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Siemens : Kaeser bietet Klima-Aktivistin Neubauer Posten im Aufsichtsrat an

Kohlehafen direkt vor dem Barrier Reef

Die Adani-Mine, eine der größten Kohlebergbauprojekte der Welt, steht wegen der monatelangen katastrophalen Feuer im Osten und Südosten Australiens derzeit besonders im Fokus. Für die Bewegung ist es also einfach, öffentlichkeitswirksam das Thema aufzurollen anstatt auf die wesentlich komplexeren, damit auch schwerer zu vermittelnden Strukturen hinzuweisen: Siemens ist nämlich mit seiner Energietechnik auch einer der großen Anbieter von Gas- und Dampfturbinen für fossil befeuerte Gas- und Kohlekraftwerke sowie für die Ölindustrie mit Milliardenumsätzen – neben der Windenergie als weiteres Element im Produktportfolio.

Hauptmärkte sind unter anderem China und Indien. Damit böte der Konzern eigentlich eine wesentlich größere Angriffsfläche. Allerdings stehen die Deutschen nicht alleine. Die Konkurrenten kommen aus Frankreich (Alstom), den Vereinigten Staaten (General Electric) oder Japan (Mitsubishi).

Am 11. Dezember hatte der Konzern den Auftrag gewonnen, ein modernes Signaltechnik-System für die rund 200 Kilometer lange Bahnlinie zwischen der riesigen Kohlemine Carmichael des indischen Adani-Konzerns zur Küste auszurüsten. Dem Kohlehafen ist das von der Unesco als Weltnaturerbe geschützte, bereits beschädigte und höchst gefährdete Barrier Reef vorgelagert. Seit Bekanntwerden der Pläne zum Bau der Mine gibt es Proteste, die bislang durch die kohlefreundliche Politik der australischen Regierung unter Ministerpräsident Scott Morrison abgeschmettert worden sind.

Doch im Dezember griffen Umwelt- und Klimaschützer mit Bekanntwerden der Auftragsvergabe die Deutschen scharf an. Unter Druck geraten, reagierte der Vorstandsvorsitzende Joe Kaeser am 15. Dezember mit einem Tweet, und kündigte an, die Entscheidung zeitnah prüfen zu wollen. „Sie verdienen eine Antwort“, schrieb er. Er sei sich zuvor der Sorgen so nicht bewusst gewesen.

Ersatz dürfte schwer zu finden sein

Mit einem Auftragsvolumen von gerade einmal 31 Millionen australischen Dollar oder umgerechnet 19 Millionen Euro hatte der Auftrag keine sehr große Bedeutung, schon gar nicht musste er von der Konzernzentrale am Münchner Wittelsbacher Platz abgesegnet werden. Hinter den Kulissen ist jedoch zu vernehmen, dass man mit dem Abschluss der Kollegen vor Ort in Australien ziemlich unglücklich gewesen ist. Denn zu jenem Zeitpunkt, so heißt es, musste jedem schon die Sensibilität bewusst gewesen sein.

Den Konkurrenten von Siemens jedenfalls war die Lage klar. Alstom und Hitachi hatten eine Beteiligung an der rufschädigenden Kohleförderung abgelehnt. Siemens, heißt es in Australien, sei der einzige verbliebene Hersteller, der Adani noch beliefern wolle. Ersatz dürfte schwer zu finden sein. Fehlende Signaltechnik bedeutet: kein Transport, keine Kohleförderung.

Siemens sei „Ziel Nummer eins“ der Kampagne „Galilee Blockade“, die die Mine verhindern will, sagt deren Sprecher Ben Pennings. Die australische Aktivisten-Gruppe Market Forces will Opfer der Brände, die etwa ihre Häuser verloren haben, zur Siemens-Hauptversammlung am 5. Februar fliegen. Dort könnten sie Kaeser angreifen, sollte er tatsächlich vom Auftrag nicht abrücken. Viele Banken, Investoren und Versicherungen haben über die Jahre eine Zusammenarbeit mit der Kohleindustrie im Allgemeinen und Adani im Besonderen abgelehnt. Das könnte Siemens weiter unter Druck setzen.

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