Siemens-Aktien und Leistungen für die Altersvorsorge.

          Die Anwerbung der Shell-Managerin als Nachfolgerin des im Streit gegangenen Michael Süß ist Joe Kaeser der stolze Preis wert gewesen. Er wollte die Expertin des Ölgeschäftes unbedingt in seinem Team haben, und das nicht nur, weil sie eine Frau ist und als Amerikanerin internationales Flair in den Vorstand bringt. Davis hat im Konzernvorstand ein sehr viel größeres Gewicht mit strategischer Bedeutung für Siemens als die im Herbst 2013 ausgeschiedenen weiblichen Vorstandsmitglieder Barbara Kux (Einkauf) und Brigitte Ederer (Personal). Und so muss denn der Hinweis im Geschäftsbericht verstanden werden: Die Vergütung von Vorstandsmitgliedern müsse auch im Vergleich zum Wettbewerb attraktiv sein, um herausragende Manager zu gewinnen und auf Dauer zu halten, heißt es zur Rechtfertigung.

          Von Anfang an unter Druck

          Die Erwartungen sind hoch. Kaeser erwartet schnell Ergebnisse. Sie spreche die Sprache des Öls und des Gases, sagte der Chef einmal. Lisa Davis, die vor Shell auch für die amerikanischen Ölgiganten Exxon und Texaco in den Vereinigten Staaten tätig war, muss viel tun für ihr hohes Gehalt. Wenn der im vergangenen Herbst bekanntgegebene Kauf des amerikanischen Öl- und Gastechnikausrüsters Dresser-Rand aus Houston in den nächsten Monaten vollzogen sein wird, muss sie zeigen, was sie kann: Dresser ist für 7,6 Milliarden Dollar oder umgerechnet 6,2 Milliarden Euro zum denkbar unglücklichsten Zeitpunkt teuer eingekauft worden. Seit dieser Zeit geht es bergab in der Öl- und Gasindustrie, hat der Einbruch der Rohölpreise für eine deutlich verschlechterte Lage in der Branche gesorgt. Davis muss nicht nur in einem schwierigen Jahr 2015 den amerikanischen Zukauf integrieren. Zusammen mit Vorstandschef Kaeser steht sie seit Wochen unter Druck, den Sinn der teuren Akquisition zu rechtfertigen, weshalb sie Kritiker schnell mit Erfolgen überzeugen muss. Als neue Energiechefin, die zugleich für erneuerbare Energien (Windkraft), Stromübertragung und Kraftwerkstechnik verantwortlich ist, hat sie außerdem vor ihrer Zeit aufgetürmte Qualitätsprobleme im Bau von Windrädern und falsch kalkulierten Projekten zum Bau von Stromautobahnen im Ausland (Hochspannungs-Gleichstromübertragung) abzuarbeiten.

          Es wird kein einfaches Unterfangen sein, mit dem Joe Kaeser Davis beauftragt hat. Sie selbst hat davon gesprochen, dass viel Arbeit vor ihr liege, zumal der Wettbewerb mit dem schwierig gewordenen Geschäft in Europa als Folge der Unwägbarkeiten der Energiewende an Schärfe zunehme. Dabei wird die Übernahme der Energiegeschäfte des französischen Alstom-Konzerns durch die amerikanische General Electric Siemens das Leben schwerer machen. Das hat Lisa Davis unumwunden eingestanden. Die Margen stünden noch mehr unter Druck. Zu ihren Herausforderungen gehört es daher auch, 1200 Stellen abzubauen.

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