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Nach Gegenwind : Shell spendet Gewinn aus russischem Ölkauf

„Riecht russisches Öl für Sie nicht nach ukrainischem Blut?“, fragte der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba Shell auf Twitter. Bild: Reuters

Mit dem Geschäft in Russland hatte das britische Unternehmen etwa 20 Millionen Dollar gespart. Nach heftiger Kritik will der Konzern nun den Gewinn an die Opfer des Ukrainekrieges spenden.

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          Nach scharfer Kritik am billigen Kauf von russischem Rohöl hat der britische Energiekonzern Shell versprochen, den Gewinn aus dem Geschäft an einen Fonds für Opfer des Ukrainekriegs zu spenden. Shell hatte am Freitag für etwa 65 Millionen Dollar in Russland 725. 000 Barrel Rohöl zu einem rekordgünstigen Preis gekauft. Shell zahlte nach Medienberichten 28,50 Dollar je Barrel weniger als die Sorte Brent derzeit auf dem Weltmarkt kostet, deren Preis zuletzt auf 118 Dollar gestiegen war. Verkäufer war die Trafigura Group, einer der größten Rohstoffhändler und Exporteure russischen Öls.

          Philip Plickert
          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Mit dem Geschäft hat Shell etwa 20 Millionen Dollar gegenüber dem Brent-Weltmarktpreis gespart. Es war das erste derartige Öl-Geschäft, das über S&P Global Platts gemeldet wurde, seit Russland am 24. Februar die Ukraine angegriffen hat. In Russland ist Rohöl derzeit relativ günstig zu haben, weil sich viele internationale Käufer zurückgezogen haben. Das Geschäft verstieß nicht gegen Sanktionen.

          Shells Kauf zog allerdings scharfe Kritik auf sich. Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba schrieb auf Twitter: „Mir wurde gesagt, dass Shell gestern diskret russisches Öl gekauft hat. Eine Frage an Shell: Riecht russisches Öl für Sie nicht nach ukrainischem Blut?“ Alle verantwortungsvollen Menschen auf der Welt sollten von multinationalen Unternehmen einen kompletten Abbruch aller Geschäftsbeziehungen mit Russland fordern.

          Dilemma für Konzern

          Shell reagierte am Samstag mit einer längeren Erklärung und sprach von einem Dilemma. Man sei „entsetzt über den Krieg in der Ukraine“ und habe schon angekündigt, aus allen Gemeinschaftsunternehmen mit dem russischen Staatskonzern Gazprom auszusteigen. Man führe ständige Gespräche mit Regierungen über die Frage der Konsequenzen des Krieges und der sicheren Energieversorgung. Es sei eine „schwierige“ Entscheidung gewesen.

          Der global agierende Konzern werde Energie aus Russland „derzeit weiter fließen lassen“, um die Versorgung aufrechtzuerhalten. Wo möglich, wolle man Alternativen zu russischem Öl wählen, „aber das kann nicht über Nacht geschehen, weil Russland so erheblich ist für das globale Angebot“, so Shell. Russland ist nach Saudi-Arabien zweitgrößtes Ölexportland der Welt. Den Gewinn aus dem umstrittenen Ölkauf, kündigte Shell an, werde man einem Fonds spenden, der mit Hilfsorganisationen dafür sorgen soll, „die schrecklichen Folgen des Krieges für die Menschen in der Ukraine zu lindern“.

          Viele Ölhändler meiden russisches Öl schon jetzt, obwohl es noch keine westlichen Sanktionen dagegen gibt. Der staatlich dominierte Ölriese Rosneft versucht derzeit bis zu 83 Millionen Barrel (Fass zu 159 Liter) Ural-Öl für die Monate April bis Oktober durch Termingeschäfte zu verkaufen und wird dies wohl zu einem ähnlichen hohen oder noch höheren Preisnachlass von rund 30 Dollar je Barrel tun müssen.

          Nicht so abhängig wie Deutschland

          Shell hat vor einer Woche unter dem Druck der Londoner Regierung das Ende seiner vier großen Beteiligungen an Gazprom-Projekten in Russland beschlossen. Dazu gehört der Anteil von 27,5 Prozent am Sachalin 2 Öl- und Gasfeld mit einer der wichtigsten Flüssiggasanlagen der Welt sowie zwei Projekte in Sibirien. Auch aus der Pipeline Nord Stream 2 zieht sich Shell zurück. Shell muss wohl einen Großteil der mit insgesamt 3 Milliarden Dollar in der Bilanz stehenden Beteiligungen abschreiben. Der britische Konkurrent BP hat seinen Rückzug aus der knapp 20-prozentigen Beteiligung am Kreml-Konzern Rosneft bekanntgegeben. Dies werde die Bilanz sogar um 14 Milliarden Dollar belasten. Auch der britische Konzern Centria, Muttergesellschaft von British Gas plant sich aus allen Liefervereinbarungen mit Russland, besonders Gazprom, zurückzuziehen.

          Großbritannien ist dabei weit weniger abhängig als Deutschland und einige andere mitteleuropäische Länder. Nur etwa 5 Prozent des britischen Gas-Imports und etwa 3 Prozent des Gas-Verbrauchs stammt aus Russland. Das Königreich fördert selbst große Mengen Öl und Gas in der Nordsee, größter ausländischer Gaslieferant ist Norwegen. Energieminister Kwasi Kwarteng hat eine Überprüfung der Versorgungssituation und der Lieferungen aus Russland angeordnet.

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