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UBS-Chef Ermotti : Reizbarer Spitzenverdiener

UBD-Chef Sergio Ermotti Bild: Reuters

Sergio Ermotti hat seine Emotionen nicht immer im Griff. Als Chef der Großbank UBS muss er kritische Fragen aushalten – auch nach seinem fürstlichen Gehalt.

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          Dieser Auftritt wird ihm noch lange nachhängen: Auf einer Konferenz Ende November 2017 in London geriet Sergio Ermotti mit Paul Tucker aneinander, dem ehemaligen Vizegouverneur der Bank of England. Von seinem Sitz im Publikum aus hatte sich Tucker die Banker auf dem Podium vorgeknöpft: Diese sollten doch lieber ihre Gehälter kürzen, statt sich über das schwierige Marktumfeld zu beklagen.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Das wollte Ermotti in seiner Rolle als Vorstandschef der Schweizer Großbank UBS so nicht stehen lassen. Was die Gehälter angehe, zeige man immer nur mit dem Finger auf die Banken und nicht auf andere Branchen, klagte er. Und dann legte Ermotti nach: „Ich denke, die Diskussion wird von Leuten geführt, die vielleicht frustriert sind, dass sie nicht so viel Geld verdienen.“ Tucker konterte: „Banker streichen Gewinne ein, während die Steuerzahler für die Verluste einstehen müssen.“

          Damit spielte der frühere Notenbanker auf den tiefen Fall der UBS in der Finanzkrise an. Im Jahr 2008 rettete der Schweizer Staat die Bank vor dem Ruin. Doch Ermotti ließ auch das nicht gelten. Am Ende habe der Fiskus durch die Rettung sogar einen Gewinn erzielt. Er empfahl Tucker, „wirklich auf die Fakten zu achten“.

          Verdruss in der Schweizer Finanzszene

          Wie dieser viel kritisierte arrogante Auftritt zeigt, gehören Demut und Selbstkritik nicht zum öffentlichen Repertoire des Sergio Ermotti – eines Mannes, der an der Spitze der UBS in den vergangenen sieben Jahren in Summe 87 Millionen Franken (76 Millionen Euro) verdient hat. Allein für das vergangene Jahr wurden ihm 14,1 Millionen Franken zugesprochen. Damit zählt der 58 Jahre alte Tessiner zu den absoluten Spitzenverdienern in der Schweiz.

          Die zweistelligen Millionengehälter für Ermotti und Tidjane Thiam, den Chef des Lokalrivalen Credit Suisse, sorgen inzwischen für Verdruss in der Schweizer Finanzszene. Sie beschädigen das Image einer Branche, die sich redlich bemüht, die mit Skandalen gepflasterte Vergangenheit hinter sich zu lassen. Ermotti ficht das nicht an: Er könne zwar verstehen, dass vielen Schweizer Bürgern die Gehälter in der Bankenbranche zu hoch erschienen, gab er jüngst zu Protokoll. Doch die UBS als internationaler Vermögensverwalter müsse mit der globalen Konkurrenz auch in der Vergütung mithalten.

          Ähnlich argumentiert auch sein Verwaltungsratspräsident Axel Weber. Dem früheren Bundesbankpräsidenten kam am Donnerstag auf der Hauptversammlung der UBS die Rolle zu, den Aktionären zu erklären, warum das fürstliche Salär seines Vorstandsvorsitzenden nur minimal gesunken ist, während der Aktienkurs der Bank 2018 um 32 Prozent in den Keller rutschte. Die Unzufriedenheit der Anteilseigner über die üppige Entlohnung – insgesamt hat die Bank ihren Mitarbeitern Boni von 3,1 Milliarden Franken gewährt – spiegelte sich im Votum zum Vergütungsbericht: Gut ein Fünftel der Aktionäre stimmte gegen dessen Annahme.

          Schallende Ohrfeige

          Den größten Schlag ins Kontor versetzten die Aktionäre dem Management allerdings, indem sie diesem die Entlastung verweigerten. Diese schallende Ohrfeige ist die Quittung für das niederschmetternde Gerichtsurteil aus Frankreich: Wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung soll die UBS in Summe 4,5 Milliarden Euro berappen. Die Bank beteuert ihre Unschuld, muss aber nun bis zu dem in weiter Ferne liegenden letztinstanzlichen Urteil mit dem Vorwurf leben, eine außergerichtliche Einigung in dieser rufschädigenden Angelegenheit verpasst zu haben. „Die UBS-Leitung wirkt teilweise völlig abgehoben“, kommentierte die Schweizer Zeitung „Finanz und Wirtschaft“ und monierte: „Es fehlt auch nur ein Hauch von Selbstkritik.“

          Anders als auf jener Konferenz in London, wo Ermotti dünnhäutig und gereizt reagiert hatte, ließ sich der selbstbewusste UBS-Chef von der Kritik der Aktionäre nun auf der Hauptversammlung in Basel nicht provozieren. Er blieb diesmal, zumindest nach außen, ruhig und gelassen. Enge Mitarbeiter zeichnen ohnehin ein anderes Bild von Ermotti als jenes, das er in der Öffentlichkeit zuweilen abgibt: Intern sei er durchaus nicht aufbrausend, sondern sehr organisiert und fokussiert sowie frei von Stimmungsschwankungen, heißt es. Ermotti sei nicht nur offen für Kritik, sondern fordere diese von seinen Leuten sogar explizit ein. Die ausgeprägte Beißlust bei Attacken von außen erklären seine Befürworter mit einem Verteidigungsreflex: Er sei ungemein stolz auf seine Bank und stelle sich schützend vor sie.

          Die Sünden der Vergangenheit holen die UBS immer wieder ein

          Der Vater von zwei Kindern, der im steuergünstigen Kanton Zug lebt, hat das Bankgeschäft von der Pike auf gelernt. In seinem Geburtsort Lugano absolvierte Ermotti eine Lehre bei der kleinen Cornèr Bank. Ursprünglich wollte der Hobby-Fußballer und leidenschaftliche Anhänger von AC Mailand danach Sportlehrer werden, blieb dann aber doch der Bankenwelt treu. Nach verschiedenen Stationen und einem steilen Aufstieg bei der amerikanischen Investmentbank Merrill Lynch wechselte er zunächst zur italienischen Unicredit nach Mailand, bevor er im April 2011 in die Konzernleitung der UBS berufen wurde. Dort übernahm er nur wenige Monate später den Vorsitz von Oswald Grübel, der damals wegen eines Betrugsfalls eines UBS-Händlers in London zurücktreten musste.

          Ermotti hat die Bank nach dem Beinahekollaps in der Finanzkrise entschlossen umgebaut: Er fuhr das volatile Kapitalmarktgeschäft zurück und stärkte das Geschäft in der Vermögensverwaltung, wo die Bank zu den führenden Anbietern auf der Welt zählt. Die Sünden der Vergangenheit holen die UBS allerdings immer wieder ein, wie nicht zuletzt der Rechtsstreit in Frankreich zeigt. Dessen Ende wird Ermotti wohl nicht mehr im Amt des Vorstandschefs erleben. Ob er dereinst Axel Weber als Verwaltungsratspräsident beerben kann, steht in den Sternen.

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