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Schweizer Skiorte : Die Deutschen sind zurück auf der Schweizer Piste

Schnell ins Tal Bild: dpa

Zuletzt kamen Araber und Chinesen – nun berichten Schweizer Skiorte von der Rückkehr der Touristen aus dem Nachbarland. Nach der verkorksten Vorsaison regiert jetzt wieder die Zuversicht.

          Im vergangenen Jahr fehlten die Ausländer. Die Schweizer Skiorte erlebten eine verkorkste Wintersaison. Doch jetzt haben sich die Urlauber aus dem Euroraum offenbar an den hohen Frankenkurs von gut 1,20 zum Euro gewöhnt. Sie kehren zurück ins Berner Oberland, nach Graubünden und ins Wallis. Vor allem die Deutschen sind wieder da. Mögen die arabischen Gäste mit den stärksten Zuwachsraten im Schweizer Tourismus glänzen und die Chinesen inzwischen die größte Gruppe von außerhalb Europas bilden – ohne die Nachbarn aus dem Norden geht nichts in den Hotelbetten der Eidgenossenschaft. „Seit Anfang des Jahres registrieren wir bei den deutschen Gästen nach mehreren negativen Jahren wieder Monat für Monat Zuwächse, teilweise sogar im zweistelligen Bereich“, macht Gieri Spescha vom Tourismusverband Graubünden Ferien sich und den Touristikern im Kanton Mut. Die Zunahme der deutschen Gästezahlen sei ein Lichtblick, sekundiert Edith Schweizer von Zermatt Tourismus im Wallis.

          Jürgen Dunsch

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          2012 zierten sich die Deutschen und gaben ihre Euros lieber zum Beispiel im günstigeren Zielland Österreich aus. 4,6 Millionen Übernachtungen waren zwar immer noch ein knappes Drittel aller Schweizer Urlauber, aber gut elf Prozent weniger als im Vorjahr. Da kam so mancher Hotelier in den Skiorten ins Grübeln, und der eine oder andere verfiel sogar in eine wirtschaftliche Depression. Die Finanzkrise und ein Wechselkurs bis nahe einem Franken je Euro hatten viele deutsche Touristen vor Ferien in der Schweiz zurückschrecken lassen. Seit 2008 brach die Zahl ihrer Übernachtungen um 27 Prozent ein. Stadthotels kamen besser durch die Krise, unter Druck gerieten vor allem die Bergkantone. Hier ist die Wintersaison entscheidend, in vielen Ferienorten von Samnaun im Nordosten bis Verbier im Südwesten beträgt das Verhältnis zwischen Winter- und Sommertourismus 70 zu 30 oder sogar 80 zu 20.

          Rabattaktionen greifen um sich

          Umso mehr regiert daher nach dem Prinzip Hoffnung in den vergangenen Jahren jetzt wieder die Zuversicht. Der September 2013 als letzter Sommermonat, der ein Übernachtungsminus aus Deutschland von 3,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr brachte, wird abgehakt. Bis zum Erreichen früherer Gipfel wird es aber noch eine Weile dauern. Tourismusvertreter betonen, dass viele Skiorte aufgerüstet haben, dies vor allem bei den Bergbahnen. Aktuell gute Schneeverhältnisse und einige Sonnentage haben dafür gesorgt, dass schon viele Skigebiete geöffnet sind. Vor diesem Hintergrund grämen sich Lenzerheide und Arosa besonders, dass die lange geplante Lift-Verbindung zwischen beiden Orten nicht wie geplant zum Saisonauftakt fertig wurde.

          Viele Destinationen locken darüber hinaus mit speziellen Bonbons für die anspruchsvolleren Gäste. Allen Widerständen von Schweiz Tourismus zum Trotz haben Rabattaktionen um sich gegriffen. Andere Hotels bieten die Übernachtungen inklusive Skipass und Fahrt auf den öffentlichen Verkehrsmitteln an. Ein Beispiel ist die Aktion „Pay what you want“ von 18 Beherbungsbetrieben bis 20. Dezember: Die Touristen bezahlen nur für die erste Nacht den ausgeschriebenen Preis, den Obolus für die zweite Übernachtung legen sie selbst fest.

          Solche Aktionen und das Bündel offener oder verdeckter Rabatte – die es freilich nicht nur in der Schweiz gibt – hieven zwar nun auch dort die Belegungsraten wieder in die Höhe, zehren aber andererseits an den Erträgen der Tourismusanbieter. Sie können auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Schweiz immer noch zu viele Zwei- und Drei-Sterne-Hotels zählt, deren Preis-Leistungs-Verhältnis mit den Häusern in anderen Alpendestinationen nicht Schritt halten kann. „Der Strukturwandel wird sich akzentuieren – kleine Hotels werden größeren weichen“, glaubt Schweiz-Tourismus-Chef Jürg Schmid. Der Winter scheint indes gerettet: Das Konjunkturforschungsinstitut BAK Basel sagt für die Schweiz 2,9 Prozent mehr Hotelübernachtungen voraus. Der erwartete Zuwachs der Inländer bewegt sich mit 0,9 Prozent im langjährigen Durchschnitt. Das Filetstück würden die Ausländer mit plus 4,6 Prozent beitragen.

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