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F.A.S. exklusiv : Joe Kaeser wird neuer Anführer fürs China-Geschäft

  • -Aktualisiert am

Siemens-Chef Joe Kaeser im Januar 2019 in München Bild: AP

Siemens-Chef Joe Kaeser übernimmt den Vorsitz des Asien-Pazifik-Ausschusses der deutschen Wirtschaft. Ein ehrenvolles Amt – das sein Vorgänger mit kritischen Worten in Richtung China abgibt.

          Deutschlands Anführer in Richtung China stammt von Siemens. Dies war praktisch Gesetz, seit 1993 der Asien-Pazifik-Ausschuss (APA) der deutschen Wirtschaft gegründet wurde, damals auf Betreiben von Bundeskanzler Helmut Kohl. Der erste Vorsitzende war Heinrich von Pierer, später folgte Peter Löscher. Nun tritt Joe Kaeser an, ein Mann mit politischem Gestaltungsdrang. In zehn Tagen wird der Siemens-Chef in das ehrenvolle Amt eingeführt, mit Kanzlerin Angela Merkel und allem Pipapo.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Damit endet die Regentschaft von Hubert Lienhard, dem ehemaligen Voith-Chef, der jetzt im Gesellschafterausschuss des Familienkonzerns sitzt und seit 30 Jahren regelmäßig auf China-Reisen geht. In seinen fünf Jahren an der APA-Spitze hat er den Aufstieg von Präsident Xi erlebt und damit die Entwicklung Chinas hin zu einem wieder repressiveren Regime. „Am Anfang hatte ich die Hoffnung vom Wandel durch Handel“, sagt Lienhard. „Wir alle dachten, dass China mittelfristig die westliche Marktwirtschaft mehr und mehr übernimmt. An diesem Glauben festzuhalten, fällt mir immer schwerer. Wir erleben einen Wettbewerb der Systeme.“

          Die Politikerkaste in Peking habe sich in den vergangenen Jahren extrem gewandelt. „Statt mit sturen, Papiere vorlesenden Funktionären haben wir es heute mit richtigen Profis zu tun, die wissen, wie die Welt tickt“, sagt Lienhard. Und über allem throne der oberste Anführer. „Wenn Xi einen Raum betritt, ist förmlich zu spüren: Jetzt kommt die Macht.“ Unter ihm gehe China „konsequent den Weg der staatsgelenkten Marktwirtschaft“, wie es mit den Langfristzielen dokumentiert ist, politisch wie wirtschaftlich. „2049 will China die Weltmacht Nummer eins sein. Dieses Ziel verfolgen sie mit aller Konsequenz“, sagt Lienhard.

          Uneinig über die Leistung des Regimes

          Strittig ist, wie der Westen darauf zu reagieren hat; mit brutaler Interessenpolitik wie Präsident Donald Trump oder geschmeidiger. „Wir als Europäer können in China nicht so hart vorgehen wie Amerika, wir haben nicht die entsprechenden Druckmittel. Was wir tun können, ist die wirtschaftliche Stärke daheim in Europa zu fördern“, rät Lienhard. „Als ich angetreten bin als APA-Vorsitzender, war das Ziel: Gleichbehandlung. Das ist bis heute nicht eingelöst. Niemals könnte ein westliches Unternehmen in China einen Roboterhersteller oder ein Hochspannungsnetz kaufen. Wenn die Europäische Investitionsbank Projekte ausschreibt, verlangt sie keine Quote für einheimische Produkte. In China wäre das so.“

          Eine taugliche Gegenmaßnahme der Europäer wäre aus seiner Sicht etwa ein Wettbewerbsrecht, das die ganze Welt zum Maßstab hat – und so einen deutsch-französischen Zug-Champion zulässt, wenn es starke chinesische Wettbewerber gibt.

          Joe Kaeser hat mehrfach und ziemlich laut klar gemacht, dass er dies genauso sieht, als er das Verbot aus Brüssel für den Siemens-Alstom-Deal kritisiert hat. Ansonsten sind die Interessen der deutschen Unternehmen und ihrer Verbände in China keineswegs immer deckungsgleich, was den jeweiligen APA-Vorsitzenden hin und wieder in die Bredouille bringt. Kaeser jedenfalls wird die Rolle selbstbewusst interpretieren, so viel ist klar, und im Zweifel eher für ein Miteinander mit den Chinesen plädieren als für die Konfrontation.

          Einig sind sich die deutschen Wirtschaftsführer über die ungeheure Leistung des chinesischen Regimes in den vergangenen 30 Jahren. „China hat 450 Millionen Menschen aus der Armut geholt, die Chinesen sind heute in der Lage, auf den Mond zu fliegen und nicht mehr die Werkbank der Welt“, sagt Lienhard, der für sich persönlich zwei Erfahrung aus dem Amt mitnimmt. Erstens: „Die Chinesen sind ungemein fröhliche Menschen mit wahnsinniger Empathie.“ Und zweitens: „Was mich immer wieder beeindruckt hat, ist, welchen Respekt sich die Kanzlerin in China erarbeitet hat. Die Achtung für Angela Merkel drückt sich schon in der Körpersprache der Chinesen aus.“

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