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F.A.Z. exklusiv : Schweizer Fondsmanager greift nach Mainfirst

Pesarini ist bekannt als Verwalter des hinter dem Carmignac Patrimoine lange Zeit zweitgrößten Mischfonds namens Ethna Aktiv. Bild: Bergmann, Wonge

Der schillernde Fondsmanager Luca Pesarini aus der Schweiz will die Mehrheit an der Fondsgesellschaft. Mainfirst hat seit der Gründung 2001 schon für einige Schlagzeilen gesorgt.

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          Die inhabergeführte Fondsgesellschaft und Investmentbank Mainfirst steht nach Informationen dieser Zeitung kurz davor, einen neuen Mehrheitseigentümer zu bekommen. Der Schweizer Fondsmanager Luca Pesarini hat dem Vernehmen nach ein Angebot abgeben mit dem Ziel, rund 70 Prozent der Anteile zu erwerben. Derzeit prüft die Bankenaufsicht im Rahmen eines Inhaberkontrollverfahrens, ob sie Pesarini die Übernahme der Mehrheit genehmigt.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Pesarini ist bekannt als Verwalter des hinter dem Carmignac Patrimoine lange Zeit zweitgrößten Mischfonds namens Ethna Aktiv. Die Wertentwicklung dieses Fonds ist mit einem Plus von 2,4 Prozent seit drei Jahren eher unterdurchschnittlich. Mit einem Vermögen von nur noch 7,6 Milliarden Euro ist der Ethna Aktiv auf Rang fünf der größten Mischfonds abgerutscht. Beobachter vermuten daher, dass sich der 1961 in Italien geborene Pesarini mit Mainfirst ein lukratives Betätigungsfeld sucht.

          Mit seinem Privatvermögen, das in einer gemeinsam mit seiner Frau geführten Schweizer Dachgesellschaft gebündelt ist, war Pesarini 2014 bei Mainfirst eingestiegen. Damals litt die Investmentboutique unter dem Ausstieg von Patrick Bettscheider, der Mainfirst 2001 gegründet hat. Bettscheiders Anteile von 22 Prozent hatten zunächst elf Partner übernommen. Dann landeten die Anteile in einem hauseigenem Fonds, worunter der Ruf Mainfirsts Schaden gelitten hat. Schließlich übernahm Pesarini diese Anteile. Bislang bezeichnete er Mainfirst als reine Finanzanlage und nicht als strategisches Investment. Allerdings hat er im vergangenen Jahr bereits weitere Anteile an Mainfirst erworben, ohne dass dies bekannt geworden wäre. Damit hielt Pesarinis Holding 44,9 Prozent, bevor er nun nach der Mehrheit greift.

          Der schillernde Pesarini hat als Vorstand von Julius Bär bereits früh Bankerfahrung gesammelt. Als Fondsmanager kritisierte er dann 2012 in dieser Zeitung die europäischen Banken. Sie seien zu stark auf das Investmentbanking ausgerichtet und hätten zu wenig Eigenkapital, um Vertrauen bei Anlegern zu gewinnen. Damit behielt Pesarini Recht, die meisten Bankaktien verloren seither kräftig. Nun hofft er offenbar auf ein Ende der Bankenbaisse. Ein Teil der elf Partner, darunter Mitgründer Peter Bernatzky, scheint verkaufsbereit. Dies schürt Unruhe unter den 200 Mitarbeitern, die Mainfirst in zwei Gesellschaften in Frankfurt und Zürich und in Büros in New York, London, Luxemburg, Mailand, München und Paris beschäftigt. Nachdem im Sommer ein Team vom Marktführer Allianz Gobal Investors abgeworben werden konnten, sind gerade in Frankfurt anscheinend einige Fondsmanager auf dem Sprung, um Mainfirst wegen der anstehenden Übernahme durch Pesarini zu verlassen. Pesarini ist dagegen dem Vernehmen nach bemüht, wichtige Partner an Bord zu halten.

          Mainfirst hat in seiner kurzen Unternehmensgeschichte schon für einige Schlagzeilen gesorgt. Für Aufsehen sorgte, dass der frühere Vorstandsvorsitzende der Landesbank Baden-Württemberg, Siegfried Jaschinski, von 2011 bis Anfang 2014 zunächst als Inhaber und Partner und dann zuletzt als Verwaltungsrat für Mainfirst tätig war.

          Auf dem Kapitalmarkt schrieb Mainfirst mit dem Chemieunternehmen Evonik eine Erfolgsgeschichte. Man fand für Evonik 2013 zunächst Ankerinvestoren und führte erst danach Evonik an der Börse. Über diesen Umweg gelang Mainfirst für seinen Kunden Evonik der Börsengang, an dem mit Deutscher Bank und Goldman Sachs zuvor zwei etablierte Investmentbanken gescheitert waren.

          Dennoch blieb das Geschäftsmodell mit den Säulen Aktienhandel (Brokerage) und Aktien-Umplazierungen sowie der Vermögensverwaltung (Asset Management) im Gerede. Der seit Ende 2013 als Vorstandsvorsitzender amtierende Partner Andreas Haindl hat sich vorgenommen, das Fondsgeschäft im Verhältnis zum Aktiengeschäft zu stärken. Einige namhafte Fondsmanager wie etwa den zuvor bei Union und Deka beschäftigten Dividendenfachmann Thomas Meier konnte Mainfirst gewinnen. Zuletzt wollte man das Geschäft mit Fonds ausbauen, die auf liquide Sachwerte setzen. Falls Pesarini übernimmt, könnte Mainfirst abermals vor einem Richtungswechsel stehen.

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