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Seitenbacher : Die Stimme für das Müsli

Schon bald nach der Gründung wurde der Standort in Waldenbuch zu klein, der Schwabe siedelt mit seinem Betrieb nach Baden um, nach „Badisch-Sibirien“, wie er selbst sagt. Ausschließlich dort produziert sein Unternehmen heute. Das prosperierende 20000-Einwohner-Städtchen Buchen liegt auf halbem Weg zwischen Heilbronn und Würzburg. Vor anderthalb Jahren hat sich hier der Heidelcement-Vorstandsvorsitzende Bernd Scheifele, selbst Schwabe, ein Schloss samt Ländereien gekauft.

Was man in Deutschland bekommen könne, werde auch in Deutschland gekauft, sagt Pfannenschwarz. Der Großteil des Getreides stamme von Bauern aus der Umgebung, ein Lieferant sei die Mühle seines Bruders. Um die 30 Millionen Euro setzt das Unternehmen nach eigener Darstellung um, 140 Mitarbeiter beschäftigt es in Buchen.

Kein Müsli für Discounter

Es ist noch nicht lange her, da war Willi Pfannenschwarz weniger gelöst als heute. Der Sprung der Getreidepreise 2010 habe ihm und der Branche schwer zu schaffen gemacht, sagt er. „Wir wären fast Konkurs gegangen.“ Seitenbacher habe Kredite aufnehmen müssen, um die Zeit zu überbrücken, bis die eigenen Preiserhöhungen beim Handel gegriffen hätten.

Er gönne jedem Landwirt höhere Preise, sagt Pfannenschwarz. Rapsanbau für Biodiesel rechne sich eben schneller als kontrollierter Weizenanbau für Nahrungsmittel - aber diese Politik treibe nun mal die Preise. Der Engpass ist nach seinen Worten inzwischen überwunden, er plant schon wieder mit einer Erweiterung der Gebäude. Aber vorsichtiger ist er schon geworden. Er wisse manchmal nicht mehr, was eigentlich richtig sei, sagt Pfannenschwarz. „Früher waren die Leute froh, wenn sie eine volle Stelle hatten, heute sind viele mit einer Teilzeitstelle glücklich.“ Eine Garantie auf den Erfolg gebe es nicht: „All unsere Produkte sind heute durch Nachahmerprodukte aus anderen Regionen ersetzbar“, sagt er. Das Geschäft sei in vielerlei Hinsicht schwieriger geworden. Während sich im Handel früher mehrere Regionalverantwortliche um den Einkauf kümmerten, gebe es heute manchmal einen Einkäufer für ganz Deutschland. Das Kartellamt prüfe genau, wenn zwei Hersteller von Schokoladenkalendern zusammengingen, eine Übernahme im Handel mit 700 Filialen gehe aber problemlos durch. Pfannenschwarz hat seine Abnehmerpalette verbreitert, nur an Discounter liefert er nicht.

Gemeinsam durch dick und dünn

Während Willi Pfannenschwarz erzählt, hört seine Frau Marion aufmerksam zu. Beide sind in Schwarz gekleidet, sein weinrotes Sakko harmoniert mit ihrer roten Mähne. Sie passen nicht nur äußerlich zusammen, sie haben den Betrieb gemeinsam aufgebaut, sie gehen auch zusammen auf Messen - und durch dick und dünn. Sie kümmert sich seit Jahren um die Finanzen, er um die Strategie. Irgendwann haben sie sogar zusammen den Hubschrauberführerschein gemacht. Zurzeit steht der Hubschrauber im Schuppen, den kleinen Landeplatz hinter ihrem Büro hat das Paar dem örtlichen Krankenhaus zur Verfügung gestellt, das gerade umgebaut wird.

Sein größtes Glück, sagt Willi Pfannenschwarz, seien seine drei Kinder. Die Zwillingstöcher und der Sohn, musikversessen wie der Vater, arbeiten mittlerweile mit im Betrieb. Natürlich frage er sich, ob Seitenbacher langfristig ohne Kooperationen weitermachen könne, sagt der Gründer. Aber bisher hätten sie noch alles aus eigener Kraft geschafft. Willi Pfannenschwarz wird nächstes Jahr 60 Jahre alt. Er wird weitermachen, ob mit oder ohne Karle. „Ich würde wieder dieselbe Firma gründen“, sagt er. „Und ich würde wieder dieselbe Frau heiraten.“

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