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Digitale Expansion : Siemens kauft Brightly Software

Siemens stattet Gebäude wie den Jin Mao Tower in Schanghai mit technischen Lösungen aus. Bild: AP

Für rund 1,6 Milliarden Dollar übernimmt der Dax-Konzern den Software-Anbieter Brightly für Anlagen- und Wartungsmanagement und erweitert damit das eigene Portfolio.

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          Siemens beschleunigt den Wandel hin zu einer Software-Schmiede und kauft dafür weiter zu: Für rund 1,6 Milliarden Dollar übernimmt die in Zug ansässige Sparte Smart Infrastructure (intelligente Infrastruktur) einen amerikanischen Software-Anbieter. „Brightly ist auf Software für Energie- und Wartungsmanagement spezialisiert. Die Software ist einfach zu installieren und zu nutzen und dadurch in der Breite einsetzbar. Unsere Software und Services in dem Bereich richten sich eher an große Unternehmen und Campus-Betreiber. Die Lösungen ergänzen sich also gut“, sagte Matthias Rebellius, Vorstand der Sparte Smart Infrastructure, im Gespräch mit der F.A.Z.

          Ilka Kopplin
          Wirtschaftskorrespondentin in München.

          Brightly Software mit Sitz in Cary im Bundesstaat North Carolina beschäftigt rund 800 Software-Fachkräfte. „Angefangen hat das Unternehmen in Schulen, mittlerweile ist die Software tausendfach im Einsatz“, sagt Rebellius. Die cloudbasierte Lösung der Amerikaner ergänze das eigene Portfolio nun für Schlüsselbranchen wie der öffentlichen Infrastruktur, das Bildungs- und Gesundheitswesen sowie in der Fertigung. In diesem Jahr erwartet Brightly, das seit dem Jahr 2019 dem Finanzinvestor Clearlake Capital gehört, einen Umsatz von 180 Millionen Dollar. Einen überwiegenden Teil generiert das Unternehmen mit wiederkehrenden Umsätzen.

          Genau diese Strategie, Softwarelösungen als Servicedienstleistung mit stetigen Umsätzen anstatt einmaliger Lizenzgebühren zu verkaufen, verfolgt Siemens ebenfalls. In den vergangenen Monaten hatte Siemens schon mehrere Unternehmen übernommen, um die digitale Expansion weiter voranzutreiben, darunter Sqills, einen Software-Anbieter für Bahn-Kunden, und Supplyframe, eine Plattform, um industrielle Einkaufs- und Wertschöpfungsprozesse zu verbessern. „Die heutige Übernahme unterstützt unsere Wachstumsziele, insbesondere im Hinblick auf Umsätze im Digital- und Software-as-a-Service-Geschäft“, sagte der Siemens-Vorstandsvorsitzende Roland Busch.

          Vorbehaltlich der Zustimmung der zuständigen Behörden soll der Zukauf von Brightly in diesem Kalenderjahr abgeschlossen werden. Dann soll das Geschäft, das weiter unter dem derzeitigen Namen firmieren wird, im kommenden Jahr integriert werden. Im zweiten Jahr nach Abschluss des Zukaufs sollen die Amerikaner positiv zum Ergebnis beitragen. Rebellius jedenfalls erwartet signifikante Synergien in mittlerer dreistelliger Millionenhöhe, wie er sagte. „Wir wollen künftig unser Angebot mit zu Brightly-Kunden bringen und umgekehrt. Außerdem wollen wir die Siemens-Präsenz in weiteren Ländern für Brightly nutzen“, sagte der Manager weiter. Bislang sind die Amerikaner vorwiegend in den USA, Kanada, Großbritannien und Australien vertreten.

          Großen Sprung nach vorne

          „Mit Brightly machen wir einen großen Sprung nach vorne und erreichen beim Betrieb von Gebäuden die nächste Stufe“, sagte Rebellius. Durch den nahtlosen Datenaustausch der Angebote dürften die Kunden künftig eine höhere Effizienz, geringere Ausfallzeiten und Wartungskosten, kürzere Lebenszyklen und bessere datengestützte Entscheidungen erwarten, sagte er. Mit Brightly werde die eigene Vision unterstützt, „komplett autonome Gebäude zu schaffen, die von den dort lebenden Menschen lernen und sich an deren Bedürfnisse anpassen“, sagte Rebellius.

          In der Sparte Smart Infrastructure verbindet Siemens alle möglichen Produkte, Technologien und Lösungen, um Gebäude und Infrastrukturen effizienter und nachhaltiger zu betreiben, beispielsweise auch im Bereich Elektromobilität oder Übertragungstechnik. Im vergangenen Quartal stieg der Auftragseingang in der Sparte um rund ein Viertel auf rund 5 Milliarden Euro, der Umsatz wuchs um 8 Prozent auf 4 Milliarden Euro, die Ergebnismarge lag bei rund 11 Prozent.

          Angesichts sich weiter verschärfender Klimaschutzziele und rasant steigender Energiekosten verwundert es nicht, dass zunehmend in effizientere und nachhaltigere Gebäude und Infrastruktur investiert wird. „Wir sehen einen Trend, der unser Portfolio unterstützt, beispielsweise auf europäischer Ebene der Green Deal“, sagte Rebellius im Gespräch. Man unterstütze viele Bereiche der Energiewende, zum Beispiel Verbrauchsreduzierung, intelligente Netze und nachhaltige Elektrifizierung. „Allerdings müssten Entscheidungsprozesse schneller gehen, Investitionen in Infrastruktur schneller abgebildet werden, um auch etwas zu bewirken“, sagte der Manager weiter.

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