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Science-Fiction als Vorlage : Ideen aus dem Weltall

In Gruppenarbeit spielten er und seine Truppe zwei Szenarien durch: Wie sähe eine Welt aus, in der man nur noch laufen darf, und wie eine, in der man gar nicht mehr laufen darf? Welche technologischen und sozialen Folgen hätte ein Kometeneinschlag? Der Merck-Manager ist in seinem Urteil kaum zurückhaltend: „Durch die Frage, was das für uns heißt, kamen Ideen auf, die wir sonst nie gehabt hätten.“ Werden andere Manager von ihren Vorgesetzten zum Teil noch mitleidig angeschaut, wenn sie ihnen von der Ideenschmiede in Wetzlar erzählen, unterstützen ihn seine Vorgesetzten. „Durch dieses Verfahren verstehen wir besser, was vielleicht künftig einmal wichtig werden könnte“, sagt Küchenthal.

Fiktive Ideen werden Realität

Welches innovative Potential in der phantastischen Literatur steckt, hat auch die European Space Agency in den Niederlanden schon vor mehr als einem Jahrzehnt entdeckt. Im September 2002 veröffentlichte die Behörde einen Bericht, in dem sie Technologien aus der Sciencefiction-Literatur zusammentrug – in der Hoffnung, weltraumtechnische Anwendungen weiterzuentwickeln: Antriebstechniken auf Basis der Raum-Zeit-Krümmung, Fusions- oder Ionentriebwerke, Weltraum-Laser und magnetische Schilder, verzögerungsfreie Kommunikation. „Auch hoffte man, dabei Einfälle und Anregungen für potentielle langfristige Forschungs- und Entwicklungsarbeiten der europäischen Raumfahrt zu gewinnen“, schrieb der damalige ESA-Projektleiter David Raitt in dem Bericht.

Zahllose Beispiele lassen sich finden, wie fiktive Ideen eines Tages politische oder ökonomische Realität wurden. Eines der spektakulärsten stammt aus der Atomphysik: Der britische Romancier H.G. Wells sagte um 1910 eine bestimmte Kettenreaktion in der Atomtechnik voraus. Der ungarische Physiker Leo Szilárd, der an der Entwicklung der Atombombe in Amerika beteiligt war, berichtete später, diese Passage habe bei ihm den entscheidenden Impuls gesetzt, in eine bestimmte Richtung weiterzudenken. Später hat dies die wirtschaftliche Nutzung der Kernenergie ermöglicht. Ähnlich war es in der amerikanischen Marine, die vor dem ersten Weltkrieg einen Wettbewerb für ein U-Boot ausschrieb. Der zweitplazierte Teilnehmer orientierte sich an Jules Vernes „Nautilus“.

Das Konzept einer in der Tiefsee schwimmenden Geheimwaffe war zwar ungeeignet für den damaligen Bedarf, die Küsten zu schützen. Jahre später erinnerte man sich aber des Entwurfs und baute U-Boote nach dem „Nautilus“-Vorbild. Noch wirtschaftlicher wurde es bei anderen Autoren: Der französische Schriftsteller Albert Robida erdachte sich schon vor mehr als 100 Jahren Flachbildschirme und Videokonferenzen. Teledoktoren, wie sie zum Teil in der Gesundheitsvorsorge eingesetzt werden, kommen bei dem aus Luxemburg stammenden Romanschreiber Hugo Gernsback vor. Kleine Bücher namens Opton, bei denen man die Inhalte auf eine Seite ziehen kann wie heute auf ein Tablet, beschrieb der polnische Kultautor Stanislaw Lem.

Martin Cooper, der Vater des Mobiltelefons, der 1973 mit einem Motorola-Prototyp das erste schnurlose Telefonat machte, beschrieb, wie unmittelbar er für seine Idee von Sciencefiction beeinflusst wurde. Dabei war es ihm fast ein bisschen unangenehm, dass sein Modell eher einem Ziegelstein ähnelte als den coolen Handgeräten, mit denen die „Enterprise“-Besatzung von Captain Kirk, Pille und Mr. Spock kommunizierte. Die lässigen Handbewegungen, mit denen sie die Klappe ihres Utensils öffneten, habe ihn zu seinem Motorola-Handy inspiriert, sagte Cooper in der Dokumentation „Expedition Weltall“. Ähnliches könnte für die Handbewegung gelten, mit der Tom Cruise in dem Film „Minority Report“ seinen Bildschirm steuert und die verdächtig an das Blätterverfahren bei Apples iPads erinnert.

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