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Fatale Sicherheitslücke : Wer profitiert vom Chipdebakel?

Hochtechnisiert und doch mit Fehlern behaftet: Chipproduktion von Intel in Israel Bild: interTOPICS /Yael Tzur Xinhua /

Die Sicherheitslücke in Mikroprozessoren ist ein GAU für die IT-Industrie. Sie könnte die komplette Branche wandeln – denn schon der kleinste Fehler entscheidet über Erfolg oder Misserfolg.

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          Ein Debakel wie die Sicherheitslücken „Meltdown“ (Kernschmelze) und „Spectre“ (Gespenst) in Milliarden Computer- und Handychips hat viele Verlierer. Zu den Hauptleidtragenden gehören die Kunden. Im schlimmsten Fall müssen sie befürchten, dass ihre größten Geheimnisse, die sie jemals einem PC mit „Intel inside“ anvertraut haben, seit zwei Jahrzehnten von Angreifern mitgelesen werden.

          Thiemo Heeg
          Redakteur in der Wirtschaft.
          Stephan Finsterbusch
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Aber auch der in erster Linie betroffene Hersteller, der Chipgigant Intel, dürfte – mit Ausnahme seines Vorstandsvorsitzenden Brian Krzanich, der sich im vergangenen Herbst rechtzeitig von einem Großteil seiner Aktien trennte – leiden. Wie und in welchem Umfang, darüber lässt sich derzeit nur spekulieren. Eine Ahnung geben jedoch die kräftigen Ausschläge an der Börse. Am Mittwochmorgen bewegte sich der Aktienkurs noch um die Marke von 39,40 Euro. Am Donnerstagnachmittag sank der Preis auf ein Niveau um 35,60 Euro – das ist ein Minus von fast 10 Prozent.

          Eine der teuersten Übernahmen in der Chipindustrie

          Zwischenzeitlich und auch am Freitag hat sich die Intel-Notierung wieder erholt. Und doch spiegelt das starke Auf und Ab seit Jahresbeginn die Unsicherheit wider, wie sich die weitreichenden Sicherheitslücken „Meltdown“ und „Spectre“ auf die Zukunft des Unternehmens auswirken. Weiter gefragt: Wie sehen die Aussichten der Branche aus? Einer Branche, die gerade etwas erlebt, das manche Kritiker schon mit dem Diesel-Skandal in der Autoindustrie vergleichen – auch wenn solche Analogien holpern, weil derzeit in Sachen Prozessoren nichts auf Betrug oder Vorsatz hindeutet.

          In den vergangenen Jahren kannte der internationale Halbleitermarkt nur eine Richtung – nach oben. Im Jahr 2000 wurde die Umsatzmarke von 200 Milliarden Dollar und 2010 von 300 Milliarden Dollar erstmals übersprungen. Im vergangenen Jahr erlösten die Anbieter auf der ganzen Welt erstmals mehr als 400 Milliarden Dollar. Nach Angaben des Analystenhauses Gartner waren es 2017 knapp 420 Milliarden Dollar, ein Plus von gut 22 Prozent im Vergleich zu 2016. An der Spitze gab es dabei einen Wechsel: Prozessorenproduzent Intel, zuvor faktisch vier Jahrzehnte lang Marktführer, wurde vom koreanischen Konkurrenten Samsung abgelöst. Zumindest diesem Wechsel messen Fachleute keine allzu große Bedeutung bei: Er dürfte nicht sehr lange Bestand haben, glauben sie, und erst recht nicht mit den gegenwärtigen Chipproblemen zusammenhängen.

          Nicht nur Asien und Amerika spielen eine Rolle im Chipgeschäft, auch Europa ist vertreten. Noch, muss man sagen. Denn im Top-Ten-Ranking der größten Chiphersteller ist der Kontinent lediglich mit dem Unternehmen NXP vertreten, das den zehnten Platz belegt. Vor wenigen Jahren war das noch anders. Damals fanden sich noch europäische Anbieter wie Infineon oder ST Microelectronics auf der Liste. Heute nicht mehr, und auch der letzte Vertreter NXP steht derzeit zum Verkauf. Der kalifornische Konzern Qualcomm greift nach dem niederländischen Unternehmen, das im Jahr 2006 aus der Chipsparte von Philips hervorgegangen war. Die Amerikaner legen dafür knapp 45 Milliarden Dollar auf den Tisch. Eine der teuersten Übernahmen in der Chipindustrie – mit der Folge, dass abermals ein europäisches Unternehmen neue Besitzer in Übersee findet.

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