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Siemens : Kleinanleger gegen Cromme

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Die Kleinanleger-Vereinigung will bei Siemens einen Neuanfang ohne Cromme (l.) Bild: AP

Vor der Siemens-Hauptversammlung hat die Kleinanleger-Vereinigung DSW angekündigt, die Aufsichtsräte Cromme und Ackermann nicht wiederwählen zu wollen. Medienberichten zufolge wollen zudem die Siemens-Aufsichtsräte den Aktionären empfehlen, den Vorstand nicht zu entlasten.

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          Vor der Hauptversammlung des Siemens-Konzerns am 24. Januar hat die Kleinanleger-Vereinigung DSW angekündigt, führende Aufsichtsratsmitglieder im Siemens Konzern nicht wiederwählen zu wollen. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) kündigte an, „gegen eine Wiederwahl der Herren Dr. Josef Ackermann, Dr. Gerhard Cromme und Lord Iain Vallance of Tummel“ zu stimmen.

          Die drei Aufsichtsräte sind die einzigen Vertreter der Kapitalseite, die sich bei der Hauptversammlung Ende Januar zur Wiederwahl stellen. Der Großteil der Kapitalvertreter hatte seinen Rückzug zur Aktionärsversammlung angekündigt, darunter der ehemalige HVB-Chef Albrecht Schmidt und der ehemalige Allianz-Chef Henning Schulte-Noelle.

          Cromme, Ackermann und Lord Vallance seien nach bisherigen Untersuchungen zwar nicht in die Schmiergeldaffären verstrickt. „Unabhängig davon bietet die Korruptionsaffäre für die Siemens AG eine Chance für einen umfassenden Neuanfang“, heißt es bei den Aktionärsvertretern. Im Vorstand und den Unternehmensbereichen sei dieser vollzogen worden. „Die DSW hätte sich auch für den Aufsichtsrat einen derartigen Neuanfang gewünscht. Die hier vorgeschlagene Lösung erscheint uns halbherzig.“ Der Skandal um schwarze Kassen und weltweite Korruptionsdelikte kostete Siemens bislang mehr als eine Milliarde Euro.

          Wird man ihm die Entlastung verweigern?

          Entlastung vertagen

          Die DSW will zudem die Entlastung der Vorstände - mit Ausnahme von Konzernchef Peter Löscher - und Aufsichtsräte bis zur endgültigen Aufklärung der Affäre vertagen. Siemens hat vorgeschlagen, alle Vorstände bis auf Johannes Feldmayer und alle Aufsichtsräte für das Geschäftsjahr 2006/07 zu entlasten.

          Über Feldmayers Entlastung soll erst später entschieden werden. Die Staatsanwaltschaft Nürnberg ermittelt gegen den früheren Europa-Chef, der die Arbeitnehmervertretung AUB mit Millionenbeträgen geschmiert haben soll. Siemens will auf der Hauptversammlung allerdings einzeln über alle Mitglieder der Unternehmensspitze abstimmen lassen.

          Empfehlung des Aufsichtsrats

          Die“Süddeutsche Zeitung“ berichtete unter Berufung auf nicht genannte Aufsichtsratskreise, das Kontrollgremium könnte den Aktionären empfehlen, den Vorstand nicht zu entlasten. Ein Siemens-Sprecher nannte den Bericht Spekulation und wollte sich nicht dazu äußern. Er verwies auf die bestehende Tagesordnung, in der Vorstand und Aufsichtsrat gemeinsam die Entlastung der Vorstände bis auf Feldmayer empfehlen.

          Sollte der Aufsichtsrat dazu raten, den Vorständen um Kleinfeld die Entlastung zunächst zu verweigern, würden sie vor allem den amtierenden Finanzvorstand Joe Kaeser beschädigen, der bereits vor dem Bekanntwerden der Korruptionsskandale dem Führungszirkel angehört hatte. Die Entlastung von Spitzenmanagern durch die Eigentümer ist vor allem von symbolischer Bedeutung. Unmittelbare rechtliche Folgen hat sie nicht.

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