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Wirtschaftskriminalität : Shell droht brisanter Prozess in den Niederlanden

Im Verdacht steht auch der frühere nigerianische Präsident Jonathan Goodluck. Bild: AFP

Dem Ölriesen droht ein Korruptionsprozess wegen Bestechung. Beobachter sprechen von einem beispiellosen Vorgang.

          Europas größtem Ölkonzern Shell droht in den Niederlanden ein Strafprozess wegen eines brisanten milliardenschweren Korruptionsfalles in Nigeria. Es hätten sich ausreichende Anhaltspunkte für strafbares Verhalten ergeben, teilte die Staatsanwaltschaft in Den Haag mit.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          „Dass ein Konzernriese wie Shell in einer solchen Sache in den Niederlanden angeklagt werden soll, ist ein beispielloser Vorgang“, sagte Barnaby Pace von der Londoner Nichtregierungsorganisation Global Witness der F.A.Z. – üblicherweise würden Vorwürfe dieser Art von den Unternehmen außergerichtlich geklärt.

          „Diese Ankündigung ist ein ermutigendes Signal, dass kein Unternehmen über dem Recht steht“, sagte Pace weiter. Global Witness recherchiert seit Jahren in dem komplizierten Fall, der sich um ein großes Offshore-Ölfeld namens OPL 245 vor der Küste Nigerias dreht.

          Shell und dem italienischen Ölkonzern Eni wird vorgeworfen, sie hätten im Jahr 2011 beim gemeinsamen Erwerb der Bohrlizenz für OPL 245 milliardenschwere Bestechungszahlungen billigend in Kauf genommen. Das Geld soll an nigerianische Politiker und Spitzenbeamte geflossen sein.

          Als einer der mutmaßlichen Profiteure wurde der frühere nigerianische Staatspräsident Goodluck Jonathan genannt, der dies jedoch bestreitet. Die Konzerne weisen die Vorwürfe ebenfalls zurück. Die von ihnen geleisteten Zahlungen seien legal gewesen.

          Seit Juni 2018 läuft in derselben Sache bereits ein Strafverfahren in Mailand. Dort sitzen auch Spitzenmanager wie der Eni-Vorstandschef Claudio Descalzi  und der frühere Shell-Vorstand für das globale Fördergeschäft, Malcolm Brinded, auf der Anklagebank.

          In Mailand wurden im September bereits zwei Mittelsmänner zu Haftstrafen von jeweils vier Jahren verurteilt. In London hat unterdessen die nigerianische Regierung im Dezember eine Schadenersatzklage gegen Eni und Shell eingereicht, in die auch JP Morgan verwickelt ist. Die amerikanische Großbank hat die dubiosen Zahlungen damals abgewickelt.

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