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Siemens-Alstom : Der ICE-Bauer wandert womöglich nach Paris

Es wurde kein Wertpapier gefunden!

Um wettbewerbsfähig zu bleiben, werden die Fusionspartner gezwungen sein, die Kosten erheblich zu senken. Selbst wenn Siemens und Alstom ihre Bahntechnik zusammenlegen sollten, werden sie im Weltmaßstab nur eine kleine Nummer sein, nachdem am 1. Juni 2015 die chinesischen Staatskonzerne China North Rail (CNR) und China South Rail (CSR) zur CRRC mit 29 Milliarden Euro Umsatz fusioniert worden sind. CRRC dringt immer stärker auf die Märkte in Asien, Amerika und in Europa vor und bietet Komplettangebote mit Bau von Gleistrassen und Finanzierungen zu aggressiven Preisen an.

Der Siemens-Chef will schon lange enger zusammenarbeiten

Schon seit langem weist Siemens-Vorstandsvorsitzender Joe Kaeser auf die Bedrohung für den deutschen und europäischen Markt hin, spricht seit Monaten von der Notwendigkeit einer engeren Allianz zwischen den Anbietern, zu denen neben Siemens und Alstom auch die kanadische Bombardier gehört. Seit zwei Jahren kursieren Spekulationen, Siemens und Bombardier würden ihre Zuggeschäfte zusammenlegen. Noch vor der Aufsichtsratssitzung von Siemens Anfang August wurden hartnäckig Gerüchte befeuert, ein Zusammenschluss oder die Gründung von Gemeinschaftsunternehmen werde beschlossen. Nichts geschah.

Der Vorstoß von Joe Kaeser blieb erfolglos, 2014 im Zuge der angestrebten Übernahme der Energiegeschäfte von Alstom auch die Zugaktivitäten zusammenzuführen. Im heftigen Bieterkampf mit General Electric unterlag Siemens. Doch davor hätte auch die europäische Kartellaufsicht gestanden. Schon damals – und seitdem immer wieder – hatte Siemens-Chef Kaeser Brüssel aufgefordert, nicht mehr in europäischen oder gar nur nationalen Grenzen zu denken. Es gebe in der Bahntechnik nur einen globalen Markt für Bahnausrüster. Aus der Weltmarktperspektive gesehen, stellt nämlich ein Zusammenschluss mit Alstom oder Bombardier wettbewerbsrechtlich kein Problem dar.

Die Tatsache, dass Siemens nun einen neuen Anlauf gemacht hat, deutet auf eine Erweiterung des Horizonts in Brüssel hin. Es ist zu vernehmen, dass es diesbezüglich Kontakte gegeben haben soll. Grundsätzlich scheint damit ein Zusammenschluss denkbar, auch wenn die EU-Kommission dies nur mit Auflagen durchgehen lassen würde; allein schon um das Gesicht zu wahren. Eine Rolle dürfte dabei auch die Politik spielen. Nicht umsonst sollen die deutsche und die französische Regierung in die Gespräche eingebunden gewesen sein. „Es ist wichtig, dass wir unseren Industriesektor in Partnerschaft mit Deutschland stärken“, sagte der Regierungssprecher Christophe Castaner am Freitag. „Es gibt keine Bedenken auf der französischen Seite, wenn große Konzerne zusammenarbeiten, solange die Synergien nicht zu Arbeitsplatzverlusten führen.“ Es gilt auch als nicht ausgeschlossen, dass in einem späteren Schritt Bombardier seine Bahnaktivitäten in die Allianz einbringen könnte. Damit entstünde so etwas wie der Airbus der Bahnindustrie.

Siemens eröffnen sich durch den Zusammenschluss alle Optionen. Zunächst setzt der Konzern seine kapitalschonende Strategie einer operativen Holding fort, wonach Konzernaktivitäten nicht mehr zu 100 Prozent gehalten werden müssen. Siemens-Alstom würde das dritte Projekt sein, nachdem Siemens-Gamesa gegründet worden ist und im nächsten Jahr der Börsengang der Medizintechnik ansteht, an der der Konzern die Mehrheit behalten will. Zugleich öffnet Siemens nun die Tür, sich durch einen schrittweisen Abbau des Aktienanteils aus dem Bahngeschäft zu verabschieden. Immer wieder keimten in den zurückliegenden zehn Jahren Gerüchte auf, Siemens wolle keine ICE, U- und S-Bahnen mehr bauen.

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