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Konzern reicht Klage ein : Sex-Skandal um früheren Chef erschüttert McDonald’s

Der ehemalige McDonald's-Chef Steve Easterbrook Bild: Wolfgang Eilmes

Im November musste Steve Easterbrook seinen Posten wegen einer Beziehung mit einer Mitarbeiterin räumen. Jetzt erhebt McDonald’s weitere Vorwürfe gegen den ehemaligen Manager – samt pikanter Beweise.

          3 Min.

          Im vergangenen November kam es bei McDonald’s zu einem abrupten Führungswechsel. Die Imbisskette trennte sich damals von ihrem Vorstandsvorsitzenden Steve Easterbrook und sagte zur Begründung, er habe eine „einvernehmliche Beziehung“ mit einer Mitarbeiterin gehabt und damit „schlechtes Urteilsvermögen“ demonstriert.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Easterbrook selbst zeigte sich reumütig und schrieb zum Abschied an die Belegschaft: „Das war ein Fehler.“ Offenbar waren damals schlüpfrige Handynachrichten und Videos ans Licht gekommen, wobei Easterbrook nach Angaben des Unternehmens beteuerte, er habe mit der betreffenden Mitarbeiterin keine „körperliche Beziehung“ gehabt.

          Nun hat die Angelegenheit ein spektakuläres Nachspiel. Am Montag hat McDonald’s seinen früheren Vorstandschef verklagt und dabei eine ganze Reihe neuer Vorwürfe erhoben. Der Manager habe im Jahr vor seiner Entlassung unabhängig von der Beziehung, über die er gestolpert war, drei sexuelle Verhältnisse mit Mitarbeiterinnen gehabt.

          McDonald's will die Abfindung zurück

          Die Klage enthält einige schlüpfrige Details. McDonald’s habe als Beweismittel Dutzende von Fotos gefunden, auf denen Personen nackt oder teilweise nackt seien oder die sexuell expliziten Charakter hätten. Zudem gebe es „Videos von verschiedenen Frauen“. Easterbrook habe diese Fotos und Videos von seinem beruflichen E-Mail-Konto an sein persönliches Konto geschickt.

          Sie seien „unbestreitbare Beweise“, dass er mit seinen Behauptungen, er habe niemals eine sexuelle Beziehung mit jemandem aus der Belegschaft geführt, gelogen habe. Zudem habe Easterbrook einer der Mitarbeiterinnen wenige Tage nach ihrer ersten sexuellen Begegnung ein Aktienpaket im Wert von mehreren hunderttausend Dollar genehmigt. Easterbrook äußerte sich am Montag zunächst nicht zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen.

          Die Imbisskette gibt an, sie habe erst im Juli einen anonymen Hinweis auf etwaige weitere Fehltritte des Managers bekommen und die Fotos und Videos erst im Zuge der darauffolgenden Untersuchungen entdeckt. Easterbrook habe sie von seinem Handy gelöscht. Deshalb seien sie in den ursprünglichen Ermittlungen nicht aufgefallen.

          Sie seien allerdings noch immer auf den Servern des Unternehmens gewesen, wo sie nun gefunden worden seien. Nach Angaben von McDonald’s wäre das Abfindungspaket für Easterbrook im vergangenen Jahr nicht genehmigt worden, wenn die Affären und das Aktienpaket für eine der Mitarbeiterinnen bekannt gewesen wären. Deshalb will der Konzern das Geld jetzt zurück. Die auf Managervergütung spezialisierte Analysegesellschaft Equilar hat den Wert des Abfindungspakets auf mehr als 40 Millionen Dollar beziffert.

          Easterbrook führte den Konzern erfolgreich

          Easterbrook ist nicht der einzige Vorstandschef, der in jüngster Zeit wegen Affären im Kollegenkreis seinen Posten räumen musste. Vor zwei Jahren gab zum Beispiel Brian Krzanich die Führung des Halbleiterkonzerns Intel ab, nachdem eine „einvernehmliche Beziehung“ mit jemandem aus der Belegschaft ans Licht gekommen war. Üblicherweise versuchen Unternehmen, solche Kapitel möglichst schnell wieder abzuhaken.

          Daher erscheint es umso ungewöhnlicher, dass McDonald’s selbst die Angelegenheit nun wieder an die Öffentlichkeit zerrt. Möglicherweise sieht sich das Unternehmen auch unter Druck, sich deutlich von Easterbrook zu distanzieren. Kritiker haben nach der Entlassung des Managers gemutmaßt, womöglich habe es sich hier nicht um einen Einzelfall gehandelt, sondern es gebe systemische Defizite in der Unternehmenskultur. Die Organisation „Fight for $15“, die sich für Mitarbeiterrechte einsetzt, sagte damals: „Es ist klar, dass die Kultur von McDonald’s von oben bis unten verfault ist.“

          Easterbrooks Entlassung war sehr abrupt, weil seine Amtszeit bis dahin als Erfolg galt. Er rückte 2015 auf den Vorstandsvorsitz, als McDonald’s in wirtschaftlichen Schwierigkeiten steckte und die Umsätze in den Filialen schrumpften. Er versprach, aus der Imbisskette ein „modernes, progressives Unternehmen“ zu machen.

          Unter ihm wurde zum Beispiel angekündigt, auf Eier aus Käfighaltung und Fleisch von Hühnern, die mit Antibiotika behandelt wurden, zu verzichten. McDonald’s straffte die Speisekarte, fing an, sein Frühstücksmenü ganztägig anzubieten und setzte verstärkt auf die Zusammenarbeit mit Lieferdiensten wie Uber Eats. Der Aktienkurs hat sich unter der Führung von Easterbrook mehr als verdoppelt.

          Seit seinem Weggang wird McDonald’s von Chris Kempczinski geführt. Die Imbisskette leidet im Moment schwer unter der Corona-Krise, im zweiten Quartal hat sie einen Umsatzrückgang von 24 Prozent erlitten. Die Aktie hat zwar inmitten der Pandemie zeitweise deutlich an Wert verloren, derzeit notiert der Kurs aber wieder knapp über dem Stand zu Jahresbeginn. Kempczinski wandte sich angesichts der Klage gegen seinen Vorgänger am Montag in einer Nachricht an die Belegschaft. Er schrieb: „McDonald’s toleriert kein Verhalten von irgendeinem Mitarbeiter, das unsere Werte nicht reflektiert.“

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