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Seit Freitagabend : Quelle-Katalog ist im Druck

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Jetzt gehts los: Der Quelle-Katalog wird gedruckt Bild: AP

Die Maschinen laufen plangemäß das gesamte Wochenende durch: Seit Freitag, 22.00 Uhr, wird der Katalog des Versenders Quelle in Millionenauflage gedruckt. Unterdessen konkretisieren sich die Rettungsbemühungen für die schwer angeschlagene Arcandor-Tochter.

          Der Katalog für das ums Überleben kämpfende Fürther Versandhaus Quelle wird seit Freitagabend gedruckt. Nach Erteilung des Druckauftrages durch den vorläufigen Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg warf die Firma Prinovis in Nürnberg um 22.00 Uhr die Maschinen an. „Obwohl die endgültige Zusage für die von Quelle geforderte Bürgschaft noch nicht vorliegt, haben wir uns dazu entschlossen, mit der Produktion des Kataloges für unseren langjährigen Kunden Quelle zu beginnen“, heißt es in einer Mitteilung von Prinovis-Geschäftsführer Winfried Marquardt.

          Die Firma werde das gesamte Wochenende hindurch drucken, um den Zeitplan einzuhalten. Die Druckkosten wurden auf 20 bis 25 Millionen Euro beziffert. Das Versandhaus erzielt nach eigenen Angaben mit dem Katalog 40 bis 50 Prozent des Umsatzes. Im Geschäftsjahr 2007/08 erzielte die Quelle GmbH einen Umsatz von 2,9 Milliarden Euro. Um die Fertigung nach dem Wochenende fortsetzen zu können, benötigt Prinovis in der kommenden Woche eine rechtsverbindliche Zusage zur Übernahme der Produktionskosten. „Bei der Entscheidung vertrauen wir auf den politischen Willen des Freistaats Bayern und der Bundesrepublik Deutschland zur Unterstützung von Quelle und damit auch ihrer Lieferanten“, betonte Marquardt.

          Rettungsbemühungen werden konkreter

          Derweil werden die Rettungsbemühungen für die zahlungsunfähige Arcandor-Tochter konkreter: Wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet, soll Quelle nicht nur eine Bürgschaft über 50 Millionen Euro erhalten, es soll auch einen Überbrückungskredit für die Essener Bank Valovis geben. Wie es in bayerischen Regierungskreisen heißt, liegt das Volumen bei 300 Millionen Euro. Damit soll Quelle bis Januar 2010 stabilisiert werden.

          Valovis brauche zur Sicherstellung des Quelle-Geschäfts jeden Monat 100 Millionen Euro - von Juli bis Ende September. Von da an will die Bank dem Bericht zufolge offenbar gemeinsam mit einem französischen Bankenkonsortium das Geschäft von Quelle ohne Garantien des Staates selbstständig weiterführen, so habe sie es zugesagt. „Die haben ein strategisches Interesse daran, dass Quelle funktioniert“, sagt der bayerische Finanzminister Georg Fahrenschon und fügte hinzu: „Quelle ist ein Hauptkunde dieser Bank.“ Die Bank gab auf Anfrage keine Stellungnahme ab.

          Für 100 Millionen Euro steht Valovis angeblich selbst gerade, für 100 Millionen garantiere die Bayerische Landesbank und die letzte Tranche solle vermutlich die Commerzbank stemmen, an der der Bund beteiligt ist. Die Kredite seien mit den Forderungen an die Quelle-Kunden abgesichert.

          „Weiterführung der Quelle vorerst gesichert“

          Der vorläufige Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg hatte am Freitagabend mitgeteilt, ein Bankenkonsortium habe grundsätzlich zugesagt, die nötige Zwischenfinanzierung der Lieferungen an Kunden zu übernehmen. Für das sogenannte Factoring war bisher die Valovis-Bank zuständig. An sie trat das Versandhaus seine Forderungen an Kunden ab, um sofort Geld für die Warenbeschaffung zu bekommen. Die Valovis-Bank hatte dem Versandhaus mit der Insolvenz gekündigt.

          Ein Bankenkonsortium habe sich nun grundsätzlich bereiterklärt, das Factoring-Programm für Quelle wieder aufleben zu lassen, nachdem der Freistaat Bayern seine Beteiligung an einer staatlichen Ausfallbürgschaft in Höhe von 50 Millionen Euro zugesagt habe. Damit sei „die Weiterführung der Quelle vorerst gesichert“, erklärte der Insolvenzverwalter.

          Die Ausfertigung der juristischen Dokumente werde erst im Laufe der nächsten Tage möglich sein, hieß es in der Erklärung. Eine Entscheidung des Bundes über die Bürgschaft ist wohl erst in der kommenden Woche zu erwarten. Wegen des ungewöhnlichen Termindrucks habe er die Papierlieferanten, Druckereien und Binder daher gebeten, das Restrisiko des juristischen Vollzugs zu tragen und bislang ausschließlich Zusagen bekommen.

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