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Börsenaufsicht SEC : Wirtschaftsprüfer sollen chinesische Firmen verpetzen

In den Büros der amerikanischen Börsenaufsicht SEC in Washington. Bild: REUTERS

Gelten die Regeln der Wall Street auch für börsennotierte Unternehmen aus China? Im Streit zwischen Amerikas Börsenaufsicht und den großen Wirtschaftsprüfern ist Einigung in Sicht.

          2 Min.

          Es ist eine der wichtigsten Fragen beim Aufstieg Chinas an die Spitze der Weltwirtschaft: Wie sehr lassen sich chinesische Staatskonzerne von ausländischen Regulierungsbehörden in die Karten schauen, wenn sie ihre Aktien an Börsen außerhalb Chinas handeln lassen?

          Hendrik Ankenbrand
          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Für chinesische Konzerne gelten dieselben Spielregeln wie für alle, findet die amerikanische Börsenaufsicht SEC. Sie untersagte im vergangenen Januar den vier großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften Ernst & Young, KPMG, Deloitte und Pricewaterhouse Coopers (PwC) die Prüfung von chinesischen Unternehmen, die an der Wall Street börsennotiert sind. Die Wirtschaftsprüfer hatten sich geweigert, der SEC Unterlagen über ihre chinesischen Klienten bereitzustellen, um Betrugsvorwürfen nachgehen zu können. Als Grund wird angeführt, dass eine Weitergabe von unternehmensinternen Informationen an das Ausland in China als Verrat von Staatsgeheimnissen bestraft wird.

          Vergangenen Montag einigten sich die Streitparteien auf einen Aufschub von 90 Tagen, in denen die verhängte sechsmonatige Suspendierung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaften zunächst ausgesetzt wird. Das würde helfen, in der „komplexen“ Angelegenheit eine Einigung zu erzielen, teilte die SEC am Montag mit. Von den Wirtschaftsprüfern gab es hingegen keinen Kommentar.

          PwC & Co. sind in einer schwierigen Situation. Einerseits sind sie gegenüber Amerikas Börsenaufsicht verpflichtet, auf Anfrage jedes interne Unternehmensdokument auszuhändigen, das sie bei der Prüfung ihrer Klienten zu Gesicht bekommen. Auf der anderen Seite steht der chinesische Staat, der bei Weitergabe von genau diesen Informationen ans Ausland mit Strafverfolgung droht.

          Im Streit geht es um mehr als nur um Vorschriften

          Die Prüfer drängen deshalb die Regierungen in den Vereinigten Staaten und in China, das Problem auf dem diplomatischem Wege zu lösen, was ganz offensichtlich nicht geklappt hat. Zwar handelten im Mai vergangenen Jahres die Vereinigten Staaten und China ein Abkommen aus, demzufolge sie bei der Offenlegung von Unternehmensdaten stärker miteinander kooperieren wollen. Doch nach wie vor erhalten die Fahnder der SEC offensichtlich nicht den Einblick in die Bilanzen einer Reihe chinesischer Gesellschaften, gegen die sie seit Jahren wegen des Verdachts auf Betrug ermitteln wollen.

          Für Beobachter drängt sich der Eindruck auf, dass es bei dem Streit um weit mehr geht als um ein paar einzelne Unternehmen. Denn die Frage, ob China oder Amerika böser ist, was Verstöße gegen Wirtschaftsregeln angeht, ist höchst umstritten. Nachdem durch die Enthüllungen des ehemaligen NSA-Mitarbeiters Edward Snowden herausgekommen ist, dass die amerikanische Geheimdienstbehörde umfassende Wirtschaftsspionage in China betrieben hat und zum Abhören des 28 Milliarden Dollar Umsatz schweren Netzwerkausrüsters Huawei sogar ein eigenes Lauschteam gebildet hat, ist die Pekinger Regierung der Ansicht, sich von den Amerikanern über Regelverstöße im Wirtschaftsleben nichts mehr sagen lassen zu müssen.

          Würde die Suspendierung der SEC umgesetzt, müssten sich 200 chinesische Unternehmen, die in Amerika börsennotiert sind, neue Wirtschaftsprüfer suchen, um nicht vom Handel ausgesetzt zu werden. Internationale Großkonzerne dürften für die Prüfung ihrer chinesischen Tochtergesellschaften ebenfalls nicht mehr eine der vier großen Gesellschaften beauftragen. Fachleute sind sich einig, dass dies die Unternehmen vor gewaltige Probleme stellen würde, da PwC, KPMG, Ernst & Young und Deloitte nahezu den gesamten Markt für Unternehmensprüfungen abdecken und kleinere Gesellschaften nicht mal annähernde Ressourcen für die Prüfungen großer Unternehmen besitzen.

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