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Siemens-Chef Löscher im Gespräch : „Das Geschäft brummt“

  • Aktualisiert am

Löscher: „Uns wurde aus den eigenen Reihen ein Riesenschaden zugefügt” Bild: Jan Roeder

Seit sechs Monaten ist Peter Löscher Chef von Siemens. Vor seiner ersten Hauptversammlung spricht er im Interview über das Versagen seiner Vorgänger, die Entlastung von Vorständen und Aufsichtsräten sowie Milliarden-Aufträge ohne Korruption.

          7 Min.

          Seit sechs Monaten ist Peter Löscher Chef von Siemens. Vor seiner ersten Hauptversammlung spricht er im Interview mit der F.A.S. über das Versagen der Vorgänger, die Entlastung von Vorständen und Aufsichtsräte und Milliarden-Aufträge ohne Korruption.

          Herr Löscher, als Sie vor einem halben Jahr bei Siemens angetreten sind, hatten Sie nicht mal einen Arbeitsvertrag. Leichtsinnig, oder?

          Nicht leichtsinnig, aber vielleicht ungewöhnlich - das schon. Wir hatten uns per Handschlag geeinigt. Der Rest war Vertrauen. So habe ich an einem Freitag im Mai in Amerika gekündigt, ohne zu wissen, ob mich der Siemens-Aufsichtsrat zwei Tage später zum Vorstandsvorsitzenden bestimmt. Ich bin quasi als Arbeitsloser hier angetreten.

          „Der Schulterschluss galt von der ersten Minute an”: Löscher lobt seinen Aufsichtsrat Cromme

          Angeblich war nicht mal Ihr Gehalt geregelt.

          Stimmt. Den Vertrag haben wir erst im Juli unterschrieben, als ich schon hier war. Auch das war eine Sache des Vertrauens. Der Schulterschluss zwischen Vorstandsvorsitzendem und Aufsichtsratsvorsitzendem galt von der ersten Minute an.

          Vier Millionen Euro sind zwar ein stolzes Salär, in Amerika hätten Sie aber mehr verdient.

          Wäre es mir um die Maximierung des Einkommens gegangen, dann hätte ich dort bleiben müssen. Aber Geld ist im Leben nicht alles.

          Wenn es das Geld nicht ist, was treibt Sie dann?

          Die Aufgabe, die Chance mit Siemens. Ob Sie in Geschichtsbüchern blättern oder durch die Welt fahren: Da erlebt man, was für ein wichtiges und phantastisches Unternehmen Siemens ist.

          Nur steckt der Konzern gerade in der schwersten Krise seiner 160 Jahre währenden Geschichte: Das System schwarzer Kassen hat einen Milliardenschaden angerichtet. Haben Sie mit einem solch weitreichenden Skandal gerechnet?

          Das Ausmaß der Verfehlungen hat mich überrascht. Das hatte ich bei meinem Antritt nicht vor Augen.

          Die Folgen der Affäre müssen nun Sie ausbaden, die Aktionäre werden der Führung auf der Hauptversammlung in einer Woche einheizen.

          Nach den Signalen, die wir empfangen, dürfte es am 24. Januar lebhaft zu gehen, das ist wahr. Doch ich freue mich auf die Hauptversammlung.

          Im Ernst?

          Absolut. Ich freue mich darauf, mich dort das erste Mal als Vorstandsvorsitzender von Siemens dem Dialog mit den Eigentümern zu stellen. Eine gute und lebhafte Diskussion hat noch niemandem geschadet.

          Vorstände und Aufsichtsräte sollen entlastet werden, ohne dass ultimativ geklärt ist, wer in die Affäre verstrickt ist. Dagegen sträuben sich deutsche Aktionärsschützer ebenso wie die amerikanische ISS. Deren Rat folgen für gewöhnlich 25 Prozent der Investoren.

          Wie üblich gibt es diverse Empfehlungen von verschiedenen Seiten. Das ist normal. Sie kennen die Empfehlung der Verwaltung.

          Sie haben empfohlen, nur die Abstimmung über den ehemaligen Zentralvorstand Johannes Feldmayer zu vertagen und alle anderen zu entlasten. Dabei bleibt's?

          Wir haben im Dezember eingeladen. In der Einladung gibt es eine Empfehlung der Verwaltung. Mehr möchte ich dazu nicht sagen.

          Auch in Ihrem Aufsichtsrat gibt es Stimmen, welche die Entlastung verschieben wollen.

          Ich halte mich an die Devise, die ich verkünde, seit ich hier bin: Wir klären umfassend auf. Wir klären die Verantwortung. Wir machen nicht unterwegs halt. Wann immer es neue Fakten gibt, werden die bewertet und gegebenenfalls Konsequenzen gezogen, und zwar rigoros.

          Das heißt: Bis zum Tag der Hauptversammlung können Sie Ihren Vorschlag zur Entlastung ändern?

          Die Fakten leiten uns hin, wohin uns die Fakten leiten. Das ist das Vorgehen. Dabei bleibt es.

          Selbst Ihr Vorgänger Klaus Kleinfeld, der Siemens im Juni verlassen hat, plädiert dafür, dass seine Entlastung vertagt wird.

          Das habe ich auch gelesen.

          Sie könnten ihm wie dem früheren Aufsichtratsvorsitzenden Heinrich von Pierer eine öffentliche Blamage ersparen, wenn Sie die Abstimmung verschieben.

          Zu einzelnen Personen mache ich grundsätzlich keine Aussagen.

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