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Sexistische Werbung : Ein Smoothie, der provoziert

  • -Aktualisiert am

Eigentlich so harmlos: Um die Werbung für die fruchtigen Smoothies ist ein Streit entbrannt. Bild: Rüchel, Dieter

Eine äußerst clevere Kampagne, die die Debatte über sexualisierte Werbung aufs Korn nimmt: Sprüche wie „Bei Samenstau schütteln“ sollen einem Smoothie-Hersteller angeblich verboten worden sein. Wirklich?

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          Püriertes, mit Wasser aufgefülltes Obst oder Gemüse („Smoothie“) sorgt selten für hitzige Debatten. Die clevere und vor allem sehr sexuelle Werbekampagne des Bonner Herstellers True Fruits hat es dennoch geschafft. Denn seine Plakate wurden angeblich „zensiert“. Wir gratulieren dem Werbefachmann, der für die Textvorschläge „Besamt & befruchtet“, „Bei Samenstau schütteln“ oder „Oralverzehr – schneller kommst Du nicht zum Samengenuss“ nicht freigestellt wurde.

          Nun ist der Saft in aller Munde, jedenfalls im übertragenen Sinne, denn manche Städte und angeblich die Deutsche Bahn machten den Schabernack offenbar nicht mit. Sie verbaten sich solche Plakate, sagt True Fruits, und ruft „Zensur!“

          Damit das auch jeder mitbekommt, werden Pressemitteilungen auch an unverdächtige Rechtsredakteure verschickt und gleich noch ein paar Plakate nachgedruckt. Diesmal ist das Wort „Oralverzehr“ erkennbar, aber weitestgehend überdeckt mit dem Wort „Zensiert“ und einem kleinen Erklärtext, alles in Grau, alles in Schreibmaschinenschrift.

          Kann man in Deutschland einfach keine lustige Werbung machen?

          Die Botschaft ist klar: Die muffigen Behörden verstehen keinen Spaß, in Deutschland kann man einfach keine lustige Werbung machen. „Warum dürfen wir als Unternehmen nicht so kommunizieren, wie wir es auch privat machen?“, teilt Mitgründer und Marketingchef Nicolas Lecloux mit. „Wir lassen uns den Mund und Humor nicht verbieten.“ Spätestens als Jan Böhmermann sich von True Fruits verbittet, Witze zu machen, er halte sich ja auch mit dem Verkauf von Smoothies zurück, wird klar, dass es ums große Ganze geht: Meinungsfreiheit, Satire und Chiasaft.

          Allein: Das Planungsbüro der angeblichen Zensurstadt München sagt, es wisse nichts von einem Verbot. Wie dem auch sei: Wir waren wohl zu schnell mit unserer Kritik am Vorschlag des Bundesjustizministers, sexistische Werbung zu verbieten. Das hätte uns den einen oder anderen PR-Trick erspart.

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