https://www.faz.net/-gqe-820d7

Siemens-Konkurrent : Chinas Zuggigant greift nach dem Weltmarkt

Zugproduktion in China: Die Ähnlichkeit zum deutschen ICE ist kaum zu übersehen. Bild: dpa

Die beiden größten Zughersteller Chinas fusionieren zum größten der Welt. Siemens zittert vor dem Giganten, denn dieser greift mit aller Macht nach Auslandsaufträgen.

          Vergangenen Mittwoch erlebte die Hongkonger Börse einen dieser Kurssprünge, wie sie alle heiligen Jahre einmal vorkommen: die Aktie der China CNR Corporation war am Ende des Handelstages 42 Prozent teurer als zu dessen morgendlichem Beginn. Das Papier der China South Locomotive & Rolling Stock Corporation übertraf diesen Anstieg noch mit einem Plus von 45 Prozent. Was war passiert?

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Die beiden Unternehmen – abgekürzt CNR und CSR – sind Chinas größte staatliche Hersteller von Zügen. Ende vergangenen Oktober kamen erstmals Gerüchte auf, dass sie fusionieren würden. Am Mittwoch erteilten Chinas Behörden dazu ihre Genehmigung. Damit entsteht der mit Abstand größte Zugfabrikant der Welt. Nicht zuletzt seinen deutschen Konkurrenten Siemens wird er das Fürchten lehren.

          Beide Unternehmen sitzen in Peking – genauso wie Chinas Regierung, die nur noch einen großen Bahnproduzenten im Land wünscht. Das Produktangebot von CNR und CSR ist ähnlich: Hochgeschwindigkeitszüge. Nur ist CSR bislang in der regionalen Aufteilung der Bahnaktivitäten für den Süden des Landes zuständig gewesen; daher das „S“ statt des „N“. Nun sollen sie zusammen den Weltmarkt angreifen, ganz nach dem Geschmack des Staatsrats, der nationale Champions formen will, die sich keinen ruinösen Preiskampf liefern, sondern mit vereinter Kraft und Kostenvorteilen die Wettbewerber in der Welt in den Wind schlagen. Zusammen käme ein fusionierter Konzern auf einen Umsatz von etwa 30 Milliarden Euro, der summierte Gewinn nach Steuern beider Unternehmen läge bei 1,6 Milliarden Euro. Gemeinsam beschäftigten CSR und CNR über 170.000 Angestellte.

          Ein chinesischer Champion soll her

          Der Grund für den Zusammenschluss ist industriepolitischer Natur: die Konzerne sollen sich nicht wie bisher mit Preiskämpfen gegenseitig das Leben schwer machen, sondern gemeinsam im Ausland um milliardenschwere Aufträge für den Bau von Zügen kämpfen, wünscht die Regierung – unter anderem gegen den deutschen Siemens-Konzern. Weil jedoch schon bisher sowohl bei CSR als auch CNR derselbe chinesische Staat das Sagen hatte, soll die Fusion wohl vor allem Signalwirkung entfalten: ein chinesischer „Champion“ soll her, ein weltweit schlagkräftiger Anbieter von Hochgeschwindigkeitszügen – nachdem der Zusammenschluss von Siemens und der französischen Alstom zu einem „europäischen Champion“ im Sommer gescheitert ist.

          Nicht nur wegen der zusätzlichen 15.000 Eisenbahnkilometer, die China im eigenen Land bis zum Jahr 2020 fertiggestellt haben will, ist in den chinesischen Zugaktien Phantasie: Im eigenen chinesischen Reich soll das Bahnstreckennetz ohnehin schnell wachsen – aus Gründen besserer Verkehrsanbindung und um die zuletzt lahmende chinesische Konjunktur anzukurbeln. Vergangenen Dezember erhielten CNR und CSR den Zuschlag für den Bau von 258 Hochgeschwindigkeitszügen im Gesamtwert von gut 7 Milliarden Dollar.

          Weitere Themen

          China verkauft im großen Stil

          Amerikanische Staatsanleihen : China verkauft im großen Stil

          China war jahrelang der größte Abnehmer amerikanischer Staatsanleihen. Doch der Bestand ist auf das niedrigste Niveau seit zwei Jahren gesunken. Das löst Befürchtungen über eine neuerliche Eskalation im Handelskonflikt aus.

          Pilotenheld kritisiert Boeing Video-Seite öffnen

          „Sully“ schlägt Alarm : Pilotenheld kritisiert Boeing

          Mehrere Piloten fordern den US-Flugzeugbauer Boeing auf, Piloten besser zu schulen, bevor die Flieger vom Unglückstyp 737 Max nach zwei Abstürzen mit hunderten Toten wieder fliegen dürfen. Die von Boeing angebotenen Schulungen reichten nicht aus, sagt unter anderem Chesley "Sully" Sullenberger. Er schrieb mit der geglückten Notlandung mit einem Airbus auf dem Hudson in New York 2009 Geschichte.

          Topmeldungen

          FAZ Plus Artikel: EZB-Chef Draghi : Das Ende von „Super Mario“

          EZB-Präsident Mario Draghi demonstriert noch einmal seine Stärke. Doch längst sind Kräfte am Werk, die die Macht der Notenbanken aushöhlen. Werden mit dem Ende der Ära Draghi die Karten neu gemischt?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.