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Besteck und Kochtöpfe : Dieser französische Konzern will WMF kaufen

  • Aktualisiert am

Ein Schnellkochtopf von SEB Bild: SEB

Die schwäbische Traditionsmarke WMF wird wohl nach Frankreich verkauft. Ein Unternehmen mit historischen Wurzeln im Burgund hat sich nach eigenen Angaben mit dem Küchengerätehersteller geeinigt.

          Die 1853 gegründete Württembergische Metallwarenfabrik (WMF) mit Sitz im baden-württembergischen Geislingen wird bald französisch werden. Eine entsprechende Vereinbarung sei unterzeichnet worden, teilte der französische Konzern Seb am Montagabend mit. Man habe sich mit den Finanzinvestoren Kohlberg Kravis Roberts (KKR) geeinigt. Der Wert der Transaktion belaufe sich auf insgesamt mehr als 1,5 Milliarden Euro. An anderer Stelle ist die Rede von knapp 1,6 Milliarden Euro. Die Wettbewerbsbehörden müssen dem Deal noch zustimmen. Seb rechnet mit einer Zustimmung im zweiten Halbjahr 2016. WMF war zunächst nicht zu erreichen.

          Seb ist ein traditionsreiches französisches Unternehmen, das gerne als ein erfolgreiches Beispiel für Modernisierung und Exportorientierung zitiert wird. Zu den Marken unter dem Dach von Seb gehören unter anderem Krups, Moulinex, Tefal und Rowenta. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete die „Société de’emboutissage de Bourgogne“, so der ursprüngliche Name, mit seinen 25500 Mitarbeitern in 63 Ländern einen Umsatz von 4,8 Milliarden Euro. Das Unternehmen mit den historischen Wurzeln im Burgund exportiert heute fast die Hälfte seines Umsatzes in die Schwellenländer. Von den 29 Industriestandorten befinden sich zehn in Frankreich und einer in Deutschland.

          Töpfe von WMF

          Die Übernahme von WMF ist die größte in der Geschichte von Seb. Das deutsche Unternehmen erwirtschaftet zwar zwei Drittel ihres Umsatzes von rund einer Milliarde Euro mit Töpfen, Pfannen und Besteck, der Löwenanteil des Gewinns kommt allerdings aus dem Verkauf und der Wartung von Profi-Kaffeemaschinen.

          Für KKR verspricht der Verkauf ein lukratives Geschäft zu werden. Als der Investor 2012 einstieg, wurde WMF gerade mit rund 600 Millionen Euro bewertet. An die Kleinaktionäre und den schweizerischen Großaktionär CapVis zahlte KKR zusammen 470 Millionen Euro. Der zweite Großaktionär, der österreichische Unternehmer Andreas Weißenbacher, ließ sich später in Anteilen an der Holding abfinden, über die KKR die WMF hält. Er könnte damit auch am Weiterverkauf teilnehmen. Der Traditionskonzern hat einen drastischen Umbau hinter sich. Insgesamt 400 Stellen wurden in der Vergangenheit abgebaut, das Sortiment gestrafft, einzelne Marken abgestoßen, wenn sie sich gegenseitig Konkurrenz machten. Die Logistik wurde von 35 auf 2 Standorte konzentriert.

          Angaben zum Gewinn machte WMF in der Vergangenheit nicht. Der Auslandsanteil am Umsatz liegt nach Unternehmensangaben vom Februar erstmals bei 50 Prozent. Das größte Wachstum erzielte WMF im Jahr 2015 in China mit 34 Prozent, hieß es damals. Erst im vergangenen August hatte das Unternehmen bekanntgegeben, im großen Stil Kaffeemaschinen in Indien fertigen zu wollen. Deshalb hatte das Traditionsunternehmen zusammen mit der größten Kaffeehauskette Indiens, Coffee Day, im vergangenen Juli ein Gemeinschaftsunternehmen gegründet. In der Nähe von Bangalore sollten Kaffeemaschinen für den örtlichen Markt und auch für Südostasien gefertigt werden.

          Seb hat vor wenigen Tagen erst den deutschen Spezialisten für Haushalts- und Gartenprodukte Emsa aus Emsdetten übernommen. An der Pariser Börse wird das Unternehmen derzeit mit rund 4,8 Milliarden Euro bewertet. Seit Februar hat der Kurs um knapp ein Fünftel zugelegt.

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