https://www.faz.net/-gqe-9r8zf

Unternehmenskauf : AMS auf der Zielgeraden mit Osram-Übernahme

Osram-Zentrale in München Bild: Reuters

Die Österreicher von AMS senken die Annahmequote und erhöhen so ihre Chancen auf eine Übernahme. Zähneknirschend gibt der Vorstand von Osram seinen Segen: Die Manager empfehlen den Aktionären die Annahme der Offerte.

          4 Min.

          Die Karten für die Übernahme des angeschlagenen Lichttechnikkonzerns Osram sind neu gemischt. AMS hat mit zwei taktischen Zügen seine Erfolgsaussichten deutlich erhöht – und zusätzlich Hilfe der widerspenstigen Osram-Gremien erhalten. Der österreichische Sensorhersteller hat die Mindestannahmequote von 70 auf 62,5 Prozent gesenkt und eine bislang kaum erreichbar erscheinende hohe Hürde aus dem Weg geräumt.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Die Kapitalerhöhung von 1,5 Milliarden Euro zur Teilfinanzierung des 3,7 Milliarden Euro teuren Erwerbs wird vorgezogen, womit ein Risiko aus dem geschnürten Finanzpaket genommen ist. Nun haben Osram-Vorstand und die Mehrheit des Aufsichtsrates den Aktionären sogar die Annahme empfohlen – und der größte Einzelaktionär Allianz Global Investors (AGI) hat Sympathien für AMS.

          Der Osram-Vorstandvorsitzende Olaf Berlien wird allerdings seine 31.750 gehaltenen Aktien nicht andienen, wie aus der Montagmorgen veröffentlichen „begründeten Stellungnahme“ zur AMS-Offerte hervorgeht. Er habe ein Interesse an der Fortführung der vom Vorstand vorangetriebenen „robusten Unternehmensstrategie“, die er höher gewichte als kurzfristige persönliche Vermögensinteressen. Es handelt sich um sein persönliches Minderheiten- und Misstrauensvotum gegen AMS.

          Harte Kritik von Arbeitnehmerseite

          Dem schließt sich gewissermaßen die Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat an, die in ergänzenden Aussagen harte Kritik an den AMS-Plänen übt. Die IG Metall lehnt den Vorstoß vehement ab, da sie eine Zerschlagung von Osram mit dem Verlust von zahlreichen Arbeitsplätzen befürchtet. Von den sieben Osram-Aufsichtsratsmitgliedern der Anteilseignerseite, die zusammen 5099 Aktien halten, wollen fünf ihre Papiere AMS andienen.

          Überraschend klar ist die Empfehlung ausgefallen, auch wenn Risiken etwa in der Finanzierung, der Form der Übernahme und der Integration deutlich genannt werden. Ausdrücklich verweisen die Osram-Gremien auf die aktienrechtlichen Verpflichtungen und die gründlichen Abwägung aller Vor- und Nachteile. Das bedeutet: Es hat keine andere Option gegeben. Den Aktionären raten sie – wenn auch mit Bauchgrummeln – zur Annahme des AMS-Angebotes zu 38,50 Euro „Die finanzielle Attraktivität der Offerte war dabei höher zu gewichten als die Kritikpunkte.“

          Das konkurrierende Angebot der amerikanischen Finanzinvestoren Bain Capital und Carlyle Group liegt mit 35 Euro deutlich niedriger. Bisher gibt es keine Anzeichen, dass sie sich in ein Bieterrennen einlassen wollen. Auf Anfrage gaben sie keine Stellungnahme ab. Im Juli votierten die Osram-Gremien einstimmig für die Investoren. Die Arbeitnehmervertreter bevorzugen sie nach wie vor explizit.

          Vorstand wirbt für neue Struktur

          Deutlich heißt es in der Stellungnahme, dass Vorstand und Aufsichtsrat die notwendige Transformation der Verluste schreibenden Osram in einer „privaten Eigentümerstruktur“ abseits der Börse bevorzugten. Es gebe offene Fragen zur Strategie unter AMS, insbesondere mit Blick auf die Ausrichtung der Geschäfte, globale Standortstrategie, die unterstellten Synergien von 300 Millionen Euro und das Integrationskonzept.

          Weitere Themen

          In Phuket stehen die Hotels leer Video-Seite öffnen

          Tote Hose im Paradies : In Phuket stehen die Hotels leer

          Weil immer weniger Chinesen auf Phuket Urlaub machen, stehen die Hotelzimmer auf der thailändischen Ferieninsel leer. Das wiederum macht die Region billiger für Reisende.

          Temasek lehnt  Eingreifen in  Sachen Osram ab

          F.A.Z. Exklusiv : Temasek lehnt Eingreifen in Sachen Osram ab

          Der singapurische Staatsfonds weist Forderungen der Arbeitnehmer zurück, sich gegen eine Übernahme des Lichtkonzerns durch AMS zu stellen. Er greife nicht in die geschäftlichen Entscheidungen seiner Beteiligungen ein.

          Topmeldungen

          Johnson und der Brexit : Drei Briefe und ein einziges Ziel

          Boris Johnson will weiter versuchen, das Brexit-Abkommen bis Ende des Monats zu ratifizieren. Schon am Montag könnte die Regierung in London eine neue Abstimmung über den Brexit-Vertrag ansetzen – wenn John Bercow das zulässt.
          Kurdisches Fahnenmeer: Demonstranten am Samstag in Köln

          Türken-Kurden-Konflikt : Kurz vor der Explosion

          Der Krieg in Nordsyrien führt auch in Deutschland zu handfesten Auseinandersetzungen zwischen türkischen und kurdischen Migranten. Das könnte erst der Anfang sein.
          Mit Arte in Oslo: Carola Rackete.

          Carola Rackete bei Arte : Ein ganz persönlicher Kulturschock

          In der Arte-Reihe „Durch die Nacht mit ...“ treffen die Aktivistin Carola Rackete und die norwegische Schriftstellerin Maja Lunde aufeinander. Man meint, sie hätten einander viel zu sagen. Es kommt anders.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.